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Lebensmittelversorgung neu, Teil 2: Solidarische Landwirtschaft

Wie im ersten Teil unserer Serie behandelt, schafft die gobalisierte Lebensmittelindustrie enorme Probleme. Für Kritiker ist sie ein Auslaufmodell. Also sind Alternativen gefragt. Eine davon wird heute, wie versprochen, vorgestellt. Wöchentlich frisches Obst und Gemüse vom (Bio)Bauernhof – ganz einfach und für jede/n zu haben. Solidarische Landwirtschaft macht’s möglich: LandwirtInnen (ProduzentInnen) und KonsumentInnen planen das Erntejahr eines Hofes gemeinsam, unterstützen sich gegenseitig und können somit das Überleben von Kleinbauern sichern. Peter Laßnig, der Mitgründer von der GELA Ochsenherz erzählte uns seine Geschichte und wie die Solidarische Landwirtschaft funktioniert.

© Margot Kessler, pixelio.de

Frisch geerntet © Margot Kessler, pixelio.de

Gemeinsam stark

Die Idee des solidarischen Landwirtschaftens ist sozusagen eine Antwort auf die industrielle Lebensmittelversorgung. ProduzentInnen sowie KonsumentInnen packen gemeinsam an und kümmern sich selbst um ihren Eigenbedarf an gesunden Lebensmitteln. Zwischenhändler gibt es nicht, die Vereinbarung besteht direkt zwischen Produzent und Konsument. Im Mittelpunkt stehen die (meist biologische) Landwirtschaft und gesunde, wertvolle Lebensmittel, die saisonal geerntet werden und  aus der Region stammen.

Wie funktioniert solidarische Landwirtschaft?

Gela Gemeinschaftsrübe ©www.ochsenherz.at

Gela Gemeinschaftsrübe ©www.ochsenherz.at

Solidarische Landwirtschaften oder auf Englisch Community Supported Agriculture (CSA) bedeutet ein gemeinsames Landwirtschaften. Sie erfordern Flexibilität, einen anderen Umgang mit Geld und einen gewissen Lernprozess, so Peter Laßnig vom CSA-Hof Ochsenherz. Das Konzept kommt aus den USA. Es sollen – anders als bisher in der konventionellen Landwirtschaftsweise üblich – wieder die Natur, der Mensch und gesunde Nahrung in den Fokus gerückt werden. Gewinnmaximierung ist nicht Teil es Konzepts. Außerdem können Menschen ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Arbeit hinter beispielsweise einem Sack Kartoffeln steckt, wenn sie auf dem Feld mithelfen. Denn auch das ist möglich und auch erwünscht. Konkret bedeutet das: Eine Gruppe von KonsumentInnen kommt für das Jahresbudget eines Hofes auf und sichert sich dadurch Zugang zu biologisch angebautem, frischem Obst und Gemüse oder allgemein zu Ernteanteilen. Eventuelle Ernteausfälle oder andere Hürden werden sowohl von KonsumentInnen als auch von den LandwirtInnen gemeinsam getragen.

CSA als Rettung für Kleinbauern

Als der Betrieb von Peter Laßnig unter dem Druck der Profitorientierung stand, wurde nach einer alternativen Finanzierung gesucht, um diesen weiter zu führen. Außerdem spielte der Dokumentarfilm „The Real Dirt on Farmer John“ eine wesentliche Rolle. Hier wird die Geschichte eines landwirtschaftlichen Betriebes erzählt, der nicht mehr existenzfähig ist, sich aber durch die Zusammenarbeit mit KonsumentInnen retten kann. „Hauptinspirationsquelle“ für eine solidarische Landwirtschaft war der Buschberghof in Deutschland. Nach dem Entschluss, einen solchen Weg einzuschlagen, wurde vorerst der Produktverkauf auf Märkten abgesagt, was ein gewisses Risiko bedeutete. Aus dem „Sprung ins kalte Wasser“, wie es Laßnig beschreibt, entstand die gemeinsame Landwirtschaft (GELA) Ochsenherz.

Ein Gespür für die Landwirtschaft

© Ochsenherzhof

Sortenvielfalt und Sortenraritäten

Die GELA Ochsenherz zählt aktuell 300 Mitglieder. Diese können ihren Ernteanteil entweder wöchentlich selbst abholen (auch vom Naschmarkt) oder sie erhalten als Biokisten-Bezieher in den Erntemonaten ein zusammengestelltes Paket. Neben den Ernteanteilen werden eigenes Saatgut und Jungpflanzen verkauft. Außerdem können sich Interessierte ansehen, wie Landwirtschaft funktioniert: „Es gibt die Möglichkeit sich zu beteiligen und zu uns zu kommen und mit zu tun und mit zu ernten.“ Fleißige MithelferInnen können sich ihren Ernteanteil komplett finanzieren. Freiwillige Mitarbeit bedeutet außerdem eine große Unterstützung für den Betrieb, denn die Nachfrage ist groß.

Eine Zukunftsvision

Damit das Konzept gemeinsame Landwirtschaft noch mehr Zukunftschancen hat, wäre es gut, wenn erstens mehr dieser CSA-Betriebe entstehen würden, und zweitens diese miteinander kooperieren, so Laßnig. Auf diese Weise könnte etwa ein Hof im Weinviertel seinen Mitgliedern auch Äpfel aus der Steiermark anbieten, denn nicht überall gedeihen die Sorten gleich gut. Auch Klein- und Nebenerwerbsbauern könnten bei diesem Modell ihre Lebensmittel vertreiben.

Weitere Informationen

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Ein Artikel von Judith

2 Kommentare

  • Christian sagt:

    Geniales Konzept!

  • gero fischer sagt:

    Sehr sachlicher und informiertzer Beitrag