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Warenkunde nachhaltiger Textilien

Hanf
Ob Baumwolle, Hanf, Bambus oder Kapok, ob Ramie, Soja, Brennessel oder Leinen, ob Tencel, Naturkautschuk oder Synthethik- und Recyclingmaterialien – es gibt jede Menge tier- und umweltfreundliche Textilstoffe. Einige dieser Stoffe haben eine jahrtausendealte Tradition und werden gerade wieder neu entdeckt.
Hanf

Öko-Textilpflanze Hanf (Foto: Pixabay, LarsLarsen)

Vielversprechende Zukunftsaussichten

Bei anderen hat ihr Einsatz als Gewebe erst kürzlich begonnen. Hier wird auch noch einiges an Forschung und Entwicklung passieren, etwa aus Soja feinste Fäden zu spinnen oder ein umweltfreundlicheres als das gängige Viskoseverfahren, um ein Bambusgewebe zu erzeugen. Ob ein Textil als einigermaßen umwelt- und tierfreundlich bewertet werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Wird die Faser-Pflanze ökologisch angebaut, also ohne giftige Düngemittel und Pestizide (die an Tieren getestet wurden)?
  • Wird die Faser aus der Pflanze ökologisch gewonnen, also ohne giftige Chemikalien?
  • Wird das Textil mit keinen schädlichen Stoffe (z.B. AZO-Farben) weiterbehandelt?

Nur wenn das alles sichergestellt ist, können wir von einem tierfreundlichen, ökologischen und auch biologisch abbaubarem Textil sprechen. Im Falle von Kunstfasern geht es vor allem darum, ob sie langlebig und sinnvoll recycelbar sind. In jedem Fall gilt: je länger etwas getragen wird, desto besser!

Informationen zur ganzen Palette tierfreundlicher Textilien

Baumwolle

… ist mit einem Anteil von über 50% der bedeutendste Rohstoff für Bekleidung und Textilien und die am meisten produzierte Naturfaser der Welt. Allerdings ist der konventionelle Anbau der empfindlichen tropischen und subtropischen Pflanze für die Menschen, die Umwelt und die Tiere katastrophal: Jedes Jahr werden auf Monokultur-Plantagen Millionen Tonnen an Düngemitteln, Pestiziden und Insektiziden eingesetzt. Keine Nutzpflanze wird so intensiv mit Pestiziden behandelt wie Baumwolle (bis zu 25 mal vor der Ernte). Aufgrund der Knebelverträge eines globalen Düngemittel- und Saatgut-Herstellers ist die Selbstmordrate unter den indischen Baumwoll-Bauern enorm. Außerdem führen die ausgebrachten Chemikalien auch zu Krankheiten bei den Menschen. Sie schädigen die Umwelt. Und: Sie wurden an Tieren in schmerzhaften und tödlichen Experimenten getestet.

Tödlich endet auch für viele Feldtiere die Ernte von konventionell angebauter Baumwolle: Giftige Entlaubungsmittel machen Menschen und Tiere krank. Darüber hinaus richten Erntemaschinen und -traktoren ein Blutbad unter den Tieren, die sich auf den Feldern aufhalten, an. Außerdem werden zunehmend Kleidungsstücke aus genmanipulierter Baumwolle auf den Markt geworfen, ohne dass die Konsumenten das erfahren, denn im Gegensatz zu Lebensmitteln gibt es bei Textilien keine Kennzeichnungspflicht. In China, Indien und den USA werden bereits mehr als ein Drittel der Baumwollfelder mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut.

Baumwolle

Achten Sie auf Gütesiegel bei Baumwolle (Foto: Pixabay, Mariaa)

Kaufen Sie deshalb nur Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA). Hier kommen keine Schadstoffe zum Einsatz, es wird organisch gedüngt (Kompost). Auch der Wasserverbrauch ist sparsamer, da man auf den ökologischen Plantagen meist Tröpfchenbewässerung einsetzt. Außerdem wird auf Fruchtfolge geachtet, um den Boden nicht auszulaugen. Geerntet wird in der Regel von Hand – die entsprechenden Gütesiegel (GOTS, IVN-best, Fairtrade) garantieren sozialverträgliche Arbeitsbedingungen.

Bekleidung aus Baumwolle ist reißfest, strapazierfähig und hautfreundlich.

