Infothek Tipp

Die Ananas macht den Schuh

Die Wende in der Schuhbranche hat bereits eingesetzt. Immer größer wird das Angebot an tierleidfreien, ökologisch vertretbaren und fair hergestellten Schuhen. Das hat auch damit zu tun, dass als Alternative zu chromgegerbtem Leder umweltfreundliche pflanzliche Materialien wiederentdeckt beziehungsweise neu entwickelt wurden: Kork ist ökologisch, wasserfest und atmungsaktiv. Diese Eigenschaften hat auch das revolutionäre Ananasleder, das aus den Blättern der Ananas – einem Abfallprodukt – hergestellt wird. Aus Hanf, der Ökotextilpflanze schlechthin, können angenehm tragbare Sommer- und Übergangsschuhe hergestellt werden. Eine fast ganzjährige Nutzung gibt es auch bei Schuhen aus wasserfester (weil langstapeliger) Biobaumwolle. Last but not least: Auch die Designs passen – von trendig-urban bis Business-Style.
Ananasleder

Statt im Müll zu landen: Aus den Blättern der Ananas wird ein ökologisches Pflanzenleder (Foto: Wikimedia Commons, Maksym Kozlenko, CC BY-SA 4.0)

Besser als Leder

Zur Zeit laufen einige äußerst interessante Entwicklungen, die das Potential haben, die Schuh- und Taschenbranche zu revolutionieren: Pflanzenleder!

Ananasleder

Bereits auf dem Markt ist Ananasleder: Eine der vielversprechendsten Neuentwicklungen, auch Pinatex genannt (Hersteller: www.ananas-anam.com). Das umweltfreundliche Material wird aus Ananasblättern (einem Abfallprodukt der Lebensmittelerzeugung) hergestellt. Es hat ähnliche Eigenschaften wie Tierleder, ist atmungsaktiv und zugleich wasserabweisend. Außerdem passt es sich dem Fuß an. Von Glattleder ist es kaum zu unterscheiden, die Struktur ähnelt einem robusten Leder. Schuhe aus Ananasleder gibt es bereits von den Marken nae, Po-zu, Bourgeois Boheme, Vegetarian Shoes sowie vom internationalen Sportartikelhersteller Puma. Pinatex-Taschen werden u.a. von Vegatar und Alexandra K angeboten. Übrigens: Auch Autositze und Sofas können mit der pflanzlichen Lederalternative Pinatex überzogen werden.

Für trockene Füße: Schuhe aus wasserabweisendem Ananasleder. (Foto: animal.fair)

Kork

Längst am Markt und inzwischen zum Trend geworden sind Schuhe mit beziehungsweise aus Kork. Die weiche Rinde der Korkeiche wird auf ein textiles Trägergewebe aufgetragen und bildet so ein gutes Schuh-Obermaterial. Das Korkgewebe schmiegt sich ebenso gut am Fuß an wie Leder. nae, Sorbas, pozu und ekn sind nur einige der modernen Schuhhersteller, die mit Kork arbeiten.

Ein Schuh aus Korkleder ist immer ein Unikat – seine Struktur spiegelt das Wachstum des Baumes, zeigt seine Individualität. Die genannten Labels achten natürlich auf eine ökologische Herstellung. Der nachwachsender Rohstoff Kork stammt meist aus portugiesischen Korkeichen-Wäldern. Er wird in regelmäßigen Abständen vom Baum gewonnen, ohne dass dieser gefällt wird.

 

Korkschuh

Korkschuh: bequem, atmungsaktiv, ökologisch (Foto: nae)

Ligneah

Von einer italienischen Firma entwickeltes lederartiges Material aus Holz. Das Unternehmen verarbeitet nur FSC-zertifiziertes Holz, für jeden gefällten Baum wird ein Baum in Niger gepflanzt. Durch die spezielle Verarbeitung entsteht ein Material, das so weich und strapazierfähig wie Leder ist. Die wunderschöne Maserung der verschiedenen Baumarten bleibt erhalten. Daneben gibt es besonders weiche Materialien – ebenso in verschiedenen Farben -, die durch Lasergravur entstehen. Informationen zum Material finden Sie hier. In einem eigenen Onlineshop werden derzeit Taschen, Accessoires und fallweise Schuhe vertrieben.

