Biowerkstatt © Jochen RussmannAm Anfang war die Feige

“Wein, Öl und Feigen sind die drei Urgewächse der frühesten höheren Zivilisation” , so  Helmut Genaust in dem Standardwerk “Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen”. Die Geschichte der Feige reicht also weit zurück. Die köstliche Frucht zählt den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Paläontologen zufolge und durch fossile Funde belegt, könnten die ersten schon lange vor Eintritt der Menschheit gewachsen sein.

Eine symbolträchtige Frucht

Die Feige steht für Wohlstand und Fruchtbarkeit. Die Römer haben die Feige Bacchus, dem Gott des Weines,  und die Griechen sie Gott Dionysos gewidmet – als Symbol für Lebensfreude und Rausch. Aber auch die Symbole der Laszivität und Sinnlichkeit werden der aromatischen Frucht zugesprochen.
Die sexuell geprägte Symbolik hat sich auch im Wienerischen niedergeschlagen. Mit der “Feig´n” hausieren ist ein volkstümlicher Ausdruck für Prostitution – ein Schürzenjäger ist ein “Feigentandler”. So steht die älteste Kulturpflanze für höchste Herzensgefühle und gleichzeitig für sinnliche Begierde.

Auf der biblischen Bühne

Wie schon in der Genesis beschrieben, fanden sich im Garten Eden Feigen (sie ist übrigens die einzige Frucht, die überhaupt im Zusammenhang mit dem Garten Eden erwähnt wird). Es war ein Feigenblatt, das die Blöße von Adam und Eva bedeckte, nachdem sie die verbotene Frucht genascht hatten. Schon über Jahrhunderte hinweg versehen Maler und Bildhauer Nackte mit einem Feigenblatt, als Verweis auf diese Bibelstelle.

Feiges Wurzeln

Schon im ersten Jahrhundert nach Christus wurden im westlichen Mittelmeerraum bis zu dreissig Sorten Feigen angebaut. Heute wir die Feige in vielen Ländern – auch in Österreich – angepflanzt. Hauptproduzenten sind aber Länder wie die  Türkei, Griechenland, Spanien, Italien, Marokko und Portugal.

Sinnliche Tatsachen

Feigenbäume werden alt (bis zu 100 Jahre) und hoch (bis zu 30m). Der Baum der Erkenntnis lässt sich in männlich und weiblich unterteilen, wobei nur die weiblichen Pflanzen Früchte hervorbringen können. Die meisten Feigen blühen bis zu dreimal im Jahr. Frühfeigen, auch “Flori di Rico” genannt, werden von April bis Juni geerntet und sind die wohlschmeckendsten. Die Sommerfeigen bekommt man von Juni bis September, werden “Pedagnuoli” genannt und liefern die größten Erträge. Am qualitativ minderwertigsten sind die Spätfeigen, oder  “Cimaruoli”, die zwischen Oktober und Jänner reifen. Die Sortenvielfalt ist enorm. Man geht von unfassbar 700 Sorten Essfeigen weltweit aus, die nach verschiedensten Kriterien klassifiziert werden.

Vielseitige Früchte

Die Feige ist viel zu lecker, um sie Adam und Eva zu überlassen. Besonders am Ende des Sommers sind die Früchte an Saftigkeit und intensivem Aroma nicht zu überbieten. Neben einer großen Menge Vitamin C und Mineralien beinhaltet sie auch essentielle Aminosäuren.
Richtig reif ist eine Feige, wenn der Stiel trocken und die Schale etwas verschrumpelt ist und die Frucht “weint” – am Blütenansatz bildet sich dann ein sogenannter Honigtropfen.
Verwendet wird die biblische Frucht auf vielfältige Art. Süß oder pikant, roh oder gebraten, mit (nur wenn sie frisch und unbehandelt sind) oder ohne Schale. Eine Zubereitung aus gleichen Teilen Feigen, Mandeln, Pistazien, Zucker und einer Prise Kardamom und Safran, teigig verarbeitet mit Pflanzenmilch, gilt als Aphrodisiakum :-).
Im asiatischen Raum wird die Feige auch für medizinische Zwecke genutzt. Der milchige Saft aus unreifen Früchten sollen gegen Warzen wirken (einreiben), das frische Feigenfruchtfleisch auf  das Zahnfleisch rund um einen schmerzenden Zahn aufgetragen soll Schmerzen lindern.
Fazit: Die Feigen sind mehr als ein biblische Bekleidungsstücke  und bereichern eine abwechslungsreiche Obstküche ungemein.

