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Leid und Leder

Die blutige Spur von Lederschuhen und -taschen, Ledermöbeln und -autositzen führt in den Amazonas oder nach Indien und Bangladesch. In Brasilien wurde und wird Regenwald abgeholzt, um auf dem Gebiet riesige Rinderfarmen samt Schlachthöfen und Gerbereien zu errichten. In Indien werden Rinder auf unvorstellbar grausame Weise zu Schlachthöfen in Bundesstaaten, in denen das Schlachten der “heiligen Kühe” erlaubt ist, oder in den Nachbarstaat Bangladesch transportiert. Noch vor Indien ist China der größte Lederhersteller der Welt – ein Land, in dem es nicht einmal ein Tierschutzgesetz gibt. Aber auch Menschen werden in der Lederindustrie massivst ausgebeutet: Die Produktionsstätten sind meist in Entwicklungsländern mit praktisch keinen Arbeitsschutz- und Umweltauflagen. Nicht nur Erwachsene, sondern sogar Kinder müssen im giftigen Umfeld der Gerbereien arbeiten. Nahezu ungefiltert gelangen die toxischen Chemikalien auch in die Umwelt.
Kuh Auge Tränen

Angst und Schmerz (Foto: flickr, Maurizia D’Arrigo, CC BY-NC-SA 2.0)

Die “heilige” Kuh am Fuß

Der Markt ist global. Und auf den Markt geworfen werden – gemäß unserer Wegwerfgesellschaft – Unmengen an Leder und Lederwaren. Mehr als die Hälfte der gehandelten Rohhäute werden nach der Gerbung zu Schuhen verarbeitet. Der Rest teilt sich auf Taschen, Kleidung, Autobezüge und Möbelbezüge für Sessel und Sofas auf. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass die Häute von Tieren stammen, die ein einigermaßen erträgliches Leben hatten – das hatten die wenigsten von ihnen. Die meisten “Lederlieferanten” kommen aus der Massentierhaltung mit all ihren Schrecken: Dunkle, überfüllte Ställe, in denen natürliches Verhalten ausgeschlossen ist. Enthornung, Kastration, Kupieren des Schwanzes – ohne Narkose. Tiertransport, Schlachtung im Akkord.

Die Häute, die in der Schuh- und Taschenbranche heutzutage verarbeitet werden, stammen zu einem großen Teil von Rindern, aber nicht nur. Es werden auch die Häute von Schafen, Pferden, Ziegen, Schweinen und sogar von Katzen und Hunden (aus China) verwendet. Nach Recherchen der Tierschutzorganisation PETA ist die wachsende Lederindustrie in Indien eine der vielleicht grausamsten der Welt. Hier reicht die Bandbreite von Prügel, Chilis in den Augen bis Schlachten bei vollem Bewusstsein inmitten bereits toter Tiere.

Zu den Hauptimporteuren von billigem indischem Leder zählt Europa. Auch der in Italien konfektionierte Schuh ist mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einer außereuropäischen Tierhaut gemacht. Wer Leder kauft, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er/sie damit diesen unethischen Kreislauf unterstützt. Jeder Kauf von Lederwaren fördert die Massentierhaltung und die Fleischindustrie. Und da die Massentierhaltung zu den größten Verursachern der Erderwärmung zählt, leistet jeder Lederschuh seinen Beitrag zum Klimawandel.

Rinder Transport Lederindustrie

Keine Raum für Mitgefühl am Weg zum Schlachthof (Foto: flickr, John Cooke, CC BY 2.0)

Schlachthof Amazonas

Am globalen Markt kommt das Leder aber oft auch von Rinderfarmen und Schlachthäusern, die Amazonaswälder roden, wie die Umweltschutzorganisation greenpeace in ihrem Report “Slaughtering the Amazon” 2009 aufdeckte. Die Viehwirtschaft ist der Hauptmoto der Regenwaldzerstörung: Rund 80 Prozent der abgeholzten Urwaldfläche wird im Amazonasgebiet als Weideland für die Rinderzucht verwendet. Und greenpeace rechnet vor: Der Rindersektor im brasilianischen Amazonas ist für 14 Prozent der weltweiten Rodungen (im Jahr) verantwortlich.

Während das Rindfleisch überwiegend in Südamerika konsumiert wird, wird das Leder nach China, Italien oder Vietnam exportiert. Dort lassen die Schuhfirmen auch für den europäischen Markt produzieren…

Schuhe Leder

Schritt für Schritt zur Erderwärmung beitragen (Foto: Pixabay, roegger)

Rentables “Abfallprodukt”

Weltweit baut die Fleischindustrie auf die Verkäufe der Häute, um noch profitabler zu arbeiten. Die beiden Industriezweige sind nicht voneinander zu trennen. Die Häute der geschlachteten Tiere sind das wichtigste wirtschaftliche Nebenprodukt. Das Geschäft ist so lukrativ, dass viele der größten Fleisch-“Produzenten” ihre eigenen Ledergerbereien betreiben. Ähnliche Zusammenhänge gibt es im Übrigen auch in der Milchindustrie: Wenn die Kühe nicht mehr genügend Milch geben, werden sie geschlachtet und ihre Haut zu Leder verarbeitet. Außerdem werden wegen der Milchindustrie “zu viele” Kälber geboren. Aber auch die Tierkinder werden gewinnbringend verarbeitet und ihre Häute als teures feines Kalbsleder verkauft.

Ein schmutziges Geschäft

Schon bis zum Rohleder sind die Klimaauswirkungen beträchtlich. Nicht weniger dramatisch sind die Auswirkungen der Gerbe-Industrie. Diese ist inzwischen meist in Entwicklungsländer ausgelagert, damit die KonsumentInnen in Europa und den USA billig Schuhe und Handtaschen kaufen können. Und zwar auf Kosten der Menschen, die in den Gerbereien arbeiten, sowie der dortigen Umwelt.

Quellen und weiterführende Informationen

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