Alles im grünen Bereich?

Mit natürlichen Inhaltsstoffen, biologisch abbaubar, ökologisch, auf pflanzlicher Basis – klingt das nicht toll? Es scheint mittlerweile eine riesige Auswahl an umweltfreundlichen, bio-zertifizierten Produkten am Markt zu geben. Doch ebendieser Schein trügt. Das sogenannte „Greenwashing“ ist eine gängige Praxis von Unternehmen, um Nachhaltigkeit vorzutäuschen.
Greenwashing

Ist wirklich überall grün drin, wo grün draufsteht? (Foto: Pixabay, ejaugsburg)

Greenwashing…

… ist der Versuch, sich durch geschicktes Marketing und PR-Maßnahmen ein „grünes Image“ zu verschaffen, ohne tatsächlich entsprechende Maßnahmen zu setzen. Aufwändige Werbekampagnen, fragwürdige selbst erfundene Siegel und Marketingtricks werden eingesetzt, um Umweltfreundlichkeit zu suggerieren und von in Wahrheit umweltschädlichen Handlungsweisen abzulenken.

Ein pflanzlicher Inhaltsstoff steht noch lange nicht für Naturkosmetik (Foto: Pixabay, silviarita)

Kosmetik

Viele Kosmetikhersteller bewerben ihre Cremes, Lotionen und andere Produkte mit Inhaltsstoffen wie z.B. Bio-Olivenöl, unterschlagen aber, dass der Rest des Pflegeprodukts aus synthetischen Stoffen besteht und der biologische Stoff nur einen minimalen Anteil am Produkt hat. Somit ist es immer noch konventionelle Kosmetik!

Wer seine Haut mit echter Naturkosmetik pflegen möchte, wirft am besten einen kritischen Blick auf die restliche Produktbeschreibung und besonders auf die INCI-Deklaration der Inhaltsstoffe. INCI steht für die „Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe“ und ist eine Richtlinie für die korrekte Angabe der Inhaltsstoffe von Kosmetikartikeln.

Hier geht’s zur offiziellen INCI-Liste der Europäischen Kommission.

Vorsicht: Hinter “Bio” auf dem Etikett kann sich Synthetik verstecken (Foto: Pixabay, congerdesign)

Putzmittel

Manche Unternehmen definieren Begriffe, die im allgemeinen anders verwendet werden, auf ihre eigene Weise. Beispielsweise wirbt die Reinigungsmarke mit dem grünen Hüpftier mit der Aussage „Bio-Qualität zum Wohlfühlen seit 1986“.  Aus biologischem Ursprung ist allerdings kein Inhaltsstoff in den Flaschen. Enthalten sind unter anderem synthetische Konservierungsmittel und Lebensmittelfarbstoffe. Das Unternehmen bestreitet dies nicht und weist darauf hin, dass es den Begriff “bio” anders definiert als die Lebensmittelindustrie und teilweise Inhaltsstoffe pflanzlichen Ursprungs und „naturbasierte Wirkstoffe“ – was auch immer das heißen mag – verwendet. Wie bei Kosmetikartikeln lohnt sich auch bei Reinigungsmitteln ein genauer Blick aufs Etikett.

Bio-Baumwolle? Vielleicht auch nur teilweise… (Foto: Pixabay, _Alicja_)

Kleidung

Beim Einkaufsbummel finden sich immer mehr Hemden, T-Shirts, Hosen mit der Kennzeichnung „Organic Cotton“ oder „Bio-Baumwolle“. Doch auch hier ist Vorsicht angebracht. Viele Hersteller strecken Bio-Baumwolle mit konventioneller Ware. Die Kleidungsstücke sind dennoch als „Organic Cotton“ beworben. Erst das Kleingedruckte auf der Etikettenrückseite verrät, wie hoch der Anteil an Baumwolle aus Bioanbau tatsächlich ist, oft nur die Hälfte. Auch auf die Aussage “100 % Bio-Baumwolle” ist kein Verlass, da es viele Betrugsfälle gibt. Die indische Regierung reagierte 2011 und führte ein strenges Kontrollsystem ein; in der Folge brach die global produzierte Baumwollmenge von 250.000 Tonnen auf 150.000 Tonnen ein.

Selbst ein Produkt aus 100 % Bio-Baumwolle ist noch nicht 100 % ökologisch produziert. Bei den bekannten Modemarken wird der biologische Rohstoff trotzdem mit konventionellen Mitteln weiterverarbeitet und gefärbt.

Einen Überblick über vertrauenswürdige Gütesiegel für ökologisch und fair hergestellte Kleidung findet ihr in einem früheren Blogartikel.

Täuschung

Es gilt genau hinzuschauen, um die Lüge zu entdecken (Foto: Pixabay, OpenClipart-Vectors)

Die grüne Lüge

Seit 9. März ist der Film „The green lie – die grüne Lüge“ von Regisseur Werner Boote im Kino zu sehen. Gemeinsam mit Journalistin Kathrin Hartmann, die sich seit vielen Jahren mit Greenwashing beschäftigt, deckt er die grünen Lügen vieler Konzerne in unterschiedlichen Industriezweigen auf. Sie besuchen u.a. eine Palmöl-Konferenz, werfen einen Blick auf die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit von Elektro-Autos und besichtigen die Kohleabbaustätte eines großen Energiekonzerns. Die im Film dargestellten Fälle stehen beispielhaft für alle Branchen, denn die Methoden und Vorgehensweisen der Unternehmen sind immer die gleichen.

Fazit

Nicht jedes Produkt, das als biologisch oder umweltfreundlich beworben wird, ist es auch. Wer tier- und umweltfreundlich einkaufen will, sollte Werbung und vielversprechende Aufschriften kritisch hinterfragen. Eine große Auswahl an fair und biologisch produzierenden Marken findet ihr in unserem Ethischen Einkaufsführer.

Saubere Sachen

Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt

Kirsten Brodde
Ludwig Verlag
256 Seiten
€ 17,50
ISBN: 978-3-453-28003-8

Kirsten Brodde, Textilexpertin bei Greenpeace, deckt grünen Etikettenschwindel auf und zeigt, wie man saubere Kleidung erkennt.

 

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Ein Artikel von Sabrina