 

Das Rezept: Himmlisch fruchtige Feigentaschen
(für einen romantischen Abend zu zweit)
Biowerkstatt © Jochen Russmann

2 frische Feigen
50 g gehackte Mandeln
25 g vegane Butter
30 g Vollrohrzucker
1 veganer Blätterteig (z.B. JaNatürlich Dinkelblätterteig)
1 Msp Vanillepulver
1 m Spagat (oder fester Garn)
etwas Staubzucker

Feigen in kleine Würfel schneiden und die Mandeln goldbraun anrösten.
Die vegane Butter in einer Pfanne zerlassen und den Zucker unter ständigen Rühren zugeben, bis er karamellisiert. Feigen, Mandeln und Vanillepulver dazumengen und 2-3 Minuten brutzeln lassen (rühren nicht vergessen!).

Den Blätterteig in 4 gleich große Stücke teilen und jeweils gut einen Esslöffel Fülle darauf geben. Die Teigstücke zusammenfassen und mit einem Stück Spagat zu einem Säckchen binden.

Die Täschchen auf ein mit Backpapier bedecktes Blech setzen und für 20 Minuten bei 200° Grad backen.

Die fertigen Feigentaschen auf Teller transferieren und mit etwas Staubzucker bestreuen.
Dazu passt herrlich frische Vanillesauce!

Artikel und Rezept: Michaela Russmann, Fotos: Jochen Russmann

 

Vorschau September: Mangold

 

Jeden Monat stellt die Kochbuch-Autorin und Gesundheitssoziologin Michaela Russmann exklusiv für animal.fair eine Gemüse-, Getreide- oder Obstsorte vor. Und zwar eine, die gerade Erntezeit hat. Unser besonderes Augenmerk liegt dabei auf seltenen, alten, teils vergessenen Sortenraritäten. Ja, es gibt sie meist nicht im Supermarkt um die Ecke. Aber darum geht es: Der Garten von Mutter Erde hält soviel mehr an Vielfalt bereit als die wenigen, hochgezüchteten, oft auch noch importierten Sorten, die es weiträumig zu kaufen gibt. Wir glauben, dass der Pflanzenanbau der Zukunft sich wegbewegen muss vom Monokultur-Anbau weniger Allerwelts-Sorten hin zur biologischen Anbauweise vieler, regional unterschiedlicher Sorten. Und wir glauben, dass zu einer ausgewogenen, abwechslungsreichen und spannenden pflanzlichen Ernährung diese vielfältigen Pflanzenarten dazu gehören. Deshalb möchten wir sie Euch mit dieser Serie nahe bringen, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Bezugsquellen: Michaela Russmann verwendet meist Obst und Gemüse, das saisonal auch in ihrer Wirkungsstätte, der BioWerkstatt, erhältlich ist. Die Sortenraritäten gibt es in manchen Bioläden, auf Bauernmärkten und vor allem bei den Kooperationspartnern des Vereins Arche Noah (der sich um den Erhalt der Sortenraritäten kümmert). Die einzelnen Kooperationspartner sind auf der Arche-Homepage aufgelistet, hier kann man sich einen Anbieter aus der eigenen Region suchen.

Michaela Russmann liebt es zu kochen und hält insbesondere zum Thema Rohkostküche Workshops und Seminare ab, Infos unter: www.rohgenuss.at

Viele weitere ihrer Kochideen findet Ihr in dem Buch:
“…aber vegan”, Verlag Russmann & Sohn, ISBN: 978-3-9503565-3-3

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Ein Artikel von Petra