Schon gehört? Lebensmittelkooperativen als eine wunderbare Alternative zum Supermarkteinkauf – und das mit höchster Nachhaltigkeitspriorität: Im fünften Teil der Serie „Lebensmittelversorgung neu“ wird vorgestellt, wie das Konzept „Foodcoop“ funktioniert und was dabei im Vordergrund steht. Als Mitglied so einer Kooperative hat man nicht nur einen sicheren Nachschub an gesunden Lebensmitteln aus der Region, sondern auch ein demokratisch organisiertes, soziales Umfeld. Im Folgenden wird das Konzept vor – sowie viele Infos zu Foodcoops in Österreich bereitgestellt. Viel Spaß beim Erkunden :)

© Melanie Reinagl (dragondancer) / NUSS coop

© Melanie Reinagl (dragondancer) / NUSS coop

Foodcoop verstehen

Global 2000 © liebentritt.at

Global 2000 © liebentritt.at

Das Prinzip ist einfach: Im Vorfeld beschließen die Mitglieder gemeinsam, was notwendig ist und dann wird‘s gekauft. Lebensmittelkooperativen sind in diesem Sinne keine Neuheit. Ähnliche Zusammenschlüsse gab es bereits mit den Konsumgenossenschaften seit dem späten 19. Jahrhundert. Diese können sozusagen als Vorläufer gesehen werden. Hohe Relevanz hatten demokratische Entscheidungen und haben dies auch heute noch. Was sich jedoch etwas gewandelt hat, sind die Hintergründe, vor welchen sich Menschen zusammengefunden haben. Foodcoops sind eine kritische Reaktion auf die gegenwärtige Situation industrieller Lebensmittelproduktion und ihre Missstände (siehe dazu Teil 1: Einführung). Gerade in Zeiten der TTIP/CETA-Debatte wird es immer wichtiger, welche Lebensmittelanbieter unterstützt – und welche vermieden werden sollten. Foodcoops zielen also auf kleinstrukturierte Produzenten ab, zu denen auch ein persönlicher Kontakt möglich ist: Klein – und Obstbauern, Gärtnereien, Bierbrauereien und ähnliche. Ein solches selbstbestimmtes Einkaufen ist nicht nur nachhaltig, sondern schaltet Zwischen – und Großhändler aus, alle wissen, wo die Lebensmittel herkommen. Außerdem werden kleine Betriebe unterstützt, für die der Vertrieb ihrer Produkte eine Herausforderung aufgrund ihrer Größe darstellt.

Ernährungssouveränität steht für die Foodcoops im Mittelpunkt, darunter fällt etwa:

  • gesundes Essen als ein Menschenrecht
  • Bewahrung und Schutz der Natur
  • nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen durch schonende, ökologische Landwirtschaft

Vom Feld in die Küche: Und was passiert dazwischen?

Foodcoops haben mittlerweile weltweit Anklang gefunden und werden immer mehr. Motiviert durch wahrscheinlich sehr ähnliche Gründe: Produzenten und Konsumenten haben keinen direkten Kontakt, vielmehr breitete sich in den letzten Jahrzehnten eine große Distanz zwischen ihnen aus. Zwischenhändler und Supermarktkonzerne sind bei diesem Prozess nicht ganz unschuldig: Es wird beim Großhändler und dort eingekauft, wo es am billigsten ist und das bedeutet gleichzeitig oft, dass die Lebensmittel weite Wege zurücklegen müssen. Wem kann man dann eigentlich noch trauen? Foodcoops liefern eine Antwort auf diese prekäre Situation der Lebensmittelbeschaffung.

Konkret: In einem Plenum, das zum Beispiel monatlich stattfindet, werden zukünftige Entscheidungen gemeinsam getroffen. Handelt es sich etwa um eine Lager-Foodcoop, so werden Obst, Gemüse und Sonstiges geliefert, jedes Mitglied holt sich seinen Anteil selbstständig und zahlt seinen Beitrag in die Kassa ein. Es gibt ein vielfältiges Angebot an Foodcoops – für jeden Geschmack und Lebensstil. Eine Besonderheit ist die (erste) vegane (!) Foodcoop im 15. Bezirk in Wien.

Es gibt keine einheitliche Organisation von Foodcoops, sondern verschiedene Arten der Handhabung:

  • gemeinsam Bestellen und Abholen bzw. Liefern (Arbeitsteilung)
  • online Bestellen bei Kleinproduzenten
  • Lager-Foodcoops, wo sich alle Mitglieder ihren Anteil selbst holen

Bei einer Neugründung kann man sich jedoch ein System aussuchen, das für die Mitglieder am Besten funktioniert.

Außerdem ist es nicht untypisch, dass Foodcoops mit CSAs kooperieren (siehe dazu Teil 2: Solidarische Landwirtschaft). So etwa arbeitete die Foodcoop in der Möhrengasse mit den LoBauerInnen zusammen. Beiden Alternativen ist in vielen Fällen die Erhaltung alter Gemüse – bzw. Obstsorten ein großes Anliegen.

Ja, ich will – mitmachen! Aber wie?

Eat your Greens © University of Melbourne Student Union

Eat your Greens © University of Melbourne Student Union

All jene, die sich für ein alternatives Beschaffungssystem von Lebensmitteln interessieren oder einfach genug vom Obst aus Chile haben, sollten tatsächlich in Erwägung ziehen, so einer Lebensmittelkooperative beizutreten oder gar eine zu gründen (dazu gibt es sogar Leitfäden). Da es österreichweit viele, verschiedene Foodcoops gibt, sollten sich Interessierte vorerst überlegen, welche Vorstellungen bestehen, beziehungsweise welche davon einem zusagt. Viele Foodcoops bieten Mailinglisten an und damit regelmäßige Updates zu Plenumssitzungen oder anderen Neuigkeiten.

Fazit

Foodcoops bieten ein alternatives System, bei dem Mitbestimmung vorausgesetzt wird. Solche Organisationsformen können nicht nur für den Lebensmitteleinkauf angewendet, sondern auch auf andere Bereiche umgemünzt werden.

Da wir nun schon einige alternative Lebensmittelanbieter in der Serie vorgestellt haben, haben alle Interessierte die Möglichkeit, sich einen passenden Typ auszusuchen… Und wer sich einer bestehenden Foodcoop anschließen möchte, findet hier einen Überblick über österreichische Foodcoops.

Weiterführende Links:


Unsere Serie „Lebensmittelversorgung neu“ im Überblick:
Teil 1: Einführung
Teil 2: Solidarische Landwirtschaft
Teil 3: Greißlereien
Teil 4: Biokisten, Lieferservice
Teil 5: Foodcoops
Teil 6: Selbsternte – in Kürze

Ein Artikel von Judith