Nerze und Füchse lieben ihre Freiheit

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Wie leben eigentlich diese wunderbaren, von der Pelzindustrie missbrauchten Tiere, wenn sie in Freiheit sind? Wir stellen Euch in unserem „Pelz, nein danke!“-Special zwei von ihnen vor: den Nerz und den Fuchs.

Der Nerz

Der Nerz stammt aus der Familie der Marder. Als guter Schwimmer und dämmerungs- und nachtaktiver Jäger, der kräftig und schnell zubeißen kann, sucht er im Winter sogar unter der Eisdecke von zugefrorenen Gewässern nach Beute: Frösche und Fische stehen ebenso auf seinem Speiseplan wie Mäuse, Vögel, Kleinsäuger oder Insekten.

In Freiheit werden Nerze – bei uns ist der sogenannte Europäische Nerz heimisch – rund sieben Jahre alt. Hitze vertragen sie nicht. Sie benötigen Schatten und Wasser und leben als Einzelgänger in zumeist selbst errichteten Bauten in Ufernähe. Allerdings ist der Europäische Nerz seit Beginn bis Mitte des 20. Jahrhunderts in unseren Breiten so gut wie ausgestorben. Tausende Tiere fielen jährlich den Jägern zum Opfer, zudem haben die Veränderung der Landschaft durch die Menschen und Eingriffe in die Natur den Lebensraum der Nerze zerstört.

Der Europäische Nerz steht heute auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Vor ein paar Jahren wurde begonnen, ihn im deutschen Saarland und am Steinhuder Meer wieder anzusiedeln.  Er stehen übrigens in Rivalität mit den größeren und stärkeren amerikanischen Mink, einen entfernten, aber sehr ähnlich aussehenden Verwandten. Die Minks sind jene Tiere, die auf qualvolle Weise für die Pelzindustrie gezüchtet werden und für sie sterben müssen. Wie die Massentierhaltung – der Nerz ist Einzelgänger! – in den Nerzfarmen aussieht, haben wir gestern beschrieben. Übrigens wird nicht nur das Fell, sondern auch das Fett der nach rund einem Lebensjahr vergasten oder durch Strom getöteten und danach gehäuteten Tiere industriell verwendet – unter Bezeichnungen wie Nerz-, Mini- oder  Mustela-Öl für gängige Kosmetikprodukte wie Shampoos, Haarkuren und Cremen.

Die aus den Nerzfarmen geflüchteten oder befreiten Minks haben sich in Mittel- und Westeuropa rasch eingelebt – was wiederum viele Naturschützer und vor allem Jäger auf den Plan gerufen hat. Da die Minks heimische Tierarten, auch den wieder angesiedelten Europäischen Nerz, verdrängen, gibt es sogar gezielte Vernichtungsmaßnahmen gegen die in Freiheit lebenden Minks…

Der Fuchs

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Von den zahlreiche Fuchs-Arten – sie sind übrigens mit dem Hund verwandt – ist in den west- und mitteleuropäischen Gebieten der Rotfuchs am verbreitetsten – übrigens nicht nur in den Wäldern. Als geschickter Anpasser, der nicht nur Beutetiere wie Hühner, Mäuse oder Kaninchen erlegt, sondern gelegentlich auch Mistkübel durchwühlt, hält er sich heutzutage gerne auch in Gärten, auf Friedhöfen und sogar in verbauten Stadtgebieten auf.

In diesen urbanen Räumen dienen dem Fuchs Schuppen und Holzstapel als Rückzugsort; ansonsten wohnt er in zumeist selbstgegrabenen Bauten oder zieht in einen bereits vorhandenen Dachsbau ein. Sein Gehör ist hervorragend, er kann selbst das leiseste Rascheln von Beutetieren wahrnehmen. Für ihn überlebenswichtig ist die Nase; besonders nachts findet er sich allein durch Schnuppern und Riechen zurecht.

Übrigens: Katzen lässt der Fuchs zumeist in Ruhe, weil sie ihm zu wehrhaft sind. Dass Füchse Tollwut übertragen, ist zwar theoretisch und historisch richtig, aber nicht mehr aktuell: Tollwut gibt es seit Jahren in Österreich und seinen Nachbarländern nicht mehr. Zur Bekämpfung dieser Krankheit wurden in den vergangenen Jahrzehnten tausende Füchse vergiftet, vergast und erschossen. Zudem sind Füchse scheue Tiere und greifen Menschen von sich aus nicht an. Und was den, durch Fuchskot übertragenen Fuchsbandwurm betrifft: Eine Übertragung durch Beeren oder Kräuter ist äußerst selten,  zur Sicherheit soll aber alles, was in der freien Natur in Bodennähe gesammelt wurde, vor dem Essen gewaschen werden, so der deutsche Molukularbiologe Klaus Brehm, dessen Forschungsergebnissen und Tipps hier zu finden sind.

Der Rotfuchs wird um die zehn Jahre alt; meist stirbt er schon früher durch Jäger – oder in den furchtbaren Zuchtanlagen der Pelzindustrie, die sich auf besondere Rassen wie Silberfüchse spezialisiert haben. Wie Nerze und andere Tiere werden die Füchse in Metallkäfigen gehalten. Diese Tortur wird durch den Gestank des Kots – Füchse sind Nasentiere! – noch verschärft.

Aber immerhin: Wie die Tierrechtsorganisation PETA vermeldete, wird es – dank zahlreicher Proteste und Unterschriftenaktionen – auf der „Hong Kong International Fur & Fashion Fair“ 2014 keinen deutschen, staatlich unterstützten Ausstellungspavillon mehr geben. Als ein Grund mehr, immer wieder durch Petitionen, Aufklärung und  natürlich das eigene Kaufverhalten zu signalisieren: Wir unterstützen keine Art von Tierausbeutung und damit auch keinerlei Tierquälerei.

 

Ein Artikel von Ruth