Last but not least sei noch erwähnt, dass es von vivobarefoot einen Schuh gibt, der zu 100% aus Algenmaterial besteht. Wir bleiben weiter am Ball…

…kurz vor dem Launch

Vegea

Dieses lederartige Material erscheint uns besonders vielversprechend. Es wird nämlich aus der Traubenmaische (Haut und Kerne), dem Abfallprodukt der Wein- und Saftherstellung gemacht. Wir warten noch auf Schuhe, Taschen oder Sofas aus diesem innovativen und ökologischen Material. Auf Anfrage teilte uns die Firma mit, dass man derzeit an den ersten Prototypen arbeite. Informationen findet ihr hier.

Zoa

Eine bahnbrechende Entwicklung kündigt das US-amerikanische Unternehmen Modern Meadow an: In einem Prozess, der Biofabrikation genannt wird, produzieren lebende Zellen von einem Hefestamm Collagen, das wiederum zu großen “Stoff”bahnen zusammenwächst. So entsteht ein leder-identes Material – allerdings mit vielen Vorteilen gegenüber Tierhäuten. Zum einen ist es absolut umweltfreundlich, auch die Färbung passiert in einem geschlossenen Kreislauf. Es ist atmungsaktiv, wasserabweisend und geschmeidig. Für robustere Zwecke kann auch ein dickeres Material hergestellt werden. Im Gegensatz zu Tierleder, liegen hier immer die gleichen Qualitäten vor, was die Verarbeitung vereinfacht. Es fühlt sich an wie Leder und auch die Struktur des Materials sieht wie Leder aus. 2018 will das Unternehmen das tierleidfreie Leder auf den Markt bringen.

Uhrenarmbänder: Leder aus Pflanzenblättern

Bei der Klagenfurter Firma Hirsch, die bekannt für ihre Uhrenarmbänder aus Leder ist, wird bereits auf Hochtouren am Launch veganer Uhrenarmbänder auf einem Pflanzenleder, namens Pfleder, gearbeitet. 2018 sollen die Produkte auf den Markt kommen. (Erste Infos findet ihr hier.) Übrigens: Von Hirsch gibt es bereits jetzt einige vegane Uhrenarmbänder: aus Kautschuk sowie aus hauchdünnem Stein auf Kautschuk.

Pilzleder

Auch aus Pilzen kann ein lederartiges Textil hergestellt werden. Es ist nicht nur komplett biologisch abbaubar, sondern hat auch die erwünschten Ledereigenschaft: atmungsaktiv, wasserabweisend. Das Material ist sehr weich und erinnert ein bisschen Rauleder. Eine gerade als Schuhmaterial interessante Eigenschaft ist, dass das Pilzleder die Bildung von Bakterien hemmt. Außerdem nimmt es Feuchtigkeit gut auf und gibt sie nach außen ab. Neben Taschen, Hüten, Accessoires eignet sich Pilzleder für die Herstellung von Einlegesohlen, Schuhen und Armbänder für Uhren.

Fertige Produkte aus Pilzleder sind in Europa unseres Wissens noch nicht am Markt, wir hoffen aber sehr, dass sich das bald ändern wird. Wer selber etwas nähen will, etwa eine Tasche, kann das Pilzleder im Webshop des italienischen Herstellers grado zero espace unter http://lifematerials.eu als Stückware (in drei Größen) bestellen. Dort firmiert das Pilzleder übrigens unter dem Namen MuSkin. Auf dem US-amerikanischen Markt hat sich der Hersteller MycoWorks etabliert.

Sommer, Sonne, Stoffschuhe

Stoffschuhe haben aber nicht nur im Sommer Hochsaison. Es gibt auch Modelle, die warm und wasserabweisend genug sind, um im Frühling und Winter getragen zu werden. Einige wenige Textilschuhe sind sogar  gefüttert und wintertauglich. An erster Stelle sei hier Hanf genannt. Die Cannabis-sativa-Pflanze ist die ökologische Textilpflanze schlechthin: Sie ist robust, braucht weder Dünger noch Pestizide und ist unempfindlich gegenüber Schädlingen. Der Hanf empfiehlt sich aber vor allem auch wegen seiner Trageeigenschaften: temperaturausgeleichend, atmungsaktiv und unempfindlich. Aus ihm werden etwa von Risorse Future wärmere Modelle gefertigt.

