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Das Einmaleins der Hundehaltung

Hund
Ein Hund ist ein Hund und möchte auch als solcher behandelt werden. Weder ist er Ersatz für Kind oder Partner, noch will er quasi als Statussymbol an der Seite des Menschen vorgeführt werden. Auch mehrmals die Woche mehrere Stunden allein in der Wohnung zu verbringen, bedeutet für den Hund eine Qual. Wer keine Zeit, keinen Platz und kein Interesse hat, dem Tier ein schönes und hundefreundliches Leben zu bieten, sollte von der Anschaffung eines Hundes absehen. Wer aber bereit ist, sich auf die Hundesprache einzulassen und den Hund nicht unterwerfen und sein Bedürfnisse unterdrücken will, der hat die Chance, einen Gefährten und Freund fürs Leben zu gewinnen.
Hund

Hund und Mensch: eine Freundschaft für´s Leben. Foto: Pixabay (StockSnap)

Hund und Mensch – ein wunderbares Gespann

Ein Hundeleben kann rund fünfzehn Jahre währen. Das bedeutet viel Verantwortung für eine lange Zeit –  von der aufregenden, aber auch anstrengenden Welpen-Phase bis hin zur ruhigeren Seniorenzeit des Hundes, wo es hohe Tierarzt-Kosten geben kann oder der Hund intensive Pflege braucht. Wer einen Hund weggibt, weil sich die „Lebensumstände geändert haben“ oder es zu anstrengend wird, fügt dem treuen Tier riesigen Schmerz zu.

Der vom Rudel-Tier Wolf abstammende Hund hat ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Der eigene Mensch bzw. dessen Familie werden als Sozialpartner akzeptiert. Die Kommunikation des kontakt- und bewegungsfreudigen Tieres läuft über die Körpersprache. Hunde hören sehr gut, haben einen feinen Tastsinn aber allem voran einen außergewöhnlichen, hochsensiblen Geruchssinn.

Nach einer mindestens 10.000 Jahre dauernden Geschichte der Domestikation des Hundes (manche Quellen sprechen sogar von 100.000 Jahren) gibt es unzählige Hunderassen – in allen Größen, mit allen möglichen Körper- und Gesichtsformen. Die Züchtung vieler Rassen geschah nicht zum Wohl der Tiere, sondern aus einem seltsam verstandenen Schönheitsideal, Experimentierlust oder Geltungssucht. Zucht, um zu zeigen, was alles möglich ist. Die Folge sind Rassen mit chronischen Gesundheitsproblemen – etwa weil die Nasen kurz gezüchtet wurden.

Ich möchte einen Hund – aber woher?

Der oft geschmähte sogenannte Straßenpinscher ist dies zu unrecht. Die Durchmischung unterschiedlicher Gene ist eine gute Voraussetzung für eine robuste Gesundheit. Aber selbstverständlich kann man „seinen Hund“ auch bei einem seriösen Züchter finden. Wer bei einem Züchter kauft, sollte sich unbedingt ein genaues Bild von den Lebensbedingungen der Tiere machen: Wie werden Muttertiere und Junge gehalten, wie viele Hunde sind auf dem Gelände, wie oft geht man mit ihnen spazieren, wie viel Auslauf haben sie, wie oft müssen die Muttertiere werfen usw.

Wir von animal.fair möchten vor allem darauf hinweisen, dass tausende Hunde in Tierheimen leben müssen und sich nach einem neuen Zuhause sehnen. Darüber hinaus werden jedes Jahr in unseren Nachbarländern, am Balkan und in Osteuropa viele Tausend Hunde getötet. Mehrere Tierschutzorganisationen vermitteln Tiere aus diesen sogenannten Tötungsstationen. In der jüngsten Vergangenheit wurden in der Ukraine (vor der Fussball-EM 2012) unzählige Straßenhunde getötet und in mobilen Krematorien verbrannt. Und im Herbst 2013 haben auch die Behörden in Rumänien wieder die Tötung von Straßenhunden beschlossen, seitdem spielt sich dort ein furchtbares Hundemassaker ab. Wir appellieren deshalb an jeden Hundefreund, so ein Tier zu übernehmen und damit zu retten, oder einen Hund aus dem Tierheim aufzunehmen.

Auch wenn sie noch so süß sind – die Anschaffung eines Hundes will wohl überlegt sein. Foto: Pixabay (JACLOU-DL)

Wer nicht die Möglichkeit hat, dauerhaft einem Hund ein neues, sicheres Zuhause zu geben, kann sich als Pflegestelle bewerben. So finden Hunde in Notsituationen einen ersten Pflegeplatz, wo sie sich erholen können, um dann in aller Ruhe weitervermittelt zu werden. Eine weitere Möglichkeit bietet die Patenschaft für einen Hund im Tierheim. Mit diesem absolviert man ein Training und kann ihn dann zu regelmäßigen Spaziergängen und Wanderungen abholen. Für die Hunde im Tierheim ist das eine große Erleichterung ihres traurigen Schicksals.

