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Ethische Lederware? Mangelware!

Leder
Im Lebensmittelbereich gibt es immerhin Biofleisch, Lederwaren von Tieren aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) ist am Markt allerdings kaum verfügbar. Für Leder gibt es keine Tierschutzkriterien, die Herkunft ist nicht nachvollziehbar, ein Großteil stammt von Tieren aus der Massentierhaltung.
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Für Leder gibt es keine Kennzeichnung (Foto: Pixabay, Activedia)

Fleisch wird gekennzeichnet – die Haut nicht

Der Ledermarkt ist völlig intransparent – die Häute werden oft im Ausland gekauft. Selbst das strengste Gütesiegel vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN Naturleder) hat in seinen Richtlinien nur die Verpflichtung, dass die Tiere primär zur Fleischgewinnung gehalten werden müssen und der Schlachtort zu dokumentieren ist. Über die Haltungsbedingungen sagt das aber rein gar nichts aus. Auch das bayrische Unternehmen ecopell, das sich auf pflanzliche Ledergerbung spezialisiert hat, muss einräumen, dass nur ein kleiner Teil (rund 10%) der eingekauften Häute von Tieren aus kontrolliert biologischer Tierhaltung stammt.

Tiere aus biologischer Haltung werden meist auf konventionellen Schlachthöfen getötet – zusammen mit all den Tieren aus der Massentierhaltung. Eigene Bio-Schlachthöfe gibt es nur sehr vereinzelt. Während das Fleisch von Biotieren quasi noch am Schlachthof einen Stempel erhält, werden die Häute nicht gesondert verkauft.

Kein Bioleder

Bei sogenanntem Bioleder – gemeint ist meistens pflanzlich gegerbtes Leder – geht es nur um die Verarbeitung der Häute, nicht aber um das Leben und die Haltungsbedingungen der Tiere. Auf Nachfrag bei zahlreichen Herstellern sogenannter Öko-Lederschuhe konnte oder wollte man uns keine Angaben über die Herkunft der Tierhäute machen. Auch Fairtrade-Lederwaren wie etwa Taschen erfüllen keinerlei Tierschutzstandards. Die heute werden auf Ledermärkten eingekauft: fairer Handel, aber nicht fair zum Tier.

Indien und Bangladesch gehören zu den großen Leder-Exporteuren der Welt. Wer hierzulande einen Lederschuh oder eine Ledertasche kauft, hält mit guter Wahrscheinlichkeit die Haut eines Tieres aus diesen Regionen in Händen.

Auch die Gerbung findet in der Regel in Entwicklungsländern statt – unter mehr als fragwürdigen Arbeitsbedingungen und mit völlig unzureichenden Umweltstandards. Mehr dazu erfahrt ihr in unseren Wissenstexten „Leid und Leder“ und „Leder – weder natürlich noch fair“.

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