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Fischerei- und Fangmethoden

Fischernetz Beifang
Die meisten kommerziell gefangenen Wildfische werden nach dem Einholen nicht geschlachtet, sondern sterben an der Luft oder während sie bei vollem Bewusstsein ausgenommen werden. Oftmals wird das Leiden der Tiere noch verlängert, indem sie auf Eisblöcke oder in Eiswasser gelegt werden. Aber auch schon vorher, in den Netzen und den Haken sterben unzählige Tiere, auch jene, die man gar nicht fangen wollte.
Fischernetz Beifang

Überflüssiger “Beifang”, gefesselt im Fischernetz (Foto: Pixabay, Efraimstochter)

Angelrute & Leine (bei Thunfisch, Lachs)

Dies ist eine der selektivsten Methoden. Es gibt keinen Beifang wie bei anderen Fangmethoden, wo jedes Jahr Milliarden Fische umsonst sterben. Wegen der enorm gestiegenen Nachfrage und der Industrialisierung der Fischerei wurden Angelrute und Leine aber von Ringwaden und Fischsammlern verdrängt. Erst in jüngster Zeit kommt diese Methode im Rahmen von “nachhaltig gefangenem Thunfisch” wieder zum Einsatz – allerdings nur im kleinen Rahmen. Tierfreundlich ist diese Methode aber natürlich auch nicht: Am Angelhaken hängende Fische bewegen sich panikartig und werden, vor allem wenn dieser die Kiemen durchbohrt, schwer verletzt.

Baumkurre (bei Shrimps, Krabben, Seezunge, Scholle)

Wie beim Grundschleppnetz werden die am Boden lebenden Fische aufgescheucht und in ein Fangnetz getrieben. Dabei reagieren gefangene Fische panisch, werden zerdrückt oder ersticken. Durch den sinkenden Wasserdruck beim Einholen des Netzes, können die Schwimmblasen der Tiere platzen. Der Einfluss auf das Ökosystem am Meeresgrund ist massiv. Am schlimmsten bei dieser Methode sind die hohen Beifänge. Ein Beispiel: in der Nordsee gehen 50 Prozent aller Beifänge auf das Konto der Baumkurren-Fischerei.

Gefangene Fische an Bord

Das Massensterben endet an Bord (Foto: Wikimedia Commons, John Wallace, NOAA, www.photolib.noaa.gov/htmls/fish0221.htm, Public domain)

Dredgen (bei Muscheln, Schalentieren)

Mit dieser Methode werden Schalentiere aus dem Meeresboden geharkt und in das Netz gespült. Dabei kommt es zu einer Umpflügung des Meeresbodens, bei der viele verschiedene Arten von Meeresbewohnern zermalmt werden oder sich in den Netzen verfangen.

Grundschleppnetz (bei Kabeljau, Seehecht, Garnele, Tiefseefisch, Plattfisch)

Die zerstörerischte Methode, die heute im Einsatz ist und vor allem in der Tiefsee große Schäden anrichtet. Gefangene Fische reagieren panisch, werden zerdrückt oder ersticken, durch den sinkenden Wasserdruck beim Einholen des Netzes, können die Schwimmblasen der Tiere platzen. Da das Schleppnetz auf dem Meeresgrund entlang geschleppt wird, wird dieser komplett umgepflügt. Zudem werden sehr hohe Mengen an Beifang produziert.

Kabeljau Fisch

Kabeljaue nach ihrem qualvollen Tod (Foto: Pixabay, susawinq)

Langleinen (bei pelagischem Hai, Thunfisch, Schwertfisch, Makrele, Heilbutt, schwarzem Seehecht)

Waagerecht zwischen Meeresoberfläche und Grund ausgebrachtes Fanggerät von über 100 km Länge und mit bis zu 30.000 Haken, an dem Fische stunden- oder tagelang hängen können und dabei oftmals von ihren Fressfeinden angegriffen werden. Auch Schildkröten, Haie und Seevögel fressen den Köder und sterben auf diese Weise als Beifang.

Ringwade (bei Schwarmfischen wie Thunfisch, Hering, Sardine, Makrele)

Netz, das ringförmig um den Fischschwarm ausgelegt und beutelartig zugezogen wird, bis die Fische komplett eingeschlossen sind. Mit Hilfe von künstlich schwimmenden Objekten, den sogenannten Fischsammlern (FADs), kann die Höhe der Fangmenge noch erhöht werden. Stress und Panik beim Zuziehen des Netzes führen bei den Tieren zu Verletzungen. Zudem sind die Beifangmengen bei dieser Methode enorm: z.B. 1 kg Beifang pro 10kg Thunfisch.

Schlepp- oder Trawlnetz (bei Schwarmfischen wie Makrele, Sprotte, Sardine, Hering)

Dieses ist das meistverwendete Fanggerät in der Hochseefischerei, dessen Einführung in den 1960er Jahren erst die intensive Befischung des Meeresbereiches zwischen Boden und Oberfläche ermöglichte. Mit dem sackartig geformten Netz können bis zu 600 Tonnen Fisch gefangen werden, mit dabei auch riesige Mengen an Beifang, darunter vor allem Delfine. Gefangene Fische reagieren panisch, werden zerdrückt oder ersticken. Durch den sinkenden Wasserdruck beim Einholen des Netzes können die Schwimmblasen der Tiere platzen.

Thunfisch

Roter Thun – gefangen in einem Fischernetz (Foto: Danilo Cedrone, United Nations Food and Agriculture Organization, www.photolib.noaa.gov/htmls/fish2003.htm)

Stellnetz (bei Kabeljau, Plattfisch, Grundfischen)

Diese Netze sind bis zu 15 Kilometer lang und mit Gewichten fest am Boden verankert. In den Netzmaschen verfangene Fische durchleben einen Befreiungskampf mit Panik und Atmungsstörungen. Besonders problematisch ist auch der hohe Beifang: oft verfangen sich Kleinwale in den Netzen und sterben.

Treibnetz (bei Schwert- und Thunfisch, Lachs in der Ostsee)

Diese Netze treiben knapp unter der Wasseroberfläche und werden nach dem Aussetzen oftmals erst nach etlichen Tagen wieder eingeholt. In dieser Zeit fischen sie alles ab – auch Haie, Seevögel, Meeresschildkröten und Pottwale, die sich in den Netzen verfangen und ertrinken. In den Netzmaschen verfangene Fische durchleben einen langen ergebnislosen Befreiungskampf mit Panikzuständen und Atmungsstörungen. Nicht selten treiben verloren gegangene Netze für Monate oder Jahre durchs Meer und töten unzählige Tiere. Obwohl Treibnetze verboten sind, kommen sie – auf Grund mangelhafter Kontrollen – weiterhin zum Einsatz.

Fischfangflotte

Wenn sie ausrücken, hinterlassen sie eine Spur von Tod und Verwüstung (Foto: Pxhere, CC0)

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