Welpenhandel

Wir raten dringend davon ab, Welpen übers Internet, in Zoofachhandlungen oder von unseriös wirkenden Züchtern zu kaufen. Im  Zoofachhandel ist der Verkauf von Welpen unter Auflagen erlaubt. Bedenken Sie aber, dass es für Sie keine gesicherte Information gibt, bei welchem Züchter und unter welchen Umständen die Tiere auf die Welt kamen. Sicher ist, dass die Haltung der kleinen schutzbedürftigen Tiere in einer Zoohandlung alles andere als artgerecht ist.

Unbedingt sollte man auch von Hundeübergaben auf der Straße oder am Parkplatz absehen. Meist werden die jungen Tiere illegal und unter widrigsten Bedingungen aus Osteuropa eingeführt. Die Muttertiere werden oft in dunklen und feuchten Räumen in Käfigen als „Gebärmaschinen“ gehalten, sie werden mangelhaft mit Futter und Wasser versorgt, es gibt keine tierärztlichen Untersuchungen, Impfungen oder Entwurmungen und die Jungen werden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt. Viele Tiere überleben das nicht. Wer Hunde aus solchen Quellen kauft, fördert diesen Handel mit Welpen und hilft damit nicht den Tieren, sondern den skrupellosen Tierhändlern, die auf Kosten der Tiere Geld verdienen. Mitleidskäufe unterstützen dieses unselige System.

Leider sind die Hunde aus diesen zweifelhaften Quellen außerdem oft so krank, dass sie nur wenige Wochen überleben. Zudem kann es so auch leicht passieren, dass Sie sich für einen Hund entscheiden, der von seinem Wesen nicht zu Ihnen oder Ihrer Lebenssituation passt. Wer ein Tier aus dem Tierheim zu sich nimmt, wird von den dortigen Pflegern beraten. So kann man herausfinden, welche besonderen Bedürfnisse der Hund hat, etwa mehr Bewegungsbedarf  als etwa eine andere Rasse, ob er an Kinder oder andere Tiere  gewöhnt ist usw. (Linktipp: www.vier-pfoten.at)

Hundetraining

Hunde kommunizieren über Körpersprache, die sehr feine Signale beinhaltet. Daher wird sie von uns Menschen oft falsch gedeutet oder ganz übersehen, was zu vielen Problemen führen kann. Sich Wissen über diese Sprache anzueignen, erleichtert das Verstehen seines Hundes und führt zu einer vertrauensvollen Hund-Mensch-Beziehung.

Klare Regeln zu lernen erleichtert den Alltag – für Hund und Mensch. Foto: Pixabay (825545)

Das Training seriöser Hundeschulen beruht darauf, die (körpersprachlichen) Signale der Hunde wahrzunehmen, sie richtig zu deuten und angemessen darauf reagieren zu lernen. Niemals sollte mit Methoden gearbeitet werden, die dem Hund Angst oder Schmerzen bereiten. Ebenso wenig sollte das Training mit dem Hund auf Unterwerfung beruhen. Ziel kann nur eine Partnerschaft zwischen Mensch und Hund sein, die auf gegenseitigem Respekt und Verstehen beruht. Der Hund muss natürlich gewisse Spielregeln im Zusammenleben mit Menschen lernen. Ebenso muss der Mensch Spielregeln lernen, die das Wohlbefinden des Hundes garantieren. Dazu gehört auch, dass der Hund regelmäßigen Kontakt zu anderen Hunden hat, um seinen Bewegungs- und Spieltrieb zu befriedigen und damit er soziale Beziehungen zu Artgenossen erleben kann.

Ernährung

Obwohl Hunde zu den Karnivoren zählen, haben sie sich im Laufe der Evolution an omnivore Nahrung angepasst. Anders als z.B. bei Katzen ist ihre Verdauung nicht hauptsächlich auf Fleisch ausgerichtet, sondern in der Lage, den Nährstoffbedarf auch über pflanzliche Nahrung zu decken.