Daneben bieten sich auch Leinen und Biobaumwolle an, Klassiker für leichte Sommerschuhe. Wenn die Sohle dann auch noch aus Naturkautschuk ist, tragen Sie wahrlich “grüne” Schuhe. Der klassische Sneaker von Ethletic etwa (in vielen Farben und Varianten erhältlich) erfüllt all diese Kritierien.

Mikrofaserschuhe – am liebsten aus recyceltem Material

Schließlich tut sich auch in punkto Recycling einiges: Denn eine ganze Reihe an Herstellern arbeitet mit Materialien aus recycelten PET-Flaschen. So hat etwa der portugiesische Schuhhersteller nae einen Schuh namens Re-Bottle auf den Markt gebracht. Und immer mehr andere Labels bemühen sich darum, wenn sie schon Synthetikfasern verarbeiten, dass diese zumindest recycelt wurden.

Der klassische Mikrofaserschuh besteht aus einem Gemisch aus Polyurethan und Baumwolle. Polyurethan wird aus Erdöl gewonnen, da gibt es nichts daran zu rütteln. In Summe ist der ökologische Fussabdruck eines Mikrofaserschuhs aber immer noch deutlich kleiner als jener eines konventionell erzeugten Ledersschuhs (das nicht pflanzlich gegerbt wurde und von heimischen Biorindern stammt). Die Ökobilanz verbessert sich beim Synthetikschuh natürlich, wenn er aus Recyclingmaterial besteht.

Mikrofaserschuhe sind – wenn von einem fair und umweltbewusst arbeitenden Markenhersteller – sind atmungsaktiv, schadstofffrei und bequem zu tragen, weil sie sich dem Fuß anpassen können. Zudem wird das Schuhputzen fast zum Vergnügen: In der Regel reicht ein angefeuchtetes Tuch.

Noch ein Tipp: Beim Einkauf auf Reisen oder beim Online-Shopping kommt Ihnen vielleicht die Bezeichnung “faux leather” unter. Es bedeutet schlichtweg Kunstleder. Darüber hinaus gibt es einige brandnames, die von verschiedenen Firmen geführt werden: Vegetana (Vegetarian shoes), Birko-Flor und Birkibuc (Birkenstock), Lorica (Italienisches Produkt: Mischung aus Zellulose-Mikrofasern, Polymid und Polyurethan), durabuck (Nike) oder Hydrolite (Avia).

Vegan oder lederfrei?

Es gibt vegane Schuhe, wo auch garantiert ist, dass der Klebstoff nichts Tierliches enthält. Und es gibt lederfreie Schuhe, wo nur klar ist, dass sie kein Leder enthalten. Lederfreie Schuhe aus Naturstoff oder Synthetik erkennt man an der Kennzeichnung, allerdings erfährt man nicht, ob etwa der verwendete Klebstoff Knochenmehl enthält. Viele konventionelle Schuhlabels sowie Billig-Schuhketten bieten “Plastikschuhe” an. Hier kann die Qualität (Tragekomfort und Atmungsaktivität) zu wünschen übrig lassen. Ausserdem liegen Herstellungs- und Arbeitsbedingungen, unter denen diese Schuhe produziert wurden, im Dunkeln. Außerdem: Eine Garantie, dass keine Klebstoffe mit tierlichen Inhaltsstoffen (wie Knochenmehl) verwendet wurden, gibt es nur bei den ausgewiesen veganen Qualitätsschuhen.

Wir empfehlen deshalb, lieber auf Qualität statt Quantität zu setzen. Bei ökofairen Schuhlabels muss man vielleicht etwas mehr bezahlen, dafür kann man sicher sein, dass keine Schadstoffe im Schuh sind und keine Menschen ausgebeutet wurden. Besser weniger Paare im Schuhkasten, diese tragen sich dafür mit gutem Gewissen und Gefühl.

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