Kühe pflegen innige Freundschaften

Wusstest du, dass Rinder fähig sind, 100 Herdenmitglieder zu erkennen? Rinder sind sehr soziale Tiere, sie pflegen Freundschaften mit anderen Herdenmitgliedern, die auch gegenseitige Körperpflege (ausführliches Ablecken) mit einschließt. Für den Zusammenhalt der Herde sorgt ein Geflecht an sozialen Beziehungen und Verwandschaften. Besonders innig ist die Mutter-Tochter-Beziehung. So fühlen sich eine zehnjährige Kuh und ihre siebenjährige Tochter immer noch stark verbunden, auch wenn beide inzwischen alte und erfahrene Kühe geworden sind und Nachkommen haben.

In Freundschaft einander verbunden (Foto: Pxhere, CC0)

Kälber in Isolationshaft

In der Milchwirtschaft werden Mutter und Kind nach der Geburt, nach dem ersten Saugen, voneinander getrennt. Das Kälbchen, das nicht weiß, wie ihm geschieht, kommt in eine Einzelbox – ohne jegliche körperliche Zuwendung, Nähe, Zärtlichkeit. So muß es mindestens die ersten zwei Monate seines Lebens fristen. Mutterkuh und Kalb rufen verzweifelt nacheinander… vergeblich. Die Muttermilch, die Natur für das Kalb vorgesehen hat, will der Mensch für sich.

Unter natürlichen Bedingungen saugen Kälber fünf bis acht mal am Tag, jeweils rund zehn Minuten am Euter ihrer Mutter. Die von ihren Müttern getrennten Kälber erhalten zwei zwei- bis dreimal am Tag einen Milchaustauscher. Weil der natürliche Saugtrieb der Kälber nicht befriedigt wird, stellt das gegenseitige Besaugen der Kälber ein wiederkehrendes Problem dar. Solange die Kälber noch in der Einzelbox sind, saugen sie ebenfalls an allem, was ihnen in den Weg kommt: die Stangen ihrer Box, Hände, die ihnen entgegen gestreckt werden.

Kälber haben einen sehr großen Bewegungsdrang. Die wenigen glücklichen, die auf der Weide sein dürfen, kann man beim Herumspringen beobachten. Ihre Fähigkeit zu sozialen Beziehungen nutzen auch schon die Kälber, um Bindungen mit anderen ihrer Altergruppe einzugehen. In der Fachsprache heißt das dann Kälber-Kindergarten.

Auch Zusammenarbeit hat in einer Kuhherde einen großen Stellenwert. So teilen sich Kuhmütter die Aufsicht für die Kälber, springen auch als Ammen ein, wenn eine Kuh zu wenig Milch hat. Rinder sind aber nicht nur sehr soziale, sondern auch neugierige und intelligente Tiere und haben ausgeprägte, unterschiedliche Charaktere – wie jeder Bauer bestätigen kann, der seine Kühe noch mit Namen kennt. Natürlicherweise würde es in einer Kuhherde einen Stier geben.

saugendes Kalb

Das ist nur den wenigsten vergönnt, wenn dann bei Mastrindern, zur Fleisch”gewinnung” (Foto: Pxhere, CC0)

Hornlos

Jeder Kuh wachsen Hörner. Eine Kuh mit Hörnern passt allerdings nicht in den beengten Stall moderner Agrarbetriebe. Die Hörner müssen weg, lautet deshalb die Logik. Die Enthornung der Tiere ist gängige Praxis: In einer äußerst schmerzhaften Prozedur werden den Kälbern die Hornansätze weggebrannt oder weggeätzt. Die Natur hat die Rinder aber nicht umsonst mit Hörnern ausgestattet, sie haben gleich mehrere wichtige Funktionen. Zum einen werden die Hörner im Herdenverband als Signal gebraucht, um zu zeigen, wo sich das Tier in der Rangordnung befindet. Fehlt dieses Signal, sind ständige Rangordnungskämpfe die Folge. Zum anderen dürften die stark durchbluteten Hörner auch mit dem Verdauungstrakt in Verbindung stehen. Und sie zeigen, wie es der Kuh geht: sind die Hörner kalt, deutet das auf eine Krankheit hin. Wenn aber eine Kuh kräftig und behaglich wiederkäut, dann werden die Hörner spürbar warm und wärmer.

Leseempfehlung: Die Artikelserie “Sag mir, wo die Hörner sind…” von Gastautorin Dr. Karin Büchl-Krammerstätter. Teil 1: Von der Bedeutung des Horns. Teil 2: Die Antwort der Landwirtschaft.

Mutterkuh und Kalb

Die Bindung bleibt ein Leben lang bestehen (Foto: Pxhere, CC0)

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Ein Artikel von Petra