Hanf

… ist eine uralte Kulturpflanze, die gerade wiederentdeckt wird. Sie ist eine schnell nachwachsende robuste Pflanze, braucht wenig Wasser, ist unempfindlich gegenüber Insektenbefall und Krankheiten, was den Einsatz von Chemikalien überflüssig macht. Hanfanbau ist deshalb in der Regel automatisch biologischer Anbau. Eine Ökopflanze schlechthin! Nicht nachvollziehbar sind die noch immer bestehenden Hürden für Hanfanbau in Europa. Schließlich sind die Nutzhanf-Sorten (Cannabis sativa subsp. sativa), aus denen Textilfasern gewonnen werden können, andere als jene, aus denen das Rauschmittel THC gewonnen wird. Derzeit kommt der meiste Hanf aus China – was einen unnötig langen Transportweg bedingt.

Hanftextilien sind langlebig und strapazierfähig, und können Feuchtigkeit gut aufnehmen. Außerdem ist die Hanffaser unempfindlich gegen Bakterien, Pilze und Motten und hat eine antibakterielle Wirkung. Neben Kleidung wird Hanf auch als Füllmaterial für Bettdecken verwendet.

Bambus

… liefert im Prinzip eine umweltfreundliche Faser. Die in Asien heimische Pflanze wächst schnell, ist unempfindlich und muss kaum gedüngt und bewässert werden. Problematisch wird es nur, wenn der Mensch riesige Monokulturen anbaut oder gar andere Wälder für Bambus-Plantagen abholzt. Ein weiteres Problem ist, dass in der Textilindustrie selten die natürliche ohne den Einsatz von Chemie gewonnene Bambusfaser verwendet wird. Meistens wird Viskose-Bambus verarbeitet. Bambus liefert hier als Holzersatz den Rohstoff für Zellulose, die unter ausgiebigem Einsatz von giftigen Chemikalien herausgelöst wird. Da kann man kaum mehr von ökologischem Textil sprechen. Entwickelt man aber einen ökologischen Herstellungsprozess (und hier gibt es bereits Pioniere), dann ist Bambus sicher ein Textil der Zukunft – aber erst dann!

Bambus-Stoffe haben einen seidigen Griff und Glanz, es ist ein leichtes und atmungsaktives Gewebe. Außerdem hat Bambus natürliche, antibakterielle Wirkstoffe und ist geruchsabweisend.

Kapok

Kapok – die „Pflanzendaune“, eine wärmende kuschelige Hohlfaser (Foto: Wikimedia Commons, David Mead, CC0 1.0)

Kapok

… wird auch Pflanzendaune genannt und stammt vom tropischen Kapokbaum. Die daraus gewonnene Kapokfaser wird als Füllung für Bettdecken und Pölster verwendet. Durch ein neues Spinnverfahren wird Kapok inzwischen immer öfter auch für Bekleidung (gemischt mit Baumwolle) verwendet. Wegen des Lufteinschlusses von 80% gilt die Kapokfaser nach Pappelflaum als leichteste natürliche hohle Textilfaser der Welt.

Kapok hat eine natürliche Wärme- und Feuchtigkeitsregulierung. Der Kuschelfaktor ist sehr hoch.

Ramie

… ist die Bastfaser der in China und Indien beheimateten Ramiepflanze (Boehmeria Nivea), die auch Chinagras genannt wird. Sie besteht aus Zellulose. Bei einer bis zu zehnjährigen Lebenserwartung kann sie bis zu viermal jährlich geerntet werden. Der Faser-Ertrag ist etwa viermal so hoch wie der von Baumwolle. Da die Verarbeitung aber sehr aufwändig ist, sind Ramie-Textilien relativ teuer. Die Faser ist sehr gleichmäßig und fein und hat einen schönen Glanz. Um Ramie besser verarbeiten zu können, wird er meist mit Baumwolle oder synthetischen Fasern zu einem Garn versponnen.

Ramie ist der ideale Stoff für leichte Sommerkleidung, Spitzen und duftige Dekorationstextilien.

Soja

… ist eine an sich interessante neue Faser für Textilien: Allerdings nur dann, wenn sichergestellt ist, dass kein gentechnisch verändertes Saatgut verwendet wurde und der Anbau biologisch erfolgt. In der Tuchherstellung wird Soja meist mit Baumwolle gemischt.

