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Tierqual in der Kosmetik – Teil 2 (Tierversuche)

Beagle Versuchstier
Tierversuche für die Schönheitspflege sind in der EU verboten. Leider hat das EU-Verbot große Lücken und lässt den Kosmetikkonzernen Schlupflöcher. Deshalb ist es nach wie vor wichtig, auf Kontroll-Siegel gegen Tierversuche zu achten, diese sind in erster Linie Hase mit schützender Hand, Leaping Bunny oder PETA Cruelty-Free. Hinzu kommt, dass Kosmetikmarken, deren Produkte in China registriert wurden, nicht mehr tierversuchsfrei sind, da die chinesischen Behörden für die Produktregistrierung Tierversuche anordnen können. Warum außerdem der Griff zu Natur- oder Biokosmetik hilft, Tierversuche einzuschränken, beschreiben wir nachfolgend…
Beagle Versuchstier

Leider oft als Versuchstiere missbraucht… (Foto: Pixabay, PIX1861)

Die Gesetzeslage

In der Europäischen Union sind Tierversuche für die Kosmetik verboten. Das gilt für die Endprodukte wie auch für die kosmetischen Inhaltsstoffe. Auch die drei Giftigkeitstests (chronischer Toxizitätstest, Reproduktionstoxizitätstest, Toxikokinetiktest), für die viele Jahre eine Ausnahmeregelung galt, sind verboten. Und besonders wichtig: Seit 11. März 2013 ist auch die Einfuhr tiergetesteter Kosmetikprodukte und -inhaltsstoffe aus Nicht-EU-Ländern untersagt. Damit wird verhindert, dass Konzerne Tierversuche einfach außerhalb der EU durchführen lassen. Das Kosmetik-Tierversuchsverbot ist ein riesiger Erfolg für Tierschutzorganisationen und Tierversuchsgegner, die seit Jahrzehnten dafür gekämpft haben.

Die Gesetzeslücken

Wird ein Rohstoff nicht nur für Kosmetik, sondern etwa auch für andere Zwecke, etwa medizinische Produkte verwendet, sind Tierversuche nach wie vor uneingeschränkt erlaubt. Hier von Gesetzeslücke oder “Schlupfloch” zu sprechen ist eigentlich untertrieben: die Zahl der Substanzen, die nur für den kosmetischen Bereich entwickelt und zugelassen werden, ist nämlich gering. Nur etwa 10% der Substanzen werden ausschließlich für Kosmetika verwendet. Entweder können für die restlichen 90% Tierversuche beantragt werden, die unter das Chemikaliengesetz fallen. Oder Konzerne und Versuchslabors geben eine medizinische Relevanz an und schon ist der Tierversuch vom Verbot ausgenommen.

Weiters gilt das EU-Verbot nur für Neuzulassungen von Produkten ab heute. Zudem müssen die Verbote in den einzelnen EU-Ländern erst durchgesetzt und kontrolliert werden. Und wir wissen noch nicht, wie lückenlos und ernsthaft das umgesetzt werden wird. In manchen Ländern wie der Volksrepublik China sind Tierversuche sogar teilweise verpflichtend vorgeschrieben. Ein weltweit agierender Konzern kann also in Europa „tierversuchsfreie“ Produkte auf den Markt bringen und in China ähnliche Produkte, die dort aber – wie in China vorgeschrieben – an Tieren getestet wurden. (Anmerkung: Das Leaping-Bunny-Siegel und die PETA-Positivliste schließen Firmen aus, die ihre Produkte in China verkaufen.)

Solange es kein weltweites Verbot von Kosmetik-Tierversuchen gibt, werden weiterhin Tierversuche durchgeführt.

Aus natürlichen Zutaten lässt sich viel zaubern. (Foto: Pixabay, silviarita)

Vegan und bio

Konsequent gedacht, sollten wir nur Kosmetikprodukte kaufen, deren pflanzliche Inhaltsstoffe aus Bioanbau stammen. Warum? Konventionell angebaute Pflanzen werden mit Düngemittel und Pestiziden „behandelt“ und diese Chemikalienmixturen wurden und werden an Tieren getestet. Darüber hinaus ist Natur- und Biokosmetik auch für unseren Körper besser.

Tierliche Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten bedeuten ebenso Tierqual, wie in „Tierqual in der Kosmetik – Teil 1 (Tiersubstanzen)“ nachzulesen ist. Hier zeigt sich übrigens ein weiterer Vorteil von zertifizierter Bio- und Naturkosmetik, denn bei ihrer Herstellung ist die Verwendung von Substanzen toter Tiere verboten. Wir empfehlen allerdings, überhaupt nur Kosmetikprodukte zu kaufen, die gar keine tierlichen Substanzen enthalten. Zum einen wird Tierqual nur so konsequent und garantiert ausgeschlossen, zum anderen sind tierliche Rohstoffe immer durch pflanzliche und mineralische ersetzbar. Bei den pflanzlichen Rohstoffen sollte es sich wie gesagt um solche aus Bioanbau handeln. Hier geht’s zur Übersicht der von uns empfohlenen Kosmetikmarken, die diese Voraussetzungen weitestgehend erfüllen.

Links und Quellen

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