Unsere Art, Lebensmittel herzustellen und zu konsumieren, zerstört mittelfristig den Planeten. Auswüchse der Lebensmittel-Industrie sind Monokulturen, massiver Pestizideinsatz, Wasserverschwendung und die Schrecken der Massentierhaltung. Immer mehr KonsumentInnen lehnen das ab und wollen dieses System nicht weiter unterstützen. Also sind Alternativen gefragt! Diese gibt es bereits und es werden immer mehr: Einkaufsgemeinschaften (foodcoops) boomen, immer mehr Höfe mit solidarischer Landwirtschaft entstehen, andere wiederum bauen ihr eigenes Gemüse in Selbsternteparzellen an. Die Vorteile dieser neuen und spannenden Initiativen: sie schaffen Vertrauen, schalten Zwischenhändler aus und fördern somit die Produzenten selbst, die Lebensmittel sind regional, saisonal und meist biologisch. Mit unserer heute beginnenden Serie wollen wir euch Gusto auf diese alternativen Lebensmittel-Bezugsquellen machen. Teil 1 ist eine Einführung und beschreibt die Ist-Situation der Lebensmittelherstellung und -verteilung.

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Die konventionelle Lebensmittelversorgung macht dem Planeten schwer zu schaffen

Die konventionelle Landwirtschaft schafft viele Probleme: für die Umwelt, die Menschen, die Tiere. Dies lässt sich auch an folgendem Beispiel verdeutlichen: In der südspanischen Provinz Almería werden 3 Millionen Tonnen Treibhausgemüse für Europa produziert. Gurken, Tomaten oder Salate wachsen in Gewächshäusern, die sich kilometerweit über das Land erstrecken. Dieses „Plastikmeer“ ist sogar vom Mond aus zu erkennen. Die ErntearbeiterInnen kommen meist aus dem Ausland, wohnen inmitten dieser Plastikzelte und verdienen bei harten Arbeitsbedingungen auf dem Feld gerade mal 30 bis 35 Euro am Tag. Es werden Unmengen an Pestiziden und Düngemitteln für Monokulturen eingesetzt, wodurch die Umwelt zerstört und die Tierwelt (besonders Bienen) geschädigt werden. Umwelt und Menschen werden für billiges Obst und Gemüse schamlos ausgenutzt.

Plastikmeer Almería

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In der weltweiten Fleisch– und Milchproduktion sind es in erster Linie die Tiere, die leiden. Massenweise werden Lebewesen unter unwürdigen Bedingungen gehalten, mit genmanipulierten Soja und Kraftfutter gefüttert, oft stundenlang transportiert und geschlachtet. In den Schlachthäusern kommt es nicht selten zu Quälereien und erschreckend brutalen Übergriffen auf die ohnehin verängstigten und meist durch den Transport verletzen Tiere.

Die prekäre Lage ergib sich daraus, wie die Lebensmittelindustrie arbeitet. Ihre Folgen sind Menschenrechtsverletzungen, soziale Ungleichheit, Tierleid, Umweltschäden, Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, hoher Ressourcenverbrauch, Konsumententäuschung, Gefährdung der Gesundheit. Die industrielle Produktion von Lebensmitteln drückt die Preise nach unten. Folgekosten, wie beispielsweise Umweltschäden sind im Preis nicht berücksichtigt, stellen in der Folge aber sehrwohl eine finanzielle Belastung für die staatlichen Systeme dar. Es gibt also keine Kostenwahrheit. Die Lebensmittelindustrie zielt vielmehr auf Profitsteigerung und Gewinnorientierung ab. Die kanadische Journalistin, Globalisierungskritikerin und Umweltaktivistin Naomi Klein bringt es in ihrem kürzlich erschienen Buch „This Changes Everything“ auf den Punkt: Kapitalismus oder Umweltschutz.

Die Massentierhaltung fällt auf den Menschen selbst zurück

Der Lebensmittelverbrauch, vor allem tierlicher Produkte, ist so hoch wie noch nie in der menschlichen Geschichte. Jährlich werden in Österreich 553.184 Tonnen Fleisch konsumiert, was einen pro-Kopf-Verzehr von 65,3kg im Jahr bedeutet (Statistik Austria 2014). 79.521 Tonnen Milchprodukte werden jährlich allein in Österreich verbraucht (Statistik Austria 2014). Davon abgesehen, dass ein so hoher Konsum gesundheitlich bedenklich ist, verursachen Fleisch– und Milchproduktion mindestens 20% der Treibhausgase und weisen einen enormen Wasserverbrauch auf. Damit sind der Fleisch -und Milchkonsum eine der treibenden Kräfte, die den Klimawandel verursachen. Intensiver Sojaanbau für Futtermittel auf Flächen, die einst Regenwälder waren, ist für die Massentierhaltung notwendig (Details dazu könnt ihr in unserem Blog „Wer (fr)isst das ganze Soja?“ finden). Außerdem sind im Fleisch Antibiotika, Anabolika und Hormone, die in der Massentierhaltung gang und gäbe sind, vorhanden. Das führt zu gravierenden Folgen wie Antibiotikaresistenzen.

Die Massive Verwendung von Pestiziden beim Futtermittelanbau führt zu schweren Schäden der Böden, zu  Grundwasserverseuchung und Bienensterben. Ausserdem wird für die Futtermittelindustrie hauptsächlich genmanipuliertes Soja verwendet.

Was kann ich tun? Ist die Welt noch zu retten?

Die Spekulation mit Lebensmitteln treibt die Überproduktion an eine neue Spitze. Jährlich landen 1,3 Milliarden Tonnen essbare, frische Ware im Abfall (FAO). Mit dem heutigen Stand der vorhandenen Lebensmittel müsste niemand hungern und dennoch stirbt jede Sekunde ein Kind an Unterernährung. Der Sozialwissenschafter und Globalisierungskritiker Jean Ziegler betont diese Fakten immer wieder. Als Grund nennt er die starren Strukturen der Wirtschaft, die nur schwer durchbrochen werden können. Chancen für eine alternative Lebensmittelversorgung sieht er jedoch in Initiativen von der Basis der Gesellschaft aus, so genannte Grass-Roots-Bewegungen.

Immer mehr Menschen erkennen die gegenwärtige, prekäre Situation und versuchen sich der Lebensmittelindustrie zu entziehen, indem sie eigene Wege gehen. So wird gemeinsam Landwirtschaft betrieben, Einkaufsgemeinschaften werden gegründet, Ernteanteile bezogen, Biokisten bestellt, Selbsternteparzellen bebaut oder bei Greißlernetzwerken eingekauft. Konsumentscheidungen bedeuten viel mehr als eine volle Einkaufstasche. Es sind Entscheidungen für oder gegen Massentierhaltung, für oder gegen Chemieeinsatz in der Landwirtschaft. Kurzum: Die Entscheidungen von heute verändern die Welt von morgen. Und konkret stellen wir euch diese Initiatven in den nächsten Beiträgen der Serie vor.

Quellen

Weitere Artikel in unserer Reihe Lebensmittelversorgung neu

Ein Artikel von Judith