Das Gewebe ist hautfreundlich und angenehm weich und leicht glänzend.

Brennnessel

… ist eine völlig zu Unrecht unterschätzte Pflanze. Neben der Verwendung als Gemüse (ähnlich wie Spinat) und Heilkraut liefern ihre Stiele auch eine wunderbare Faser zur Herstellung von Textilien. Die Pflanze ist heimisch, für ihren Anbau braucht es keine Düngemittel, und für den gesamten Herstellungsprozess kann auf Chemie verzichtet werden. Meist wird die Brennnessel gemeinsam mit Biobaumwolle zu einem Stoff verarbeitet.

Die Stoffe aus Brennnesseln sind angenehm glatt, können Feuchtigkeit sehr gut aufnehmen, sind hautfreundlich, pflegeleicht und reißfest.

Brennnessel

Die Brennnessel – innerlich und äußerlich vielseitig einsetzbar (Foto: Pixabay, klimkin)

Leinen

… ist eine Bastfaser aus den Stängeln der Flachspflanze. Der Anbau, die Gewinnung und Verarbeitung ist umwelt- und tierfreundlich – allerdings nur, wenn es sich um Bioanbau handelt und das Textil nicht mit einer ganzen Reihe von Chemikalien behandelt wird, um es knitterärmer zu machen. Leinen ist seit der frühen Antike bekannt und die älteste Textilfaser der Welt. Mit der Industrialisierung und dem  weltweiten Anbau von Baumwolle bzw. deren Verabeitung wurde Leinen völlig zurückgedrängt.

Die Faser ist reißfester als die der Baumwollpflanze, hautfreundlich und atmungsaktiv. Die glatte Oberfläche von Leinen nimmt wenig Schmutz an und wirkt bakterienhemmend. Leinen kühlt, knittert stark und ist kaum dehnbar. Sehr beliebt ist Halbleinen, eine Mischfaser aus Baumwolle und Leinen.

Tencel

… ist eine weiche, seidenartige Alternative zu Baumwolle. Die Faser wurde vom österreichischen Unternehmen Lenzing entwickelt. Im Gegensatz zu Modal zeichnet Tencel (auch Lyocell genannt) eine ökologische und nachhaltige Herstellung aus. Tencel wird aus Eukalyptusholz gewonnen. Die Zellulosefasern werden mittels eines mit Umweltpreisen ausgezeichneten Verfahrens herausgelöst. Das Lösungsmittel ist ungiftig und wird fast vollständig wiederverwendet. Im Gegensatz zu Viskose und Modal ist die Herstellung von Tencel also relativ umweltfreundlich, und so wird das Textil auch als ökologische Faser der Zukunft gepriesen. Uneingeschränkt gelten kann das aber nur, wenn sichergestellt ist, dass für die Herstellung keine riesigen Eukalyptuswald-Monokulturen entstehen und dafür gar Naturwälder abgeholzt werden. Außerdem muss sichergestellt sein, dass Tencel nicht mit giftigen Chemikalien behandelt wird, etwa in Form von Farben.

Tencel ist ein idealer Ersatz für Seide, wirkt angenehm kühl und ist leicht glänzend.

Lenpur

Lenpur wird auch als „pflanzliches Kaschmir“ bezeichnet. Die Textilfaser ist nämlich so weich wie Kaschmir und dabei so glänzend wie Seide. Sie verfügt über eine hohe Feuchtigkeitsaufnahme und -transport und nimmt Gerüche schwer auf. Gewonnen wird Lenpur aus Zellulose – also Holz. Dabei werden ausschließlich Äste und Zweige aus Rückschnitten verwendet. In einem patentierten Verfahren werden die Bäume so entästet, dass sie stehen bleiben und weiter ausschlagen können. Es kommt zu keiner Rodung der Wälder. Anders als etwa bei der unökologischen Erzeugung von Viskose erfolgt die Zellulose-Gewinnung für Lenpur mikro-organisch, ohne Verwendung von chemischen Zusätzen. Das Produktionsverfahren ist sehr zeitaufwändig und daher kostenintensiv. Lenpur-Fasern werden pur oder oft auch mit Baumwolle versponnen, um daraus Stoffe zu weben oder Strickgarne zu erzeugen. Derzeit gibt es noch nicht sehr viele Anbieter, vereinzelt sind Strickgarne zu finden.

