,

London Calling: Ein Besuch im Herzen der Tierrechtsidee (2)

Die Tierrechtsidee ist in London in Stein gemeißelt, wie zwei Denkmäler zeigen, die zum Nachdenken anregen und das Herz berühren. In Teil 1 berichtete Alexander Willer über das Brown Dog Memorial, heute nimmt er uns mit zum Animals in War Memorial am Rande des Hyde Parks.

(Foto: Alexander Willer)

„Sie hatten keine Wahl“: Das Denkmal der gefallenen Tiere

Animals in War Memorial

Meine Reise ins Herzen der Tierrechtsidee führte mich ans nordöstliche Ende des weltbekannten Hyde Park – auf eine begrünte Verkehrsinsel. Dort, mitten im pulsierenden Londoner Straßenverkehr, findet man ein Kriegsdenkmal der besonderen Art, das Animals in War Memorial. Während man anderswo zweibeiniger „Helden“ gedenkt und deren oft zweifelhaften Taten glorifiziert, steht diese Skulpturengruppe für unschuldige Lebewesen mit einwandfreiem Ruf. Von der Brieftaube über Hund, Maultier, Pferd, Kamel und Elefant sind Tiere in Stein gemeißelt, die ihr Leben im Kriegseinsatz für die britischen Streitkräfte ließen. Der wichtigste Satz auf diesem Monument lautet: “They had no choice.“ Vier Worte, die mich in ihrer Prägnanz und Direktheit ergriffen.

(Foto: Alexander Willer)

Geschaffen wurde das nachdenklich stimmende Mahnmal vom Bildhauer David Backhouse. Am 24. 12. 2004 kam es zur feierlichen Enthüllung im Beisein von Prinzessin Anne. Bei ihrem Namen schoss er mir unwillkürlich durch den Kopf, dass es eines weiteren Monuments bedürfte: für die unzähligen tierlichen Opfer der Jagd. Gerade die Royals sind immer noch Synonym für die Aufrechterhaltung dieses anachronistischen, brutalen Zeitvertreibs.

Mein Besuch war an einem trüben, regnerischen Nachmittag. Fast drängt sich der Gedanke auf, der Himmel über London gedachte der zigtausenden unschuldig gefallenen Tiere auf seine Weise.

(Foto: Alexander Willer)

Viel Licht, viel Schatten

London, das Herz der Tierrechtsidee. Wo sonst gibt es eine Statue für einen durch Vivisektion malträtierten Hund? Wo ein Kriegsdenkmal für Tiere? Zudem hat eine Untersuchung ergeben, dass mindestens 542.000 Menschen in Großbritannien vegan leben.(1) Vor allem im urbanen und suburbanen Raum. Das sind 1,05 % der über-15-jährigen Gesamtbevölkerung. Tendenz steigend. Die Zahl der VegetarierInnen wird auf über 5 % geschätzt. Doch ist die britische Insel nun das Gelobte Land, in dem Sojamilch und Agavendicksaft fließen?

Leider nein! Wo viel Licht, da auch viel Schatten. Seit 2004 ist zwar die Hetzjagd auf Füchse mit Hunden verboten, dennoch ist das Gesetz in ständiger Gefahr, von den konservativen Tories wieder aufgehoben zu werden. Auch die Keulung von Dachsen in einigen südlichen Grafschaften entbehrt jedweder Wissenschaftlichkeit, geschweige denn Ethik. Brutale Pferde- und Windhundrennen sind immer noch Realität. Die Tierversuchsindustrie im Vereinigten Königreich ist ein einflussreiches Milliardengeschäft, das wortwörtlich über Leichen geht. Im Bereich der industriellen Nutztierhaltung tut sich Albtraumhaftes auf. Bedrückend.

Zur Psychohygiene hilft es da, mit lebenden, freien Tieren in Kontakt zu treten. So trat ich abschließend meinen Weg zum Regent’s Park an, um der dort ansässigen, neugierigen Gänseschar ein Zubrot zuzuwerfen. Und im Gedanken war ich bereits bei den gelb-grün-gefiederten parakeets (2), einer wildlebenden Sittichkolonie in Kensington Gardens, die, allen Abschussplänen zum Trotz, immer noch einen lebensfrohen Farbklecks im Londoner Wildlife bildet. London is calling again. Aber das ist eine andere Geschichte.

(Foto: Alexander Willer)

Ein Artikel von Alexander