Nass- oder Trockenfutter

In der Dosennahrung bzw. im Trockenfutter der herkömmlichen, im Supermarkt oder der Zoohandlung erhältlichen Hundefutter-Marken steckt meist Fleisch aus Massentierhaltung – minderwertig und mit Schlachtabfälle wie Klauen oder Horn vermengt – und fast alle diese Hersteller testen ihr Futter in Tierversuchen. Mit dem Kauf dieses Futters unterstützen Sie derartige Praktiken. Außerdem tun Sie damit Ihrem Hund nichts Gutes, denn dieses Futter enthält ungesunde Lock- und künstliche Konservierungsstoffe. Ähnlich wie beim Menschen entstehen auch bei Tieren viele Krankheiten durch falsche Ernährung. Tierärztliche Folgekosten können geringer gehalten werden, wenn der Hund von Anfang an artgerecht und gesund ernährt wird.

Wenn Sie Ihrem Hund Fleisch füttern, empfehlen wir in jedem Fall hochwertiges Biofutter (siehe: Tipp „Das steckt in konventionellem Tierfutter“), mit einem mittleren Fleischanteil sowie Gemüse, Hirse oder Reis. Zum einen ist das für Ihren Hund gesünder, zum anderen stammt das Fleisch wenigstens von Tieren aus der Biolandwirtschaft. Noch besser ist es, wenn Sie eine Quelle haben, bei der das Fleisch von Tieren stammt, die nicht in konventionellen Schlachthöfen getötet wurden, sondern direkt am Hof.

Hund Fleisch

Wenn der Hund Fleisch bekommt, dann unbedingt hochwertiges Bio-Futter, Bild: Pixabay (jacquielucas0)

Rohfleischfütterung

Beliebt geworden ist in jüngster Zeit das Barfen, also die Fütterung mit rohem Fleisch. Die weiteren Zutaten der Futterration (Gemüse, Getreide, Vitamine und Mineralstoffe) werden extra portioniert und auf den Hund abgestimmt beigegeben. Wichtig ist, dass Sie sich gut informieren und wissen, wie Sie diese Futtermischungen zusammenstellen. Erkundigen Sie sich ausgiebig bei Ihrem Tierarzt oder bei einem Tierarzt, der sich auf Ernährung und Barfen spezialisiert hat, und lesen Sie dazu Fachliteratur.
Das Füttern unausgewogener Rationen, falscher Knochen und ähnliches können zu schwerwiegenden Problemen führen. Siehe Tipp „Rohfleisch aus Hofschlachtung und Selbstgekochtes“.

Vegane Ernährung

Hunde können auch vegan ernährt werden. Dazu gibt es Fachliteratur und bereits einige Studien, die das untermauern. Der Hund kann wertvolle und lebensnotwendige Nährstoffe sowohl aus tierischer als auch pflanzlicher Nahrung beziehen. Sicher ist, dass die lange Geschichte der Gemeinschaft zwischen Mensch und Hund letzteren ernährungstechnisch geprägt hat. Als „Müllschlucker“ menschlicher Essensreste, hat er sich zwangsweise an dessen Ernährung angepasst. Das bedeutet, dass Hunde auf keinen Fall nur mit Fleisch ernährt werden sollen. Gemüse und Getreide sind essentiell für eine ausgewogene Ernährung.

Es gibt sogar immer mehr Hunde, die auf tierisches Eiweiß allergisch reagieren, etwa mit Haut- und Verdauungsproblemen. Als Konsequenz bieten einige Futterhersteller eine vegetarisch/vegane Linie an. Ein gutes Alleinfutter enthält alle vom Hund benötigten Nährstoffe in ausbalancierter Zusammensetzung. Wer sein Tier selbst bekocht und/oder sicher gehen möchte, kann auf diverse Futter-Ergänzungsmittel zurückgreifen, diese können online bestellt werden. (Siehe Tierfutter im Ethischen Einkaufsführer sowie Tipp „Nahrungsmittelergänzungen, vegane Kauknochen und Leckerlis“.)

Das regelmäßige Bereitstellen von frischem Wasser sollte selbstverständlich sein und ist für den Hund lebensnotwendig. Für unterwegs gibt es im Fachhandel praktische faltbare Behältnisse – so kann man den Hund auch auf Reisen, im Restaurant oder auf Wanderungen mit Wasser versorgen.

Der Hund und sein Equipment

Das Bett

Der Platz eines Hundes sollte an einem zentralen Punkt der Wohnung liegen, von wo aus er möglichst viel des Geschehens im Blick hat. Die Unterlage selbst muss den Hund in jedem Fall vor Kälte/Nässe von unten schützen und weich, gemütlich und waschbar sein.

Hund Brustgeschirr

Sicher und angenehm soll es sein beim Spazierengehen. Foto: Pixabay (tadeoka)

Brustgeschirr oder Halsband?

