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So kommt kein Tier aufs Papier

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Tiere malen, aber nicht mit Tieren malen – Tierfreunde achten auch bei der Malausrüstung darauf, keine tierlichen Inhaltsstoffe zu verwenden. Wir berichten, worauf hier zu achten ist. Denn in Form von Tierhaaren oder Kasein tauchen Tiere auch in Pinseln und Farben auf.
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(Foto: Pixabay, Pexels)

Veganes Malen

Malen und Zeichnen erlebt derzeit einen richtigen Boom: Handlettering, Aquarell-Malen, Möbel selbst streichen – der DIY-Trend setzt sich auch beim Herstellen von schönen Bildern durch. Die Abteilungen für Farben und Malmittel in den Geschäften sind gut gefüllt. Damit aber niemand zu Schaden kommt, sind ein paar Kriterien zu beachten: Denn für viele Pigmente und Bindemittel der Farben oder für Pinsel werden heute noch tote Tiere oder Körperteile von Tieren verwendet.

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Tiere wahrnehmen: Damit sie nur am Papier, nicht aber in den Malsachen sind, müssen auch bei Farben, Pinsel & Co. die Inhaltsstoffe genau geprüft werden. (Foto: © Sandra Obermair)

In welchen Produkten steckt Tierleid?

Tiere werden leider ohne mit der Wimper zu zucken als „Inhaltsstoffe“ für Farben, Pinsel und Leime verwendet. Welche Massen an Tieren hier nötig sind, zeigt das Beispiel des Farbstoffes Karmin: 1 kg Cochenille-Schildläuse ergibt 50 Gramm Karmin-Farbstoff. Wenn man bedenkt, wie klein und leicht eine Laus ist, kann man sich die Menge in etwa vorstellen. Obwohl wir viele technische Fortschritte erworben haben, ist die Herstellung von Farben und Malmitteln oft ähnlich wie im Mittelalter.

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Lassen wir den Tieren ihre Haare, Pinsel mit synthetischem Haar malen mindestens genauso gut und fühlen sich für alle gut an. (Foto: Pixabay, LuigiTa7)

Pinsel

Leider gibt es noch Pinsel aus Tierhaaren, vor allem Marder und Schweine, aber auch Ziegen. Die meisten Schweineborsten kommen heute aus China, einem Land das für mangelnden Tierschutz bekannt ist. Für die feinen Aquarellpinsel wird leider noch oft Rotmarderhaar oder „Fehhaar“ verwendet – das ist die Bezeichnung für Eichhörnchenhaar. Dabei gibt es heute genug Alternativen, es werden schon ganz viele wunderbare Pinsel aus synthetischen Haaren angeboten.

Farben & Leime

Malfarben bestehen aus Pigmenten und Bindemitteln. Natürliche organische Pigmente können Teile von Tieren beinhalten, hier ist also Vorsicht geboten. Anorganische Pigmente bestehen aus Erden, Mineralien oder Metallteilen, sie werden auch synthetisch hergestellt. Achtung bei der Bezeichnung „Naturleim“: Hier sind häufig Tiere wie Hasen, Rinder oder Fische enthalten.

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Wer hätte das gedacht: In vielen Farben und Malutensilien stecken Tierbestandteile. (Foto: Pixabay, rawpixel)

Hier eine Tabelle, welche Produkte Bestandteile von Tieren enthalten können:

Tierliche Bestandteile Funktion In welchem Produkt?
Cochenille-Schildläuse, (auch E120, Karmin) Farb-Pigment rote Farben
Ei Bindemittel Temperafarben
Galle (von Ochsen bzw. Rindern) Verzögerung des Trocknens Aquarellfarben
Gelatine, Glutinleim (Knochenmark), auch: Knochenleim Bindemittel Klebstoffe, Grundierungen
Hasenleim (aus Kaninchenfellen) Bindemittel Leim, Klebemittel
Hautleim (aus Tierhäuten) Bindemittel Leim, Klebemittel
Fischleim (aus Fischgräten, Fischhaut) Bindemittel Bastelkleber, Möbelleim
Honig, Bienenwachs Bindemittel Stifte, Ölfarben
Kasein (Kuhmilch) Bindemittel Farben, Klebstoffe
Knochen/Tierkohle  Farb-Pigmente schwarze Farben
Purpur (Purpur-Schnecke, für 1 g Purpur benötigt man 10.000 Tiere!) Farb-Pigment rote Farben
Schellack (Ausscheidungen der Gummi-Schildläuse) Bindemittel Verdünner, Glanzmedien
Sepia (Tinte des Tintenfisches) Farb-Pigment schwarze Farben
Tierhaare, also Pelz (von Marder, Ziege, Eichhörnchen: Fehhaar, Pferden, …) Pinselhaare Pinsel

Für chemische Bestandteile in Farben können Tierversuche gemacht worden sein, daher sind Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen vorzuziehen, einfach um sicher zu gehen.

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Wer Unterstützung bei der richtigen Farbauswahl braucht, findet Anleitungen auf einem der vielen veganen Mal-Blogs (Foto: © Sandra Obermair)

Vegane Mal-Produkte

Die meisten Hersteller von Mal-Materialien haben vegane Produkte im Sortiment, man muss sie nur heraussuchen. Es hilft nix: Das genaue Durchlesen der Inhaltsstoffe ist eben auch bei Mal-Utensilien unumgänglich. Schließlich wollen wir ja nicht „die Katze im Sack“ kaufen.

Hier ein paar Hersteller, die auch veganes Malmaterial im Sortiment haben – die einzelnen Produkte haben aber unterschiedliche Inhaltsstoffe, es gilt also wieder: Unbedingt die Hersteller-Angaben genau durchlesen. Eine Hilfe sind auch die Blogs von veganen MalerInnen, die über ihre Erfahrungen und Ausrüstungen erzählen.

  • Boesner: Der riesige Markt für Künstlerbedarf hat eine gute Auswahl, auch die Eigenmarken von boesner sind teilweise vegan.
  • Da Vinci: Empfehlenswert ist der Casaneo Aquarellpinsel aus synthetischem Haar.
    (Übrigens: Der Firmenname „Da Vinci“ passt gut, denn Leonardo da Vinci war Vegetarier und ein großer Tierfreund)
  • Faber Castell
  • Royal Talens
  • Schmincke Akademie Sorte 16

Diese Liste ist nur ein kleiner Teil der Produkte am Markt. Weitere Anbieter findet ihr in unserem Ethischen Einkaufsführer.

DIY-Buchtipp

Auch bei Farben ist DIY möglich: Man kann sich Malfarben selbst herstellen, pflanzliche und mineralische Pigmente besorgen und los geht’s. Eine gute Hilfe ist zum Beispiel dieses Buch:

Werkstatt Pflanzenfarben
Helena Arendt
AT Verlag
ISBN: 978-3-03800-407-3

© AT Verlag

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Ein Artikel von Sandra