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Tierversuche – das tun wir ihnen an

Kaninchen
Tierversuche haben immer Gesichter. Hauptsächlich werden Nager, vor allem Mäuse und Ratten, für die qualvollen Experimente herangezogen, aber auch Kaninchen, Hunde und Katzen müssen ihr Leben für die aus unserer Sicht völlig unakzeptablen Tests opfern. Die Zahl der Tierversuche steigt jedes Jahr – weltweit und auch in Österreich. Warum? Wenn es doch immer mehr Alternativmethoden gibt! Aus Kostengründen, weil es billiger ist, mit Tieren zu experimentieren? Weil der Gesetzgeber kein großes Interesse an schärferen Vorschriften hat?
Kaninchen

Kaninchen “funktionieren” anders als Menschen, die Ergebnisse lassen sich deshalb nur begrenzt auf den Menschen umlegen. (Foto: Pixabay, Alexas_Fotos)

Tierversuche – ein notwendiges Übel?

An den Tieren werden grausame, äußerst schmerzhafte Experimente durchgeführt, die meist mit dem Tod des Tieres enden. 115 Millionen(!) Tiere sind davon jedes Jahr betroffen. Getestet wird für die medizinische Forschung, Grundlagenforschung, Testung von Chemikalien (etwa für Reinigungsmittel, Hausbau, Düngemittel usw.), für Ausbildungszwecke (Medizin- und Veterinärstudium) und für militärische Versuche. Dahinter steht eine riesige Industrie (bis hin zu Zuchtbetrieben für Versuchstiere und Herstellern von Apparaturen, Käfigen und Geräten, in denen die Tiere fixiert werden). Und das, obwohl es inzwischen für die meisten Tests ausreichende Ersatzmethoden gibt.

In der öffentlichen Diskussion werden Tierversuche meist für medizinische Zwecke als “notwendiges Übel” gerechtfertigt. Aber sind sie tatsächlich ein notwendiges Übel? Wie gut sind Tests an gestressten, gequälten und unter Schmerzen leidenden Tieren tatsächlich auf den Menschen übertragbar? Nicht umsonst wenden sich immer mehr Wissenschafter und Mediziner gegen die Steinzeitmethode Tierversuch. Weitere Details dazu in unserem Artikel “Tierversuche – sinnvoll in der Medizin?”

Die gängigen Testverfahren:

Augen- und Schleimhautverträglichkeitstest (Draize Test)

Die Testsubstanz wird Kaninchen in die Augen geträufelt und eingerieben. Die Tiere sind dabei in Zwinger eingesperrt oder bekommen eine Halskrause. Kaninchen sondern kaum Tränenflüssigkeit ab, daher bleibt die Substanz konzentriert im Auge – mindestens 24 Stunden lang. Danach wird der Schaden am Kaninchenauge begutachtet: Reizungen, Trübungen, Entzündungen, Schwellungen starke Verätzungen oder der totale Verlust des Auges sind die Folgen.

Hautreizungs- bzw. Hautätzungstest

Auch hier werden die Kaninchen in Zwinger eingesperrt oder bekommen Halsmanschetten, um sich nicht kratzen oder lecken zu können. Auf geschorene, aufgeritzte und oft auch abgehäutete Hautpartien wird die Chemikalie aufgetragen. Wirkt die Substanz reizend, entzündet sich die Haut.

Dermatitis Hund Allergie

Allergische Dermatitis bei einem Hund – wie unangenehm muss das sein, wenn der ganze Körper juckt. (Foto: Wikimedia Commons, Kalumet, CC BY 2.0)

Hautallergietest

Die Versuchssubstanz wird Meerschweinchen in die Haut gespritzt, um das Immunsystem auf die Substanz zu sensibilisieren. Löst ein nochmaliger Kontakt mit der Chemikalie eine allergische Reaktion aus, sind schmerzhafte Entzündungen und Ablösung der Haut die Folge.

Phototoxizitätstest

Untersucht wird, ob eine Substanz unter der Einwirkung von Sonnenlicht eine schädliche Wirkung entfaltet. Hierfür werden Ratten und Meerschweinchen verwendet und der Test ähnelt dem Hautallergietest. Die Substanz wird unter die Haut gespritzt und anschließend die Stelle mit UVA-Licht bestrahlt. Dafür werden die Tiere stundenlang in enge Plastikröhren gesperrt, in denen sie sich nicht bewegen können.