Ein Brustgeschirr bietet gegenüber dem Halsband einige Vorteile: Es übt keinen Druck auf die Luftröhre aus und der Hund ist in Gefahrensituationen besser im Griff zu halten. Besonders wichtig ist, dass das Brustgeschirr gut sitzt und den Bewegungsapparat nicht behindert. Lassen Sie sich hier fachkundig beraten.

Leine & Beißkorb

Erkundigen Sie sich auch, wie in Ihrem Heimatort/Ihrer Region die Leinen- und Beißkorbpflicht geregelt ist. Die jeweiligen Landesgesetze können vom Bürgermeister nämlich noch verschärft oder auch gelockert worden sein. Vorsicht ist beim Waldspaziergang angesagt. Lassen Sie Ihren Hund nur unter Aufsicht von der Leine, damit er nicht einem Jäger vor die Flinte kommt. Wann und wo Jäger Hunde (wie auch Katzen) erschießen dürfen ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Vorsicht ist in jedem Fall geboten.

Bei der Auswahl des Maulkorbs sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Hund hecheln und die Zunge heraushängen lassen kann! Da Hunde kaum Schweißdrüsen besitzen (nur an den Pfoten), geben sie ihre überschüssige Körperwärme über die Zunge und die schnellere Atmung ab. Nimmt man ihnen diese Möglichkeit mit einem unpassenden Maulkorb, kann es schnell zu einem Hitzekollaps kommen.

Wichtiges für unterwegs

Ein Hitzekollaps droht auch im überhitzen Auto im Sommer – bereits nach wenigen Minuten!!! In sehr kurzer Zeit staut sich die Hitze im Auto und wird durch den hechelnden Hund noch verstärkt. Der Hund kann kollabieren und an Kreislaufversagen sterben. Ein spaltbreit geöffnetes Fenster schafft keine Abhilfe! Lassen Sie deshalb Ihren Hund im Sommer niemals allein im Auto!

Das „Sackerl fürs Gackerl“, wie es in Wien genannt wird, sollte zur Ausrüstung jedes Hundemenschen gehören. Mit dem kleinen Plastiksackerl fürs große Geschäft werden Straßen und Wiesen sauber gehalten – damit macht man sich Freunde, auch unter den Nicht-Hundemenschen.

Der faltbare Wassernapf für unterwegs wurde bereits erwähnt. Auch sollten sie immer Leckerlis bereit haben. Mit positiver Verstärkung erreicht man mehr als mit Schimpf und Schelte.

Hund Wasser

Egal, was man gemeinsam unternimmt – Spaß soll es machen. Foto: Pixabay (howo)

Auslauf ist wichtig

Wer einen Hund in der Stadt hält, sollte so oft wie möglich in große Parks, auf Wiesen, aufs Land fahren. Für Hunde ist das ständige Laufen auf Asphalt alles andere als angenehm. Außerdem leidet ihr feiner Geruchssinn unter dem Gestank der Abgase des städtischen Straßenverkehrs. Mit seinem Hund nur in den Beserlpark oder die begrenzten Hundezonen Gassi zu gehen, ist nicht hundefreundlich. Ermöglichen Sie ihrem Tier so oft wie möglich (mindestens einmal in der Woche) eine ausgiebige Wanderung in der freien Natur – ist nicht nur gut für den Hund sondern auch für den Besitzer. Jemand, der nicht bereit ist, seinem  Hund dieses grundlegende Bedürfnis zu erfüllen, sollte sich überlegen, ob er oder sie tatsächlich ein Tier zu sich nehmen wollen.

Was tun im Urlaub?

Schon im Voraus sollte natürlich überlegt sein, wo der Hund hin kommt, wenn der Urlaub ansteht. Selbstverständlich ist der Hund am liebsten mit seinem Rudel unterwegs, auch im Urlaub. Da dies aber nicht immer möglich ist, sollte man schon bei der Anschaffung darüber nachdenken, wer in so einem Fall den Vierbeiner betreuen kann. Damit das gut klappt ist es wichtig, dass es sich dabei um eine Person handelt, die dem Hund schon längere Zeit vertraut ist.

Links und Buchtipps

  • Tipps der Verhaltensmedizinerin Sabine Schroll rund um Anschaffung und Leben mit dem Hund: www.schroll.at
  • „Das andere Ende der Leine“ von Patricia B. McConnell, ISBN: 978-3492253253
  • „Liebst du mich auch. Die Gefühlswelt bei Mensch und Hund“ von Patricia B. McConnell, ISBN: 3938071373
  • „Herz Hirn Hund. Expertenmeinungen zur modernen Hundeerziehung“ von Thomas Riepe, ISBN: 978-3936188585
  • „Vegan kochen für Mensch und Hund“ von Juli Saflor, ISBN: 1481215190

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