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Weghaun? – Was für ein Schmarrn!

Werkzeug
Repair Cafés bieten heutzutage eine Möglichkeit Gegenstände, die sich schon überlebt haben, gemeinsam mit ehrenamtlichen Experten in einer gemütlichen Kaffeehaus-Atmosphäre zu reparieren. Und das vollkommen kostenlos. Wie und wo das funktioniert, wollen wir euch hier berichten.
Werkzeug

Reparieren zahlt sich aus. (Foto: Pixabay, TiBine)

„Der Drucker hat damals nur 90€ gekostet und hat sechs Jahre gehalten. Jetzt ist er hin. Zeit einen neuen anzuschaffen.“ – das hätte man vielleicht früher gesagt. Denn Reparaturen sind oft aufwendig und stehen in einem Missverhältnis zum Anschaffungspreis. Und wollte man sein Gerät nicht um teures Geld in Expertenhände legen, so startete man vielleicht selbst einen Versuch. War dieser nicht von Erfolg gekrönt, kam das Gerät mit all dem anderen Elektroschrott auf eine Sammelstelle der Müllabfuhr. Dort landet immerhin fast die Hälfte der 80,2 Tonnen Elektroschrott, den die Österreicher im Jahr produzieren. Global waren es im Jahr 2014 knapp 49 Millionen Tonnen, laut einem Bericht der United Nations University. Das sind große Mengen und damit noch größere Belastungen für unsere Abfallwirtschaft und die Umwelt.

Repair Café

Selbst reparieren heißt die Alternative

Wem diese Zahlen unangenehm aufstoßen, der hat seit 2007 eine Alternative. Denn seit diesem Jahr existiert die Initiative „Repair Café“ von Martine Postma aus den Niederlanden. Wie der Name schon vermuten lässt, trifft man sich hier regelmäßig zu einem gemütlichen Kaffee in angenehmer Atmosphäre, im Gepäck alte Radios, lädierte Kaffeemaschinen oder viel benutzte Waffeleisen, die ihren Geist schon aufgegeben hatten. Dann wird gebastelt und getüftelt. Anders als im Selbstversuch ist man aber nicht auf sich allein gestellt, sondern wird von kundigen ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Werkzeuge und Materialien für alle möglichen Reparaturen sind im lokalen Repair Café vorhanden, auch ein Lesetisch bietet mit Büchern übers Handwerken und Selbermachen Inspiration. Aber auch jene, die nichts zu reparieren haben, sind willkommen und können ein Heißgetränk genießen, schmökern oder anderen bei ihrer Reparatur helfen.

Auf diese Weise kann nicht nur die Funktionsfähigkeit verloren geglaubter Gegenstände verlängert werden, auch praktisches Wissen wird in diesem Prozess weitergegeben. Stichwort: Hilfe zur Selbsthilfe. Der Blick in das Innere des 90€-Druckers stärkt das Bewusstsein für seine Komplexität und die Ressourcen und die Arbeitskraft, die aufgewendet wurden, um ihn herzustellen. Führt nun die Tüftelei in Zusammenarbeit mit anderen zum Erfolg, lernt man nicht nur den Billigdrucker sondern auch seine eigenen handwerklichen Fähigkeiten wertzuschätzen.

Repair Cafés weltweit und auch in Österreich

Die Standorte der Repair Cafés kann man online über repaircafe.org ausfindig machen. Dort sind 1335 Cafés auf der ganzen Welt verzeichnet. Auch in Wien ist der Trend angekommen. In der Löwengasse 42 im 3. Bezirk kann man jeden Donnerstag von 14:00-18:00 den verrosteten Toaster vor der Müllhalde retten und damit einen Schritt in die richtige Richtung setzen. Und wem dieser Schritt noch zu klein ist, der kann sich aufmachen und selbst ein Repair Café eröffnen. Die Stiftung „Stichting Repair Café“ bietet dafür seit 2011 professionelle Hilfe an. Im Starterpaket finden sich Logo, Vorlagen für Flyer und Poster sowie Tipps für die Organisation. Das Forum der oben genannten Website bietet Gelegenheit zum internationalen Austausch, sowohl für die Gründung eines Repair Cafés als auch für private HandwerkerInnen.

Repair Café

(Foto: Wikimedia commons, RaMa2016 CC BY-SA 4.0)

Ein Artikel von animal.fair