Hautabsorptionstest

Die Testsubstanz wird Ratten auf die Haut aufgetragen. Die Tiere werden isoliert in sogenannten Stoffwechselkäfigen gehalten. Harn-, Kot- und Blutproben der Tiere werden auf Vorhandensein der Testsubstanz untersucht um festzustellen, ob die Chemikalie über die Haut aufgenommen wurde.

Toxizitätstest

(LD 50 = Lethale Dosis bei 50% der Versuchstiere) oral/inhalativ/dermal: Für den Toxizitätstest werden meist Mäuse oder Ratten verwendet. Die Testsubstanz wird in einer genau festgelegten Dosis den Tieren über eine Schlundsonde zwangsverabreicht (oral), auf die Haut aufgetragen (dermal), ins Futter gemischt (oral), oder die Tiere müssen sie inhalieren (inhalativ). Über mehrere Tage werden die auftretenden Krämpfe, Lähmungen, Blutungen aus Augen und Nase und der Todeskampf beobachtet und protokolliert. Danach werden die Tiere getötet und untersucht, um den Schaden an inneren Organen und Nervensystem feststellen zu können. Ziel ist es, für eine Substanz jene Dosis zu ermitteln, bei der 50% der Versuchstiere verenden. Je Substanz werden mindestens 30 Tiere “verbraucht”, meistens jedoch wesentlich mehr.

Der LD-50-Test unterscheidet zwischen akuter Giftigkeit und chronischer Giftigkeit. Je nachdem bedeuten die qualvollen Tests einige Stunden oder auch Wochen Krämpfe, Lähmungen, Fieber, Schüttelfrost, Durchfall und Todeskampf für die Tiere.

Spritze Medikamente

Es gibt heute viele alternative Wege, um Dosis und Wirkung eines Gifts herauszufinden. (Foto: Pixabay, qimono)

Toxizitätstest nach wiederholter Gabe

Hier werden die Langzeitauswirkungen einer Substanz untersucht, die wiederholt in nicht tödlichen Dosierungen verabreicht wird. Dafür werden meist Ratten und/oder Hunde verwendet. Die Substanz wird täglich über einen Zeitraum von 28-90 Tagen oral, dermal oder inhalativ verabreicht. Anschließend werden die überlebenden Tiere getötet.

Krebsauslösende Eigenschaften (Kanzerogenität)

Die Prüfsubstanz wird mindestens 400 Ratten oder Mäusen oral/inhalativ/dermal verabreicht. Danach wird untersucht, ob die Tiere Tumore entwickelt haben. Der Test kann bis zu 5 Jahre dauern.

Erbgutverändernde Wirkung (Mutagenität)

Mäusen, Ratten und/oder Hamstern wird die Substanz oral verabreicht oder in die Bauchhöhle gespritzt. Nach 48 Stunden werden die Tiere getötet und ihre Zellen auf Erbgutschäden untersucht.

Frucht- oder keimschädigende Wirkung (Teratogenität)

Die Testsubstanz wird 80 trächtigen Ratten oder Kaninchen oral mit einer Schlundsonde verabreicht. Die Tiere entwickeln Symptome wie Durchfall, Gewichts- und Appetitverlust, Nasenausfluss, Haarausfall, Austrocknung oder Tod. Die Tiere werden zu verschiedenen Zeitpunkten der Trächtigkeit getötet. Damit soll beurteilt werden, ob der Stoff das Muttertier schädigt und/oder die Entwicklung der Embryonen beeinflusst. Bei teratogenen Substanzen kommt es zu Missbildungen oder Totgeburten. Treten solche Effekte auf, werden weitere Tests durchgeführt.

Nacktmaus

Genetisch verändert zum Experimentieren. (Foto: Wikimedia Commons, Kuebi, CC BY-SA 3.0)

Fortpflanzungsgiftigkeitstest (Reproduktionstoxizität)

Untersucht wird die Auswirkung auf die männliche oder weibliche Fortpflanzungsfähigkeit. 100 weiblichen Ratten (davon 80 schwangere) und 40 männlichen Ratten wird die Substanz vor und nach der Paarung verabreicht. Untersucht werden Veränderungen im Gewebe der Fortpflanzungsorgane, im Gehirn und an sekundären Geschlechtsorganen. Die Symptome ähneln denen beim Teratogenitätstest.

Aquatische Toxizität

Es wird geprüft, inwieweit Gewässerökosysteme durch die Chemikalie gefährdet werden. Die tödliche Wirkung von mehrfachen Konzentrationen der Substanz wird an Fischen getestet.

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