Bananenseide

… ist die tier- und umweltfreundliche Alternative zu Seide. Jedes Gramm erspart hunderten Raupen den qualvollen Tod in kochendem Wasser. Darüber hinaus ist die Herstellung umweltfreundlich, weil ein „Abfallprodukt“ des Bananenanbaus verwertet wird: die Pflanze wird nach der Bananenernte zurückgeschnitten. Aus dem Stamm wäscht man nun die langen Fasern heraus, aus denen dann das feine Bananenseide-Garn gesponnen wird. Das Textil erinnert an Wildseide. Bisher gibt nur Schals aus Bananenseide, die es bei Hess natur zu kaufen gibt. Hergestellt werden die Schals von den Mitarbeitern eines Sozialprojekts in Nepal.

 

Naturkautschuk

Gewinnung von Latex, dem Milchsaft des Naturkautschukbaumes (Foto: Wikimedia Commons, Rainer Haeßner, CC BY-SA 3.0)

Naturkautschuk

… ist ein nachwachsender Rohstoff, der als Milchsaft aus der Rinde des tropischen Gummi- und Kautschukbaumes Süd-Ostasiens gewonnen wird. Verglichen mit der Herstellung synthetischen Gummis ist der Energieaufwand um 90% geringer. Naturkautschuk (Naturlatex) wird verwendet für Regenmäntel, Gummistiefel, Handschuhe und Matratzen.

Synthetikfasern

… sind künstlich hergestellt. Sie haben entweder einen pflanzlichen Ursprung und werden unter Einsatz von viel Energie und Chemie hergestellt: Viskose, Modal etc. Oder sie werden mittels eines chemischen Verfahrens aus Erdöl, Erdgas oder Kohle hergestellt: Polyester, Polyamid, Polyurethan, PVC, Polypropylen und Microfaser (extrem fein gewebte Faser aus Polyester, Polyamid oder Polyacryl). Grundsätzlich lassen sich Chemiefasern ebenso gut verarbeiten wie Naturfasern. Außerdem sind Synthetikfasern nicht generell abzulehnen. Mitunter ist ihr ökologischer Fußabdruck sogar kleiner als etwa jener von konventionell angebauter und verarbeiteter Baumwolle oder Leder. Ins Gewicht fällt hier auch die enorme Haltbarkeit und Recyclingfähigkeit des Materials. Microfasern sind heute vor allem in der Sportbekleidung gang und gäbe. Synthetikflocken als wärmende Füllung in Mänteln, Anoraks und Schlafsäcken. Und Polyurethan u.a. als Material für vegane Schuhe (siehe auch „Kunstfaser oder Naturmaterial“).

Recycling-Materialien

… sind Synthetikfasern, die wiederverwertet werden. Etwa, wenn PET-Flaschen wieder zu PET-Flaschen verarbeitet werden. Von Upcycling spricht man, wenn aus einem gebrauchten Material ein noch wertvollerer Gegenstand geschaffen wird, etwa wenn aus LKW-Planen Laptop-Taschen genäht werden. Kurzum: die synthetischen Fasern landen nicht auf dem Müll, sondern bleiben im Kreislauf, erleben ein zweites oder gar drittes Leben. Durch Recycling oder Upcycling verringert sich der ökologische Fußabdruck von Kunstfasern enorm. Beispiele im Textilbereich liefern hier die Recycling-Outdoor-Kleidung von Patagonia, die vom Unternehmen wieder zurückgenommen wird, oder die unzähligen  kleinen Designlabels, Kleider-, Gürtel- und Taschenhersteller, die ausschließlich gebrauchte Materialien re- oder upcyceln. (Kreative Re- und Upcycling-Adressen finden Sie in den Kapiteln „Kleidung“ sowie „Schuhe & Taschen“ unter den Kategorien „Recycling“ bzw. „Upcycling“.)

Lesetipp

  • „Saubere Sachen“ von Kirsten Brodde, Ludwig Verlag, ISBN 978-3453280038 www.randomhouse.de
  • Kirsten Broddes Blog mit immer neuen, interessanten Beiträgen zu Ökologie und Mode: www.kirstenbrodde.de

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