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Jedes Leben endet – Sterben eines Haustiers

Friedhof
Allerheiligen und Allerseelen – zwei Tage, an denen traditionell der Verstorbenen gedacht wird, vielleicht sogar verbunden mit einem Gang zum Friedhof. Auch jeder Tierhalter ist irgendwann mit dem Sterben und der Trauer um einen langjährigen Weggefährten konfrontiert. Es scheint großteils genetische Veranlagung zu sein, wie alt ein Tier wird, doch natürlich spielen die Lebensumstände und Haltung sowie der Gesundheitszustand des Tieres ebenso eine wesentliche Rolle. Manche Tiere erkranken sehr früh und man muss sich schon in ihren jungen Jahren mit Krankheit und Tod auseinandersetzen.
Friedhof

(Foto: Pixabay, Pexels)

Das kranke Tier

Leidet ein Tier unter einer unheilbaren Krankheit, so ist Linderung des Leidens das höchste Ziel. Viele Erkrankungen gehen mit starken Schmerzen einher, wie z. B. Tumorschmerzen bei Krebserkrankungen. Auch massive Veränderungen am Bewegungsapparat können für Schmerzen und eingeschränkte Bewegungsfreiheit sorgen. Die Symptome müssen soweit behandelt und eingedämmt werden, dass das Tier angenehm und schmerzfrei weiterleben kann. Die Begleitung einer als unheilbar geltenden Krankheit kann auf unterschiedliche Arten erfolgen. Wichtig ist, das Tier möglichst wenig zu stressen und ihm an Aktivitäten und Therapien nur mehr das zuzumuten, was ihm guttut.

Doch gibt es Situationen, in denen keine Therapieform mehr etwas bewirken kann. Wenn das Tier sichtbar leidet, es kein Futter und keine Flüssigkeit mehr aufnimmt und von eventuell vorhandenen Partnertieren drangsaliert oder aus der Gruppe ausgeschlossen wird, rückt die Zeit näher, Abschied zu nehmen.

Kaninchen

Foto: privat

Das alte Tier

Tier-Senioren schlafen mehr, bewegen sich weniger und wollen vermehrt ihre Ruhe haben. Sie werden vielleicht mager und struppig und sind nicht mehr so aktiv wie früher, doch solange sie sonst gesund sind, können sie noch viel Lebensfreude haben. Sie brauchen unter Umständen spezielles Futter, Gehege oder Wohnung müssen entsprechend seniorengerecht (um)gestaltet werden. Sie nehmen aber noch am Leben teil und versuchen eine Routine aufrecht zu erhalten.

Wenn es nicht mehr fressen mag, nur noch liegt und nicht mehr am Leben teilnimmt, so kann dies gerade beim älteren Tier darauf hinweisen, dass es sich im Sterbeprozess befindet. Sterben muss aber nicht automatisch gleichbedeutend mit Leiden sein. Deshalb ist in dieser Phase eine bewusste Begleitung und Beobachtung seines Weggefährten umso wichtiger, um körperlichen Schmerz oder auch psychisches Leid frühzeitig erkennen zu können und wenn nötig eine Entscheidung zu treffen. In vielen Fällen schlafen alte Tiere aber auch einfach ein. Ein trauriger Moment, doch für unsere Lieblinge ist das Sterben in ihrer gewohnten Umgebung ganz natürlich und somit das Beste, was ihnen am Ende ihres Lebens passieren kann. In jedem Fall gilt es, die letzte Zeit (die ganz individuell kürzer oder auch länger dauern kann) für das Tier so angenehm wie möglich zu gestalten.

Spuren im Sand

Foto: Pixabay, Cairomoon

Der gute Tod

Der Fachbegriff für den im Volksmund gebräuchlichen Begriff “Einschläferung” ist Euthanasie und stammt aus dem Griechischen. Es setzt sich zusammen aus “eu” für “gut” und “thanatos” für “Tod”, also “der gute Tod”.

Euthanasie, die wegen der allmählichen Verschlechterung einer unheilbaren Erkrankung oder aufgrund fortschreitender Alterserscheinungen notwendig werden kann, ist meistens planbar. Das wird nicht immer als Vorteil empfunden, weil Tierhalter in diesen Fällen dazu gezwungen sind, eine Entscheidung bezüglich des richtigen Zeitpunktes zu fällen. Dabei sollte der Tierarzt beratend zur Seite stehen. Einfach ist diese Entscheidung trotzdem nicht, doch lieber zwei Tage zu früh als nur eine qualvolle Stunde zu spät. Tiere leben im Moment und zählen ihre Jahre und Tage nicht. Ihnen ist es wichtig, gut leben zu dürfen.

 „Es gibt einen Zyklus aus Liebe und Tod, der das Leben derer prägt, die beschließen, in der Gesellschaft von Tieren zu reisen. […] Für die, die nie Teile dieses Zyklus durchlebt haben oder nie über diesen felsigen Pfad wanderten, erscheint unsere Bereitschaft, unsere Herzen mit dem Wissen einzusetzen, dass sie gebrochen werden, unverständlich. Nur wir erkennen, welch geringen Preis wir für das zahlen, was wir erhalten.“ 

Zitat von Suzanne Clothier

Kerze

Die Zeit danach

Wie auch immer es zum Tod des Tieres kommt, was bleibt ist Trauer und deren Überwindung braucht Zeit. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die emotionale Belastung durch den Tod eines Haustiers genauso groß ist wie beim Tod eines Familienmitglieds oder sehr nahen Freundes. Trauerrituale wie beim Verlust eines Menschen können dabei hilfreich sein.

Verstorbene Tiere können beim Tierarzt belassen, an einem persönlichen Platz oder auf einem Tierfriedhof bestattet werden oder eingeäschert und eine Urne aufgestellt oder die Asche verstreut werden. Es gibt virtuelle Plattformen zum Erstellen von Gedenkseiten, man kann ein eventuell vorhandenes Grab regelmäßig schmücken, Kerzen entzünden, ein Bild vom Tier malen lassen oder ein Foto aufstellen. Oder auch nichts davon. Es gibt viele Möglichkeiten für Trauer und Gedenken und jede davon ist richtig.

Wir Tierhalter verschenken unser Herz in dem Wissen, dass wir unsere Gefährten nach einer Anzahl an gemeinsamen Jahren auf die letzte Reise begleiten und trauern werden. Und irgendwann erinnern wir uns mit einem Lächeln an die besonderen Momente und – wer weiß – verschenken unser Herz vielleicht erneut…

Zum Weiterlesen

Eine Reihe Artikel zum Thema Euthanasie vom deutschen Tierarzt Ralph Rückert

Buchtipp zum Thema Sterbebegleitung von Tieren:

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Ein Artikel von Sabrina