Tiere in den Religionen (Teil 2): Hinduismus und Islam

Hinduismus
Im ersten Teil zu Tieren in den Religionen und Aktivismus haben wir euch bereits die Beziehung zwischen Mensch und Tier im Buddhismus und in der jüdisch-christlichen Tradition näher vorgestellt. Im heutigen zweiten Teil möchten wir die Rolle von Tieren im Hinduismus und Islam näher für euch beleuchten.
Tiere in den Religionen, Hinduismus

Hinduismus (Foto: Pixabay, Sambeet)

Vegetarismus im Hinduismus

Der Hinduismus ist unter anderem durch seine Verehrung mancher Tiere, allen voran den Kühen, bekannt. Im Vergleich zu vielen anderen Religionen genießen (zumindest manche) Tiere im Hinduismus einen großen Stellenwert und große Anerkennung und Verehrung. Weltweit ist der Hinduismus mit circa einer Milliarde Gläubigen die drittgrößte Religion nach dem Christentum und Islam, wobei etwa 92 % der Hindus in Indien leben. Obwohl vor allem Kühe als heilig angesehen werden, ist die Verbreitung von Vegetarismus in Indien jedoch sehr stark regional bedingt. So wird zum Beispiel im Süden viel weniger Fleisch von Hindus gegessen als im nordindischen Panjab.

Ein 2009 veröffentlichter Bericht der Welternährungsorganisation FAO zeigt, dass in Indien pro Kopf nicht mehr als 4,4 kg Fleisch pro Jahr verbraucht werden, wobei die Tendenz leider steigend ist. Im Gegensatz dazu verbraucht zum Beispiel ein US-Amerikaner 120 kg Fleisch im Jahr, in Österreich sind es 102 kg, in Deutschland 88 kg.

Vegetarisches Curry (Foto: Wikimedia Commons, GracinhaMarco Abundo, CC BY 2.0)

Gewaltlosigkeit – Ahimsa

Das Konzept von “Ahimsa” (Sanskrit) – Nicht-Verletzen bzw. Gewaltlosigkeit – ist zentral für Hindus und trägt so seit Jahrtausenden dazu bei, dass Vegetarismus in dieser Religion sehr weit verbreitet ist. Die Gewaltlosigkeit bezieht sich für Gläubige auf Taten, sowie auch auf Worte und Gedanken. Im Hinduismus spielt auch Karma – das Prinzip von Ursache und Wirkung – eine essentielle Rolle. Der Verzehr von Fleisch wird folglich meist als schlechte Handlung betrachtet, die dazu beiträgt, dass ein Mensch aus dem Kreislauf der Wiedergeburten nicht ausbrechen kann.

Wie auch im Buddhismus soll eine liebevolle Gesinnung allen Lebewesen gegenüber gezeigt werden. Die Anweisung, auf Fleisch zu verzichten um so zur Gewaltlosigkeit beizutragen, findet sich auch in den Veden, den ältesten Schriften der indischen Literatur. Im Manu-Samhita, einem uralten Gesetzbuch, heißt es dementsprechend: „Keine lebenden Wesen zu töten ist die Voraussetzung zur Erlösung“ (Manu-Samhita 6.60).

Auch wenn Vegetarismus an sich im Hinduismus häufig gelebt wird, so gibt es doch überraschender- und paradoxerweise noch Tieropfer, zum Beispiel Ziegen, Lämmer oder Hühner, die rituell u.a. für die Göttin Kali geopfert werden.

Die “heilige Kuh”

Dass in Indien Kühe eine besondere Stellung genießen, ist den meisten bekannt. Diese Sonderstellung ist jedoch nicht auf Ahimsa zurückzuführen, sondern auf den symbolischen Wert dieser Tiere. Die Kuh wird in Indien als ein Symbol von Fruchtbarkeit und materiellem Wohlstand gesehen. Außerdem wird jede Kuh als Abbild der “göttlichen Kuh” Kamadhenu betrachtet, weswegen das Töten von Kühen verboten ist. Die Tötung von Kühen ist im Laufe der Zeit zu einem wichtigen religiösen Tabu geworden. Da aber diese Ansicht zum Beispiel von Muslimen nicht geteilt wird, kommt es beim Zusammenleben und in Grenzgebieten, zum Beispiel zwischen Indien und Pakistan, immer wieder – auch zu sehr gewalttätigen – Auseinandersetzungen.

(Foto: Wikimedia Commons, John Hill, CC BY-SA 3.0)

Islam und Tierethik

Mit ca. 1,2 Milliarden Muslimen weltweit stellt der Islam die zweitgrößte Weltreligion dar. Im Vergleich zum Hinduismus nimmt Tierethik und Vegetarismus im Islam einen nicht so zentralen Stellenwert ein. Trotzdem gibt es, unter anderem im Koran, doch einige Geschichten über die Beziehungen zwischen Menschen und Tieren. So stellt zum Beispiel das Töten auf der Pilgerfahrt nach Mekka etwas Negatives dar. Solange Pilger ihren Pilgermantel, den sogenannten Ihram, tragen, dürfen sie kein einziges Tier töten, auch nicht Insekten. Aus den Überlieferungen geht auch hervor, dass der Gründer Mohammed großes Mitgefühl gegenüber Tieren zeigte. Auch heute noch ist der Verzehr von Schweinefleisch, und eigentlich allgemein von Blut, verboten. Schweine werden als unreine Tiere betrachtet. Trotzdem bilden Tieropfer wiederum eine wichtige religiöse Tradition für viele Muslime.

Mekka

(Foto: Wikimedia Commons, Zakaryaamr, CC BY-SA 3.0)

Im Sufismus, einer islamischen Glaubensschule, gilt jedoch der Verzicht auf Fleisch und Alkohol als ein hohes religiöses Ideal und wird als ideale Ernährungsweise angesehen. Die Lehren des Koran sehen außerdem allgemein universale Barmherzigkeit und Mitgefühl für alle Lebewesen als eine zentrale Grundlage dieser Weltreligion.

Ein Artikel von Yvonne