Die Gans große Liebe

Wir haben bereits über die unvorstellbaren Qualen der Mastgänse (Stichwort „Martinigans“) berichtet. Und wir haben auch beschrieben, wie die Tiere für die „Gewinnung“ von Daunen misshandelt werden. Aber was sind das überhaupt für Tiere? Wie leben sie, wenn der Mensch sie nicht in enge Käfige sperrt? Was sind ihre Bedürfnisse, Vorlieben? Damit die Gans kein unbekanntes Wesen bleibt, wollen wir Euch zeigen, wie Gänse in freier Wildbahn leben und was für intelligente und soziale Lebewesen sie sind.
Fliegende Gänse

Sie fliegen und watscheln durch dick und dünn miteinander (Foto: pxhere, CC0)

Eine Gans in freier Wildbahn führt ein gänzlich anderes Leben als eine Mastgans, schon allein aufgrund der Tatsache, dass sie bis zu 25 Jahre alt werden kann, eine Mastgans hingegen bereits mit zwölf Wochen geschlachtet wird.

In der biologischen Systematik der Vögel sind Gänse eine Unterfamilie der Entenvögel. Dazu gehören die Schwäne, die Hühnergänse und eben die echten Gänse mit 16 Arten, wie zum Beispiel die Graugans, die Schneegans oder die Kanadagans.

Der natürliche Lebensraum der Gänse sind saftige Weiden mit angrenzenden Gewässern. Der ständige Zugang zu Wasser ist für die Tiere enorm wichtig, da sie im dichten Schilf ihre Nester bauen und brüten. Den Großteil ihres Lebens verbringen die Gänse mit der Nahrungssuche, ihr bevorzugtes Futter sind Gras, Kräuter, Wurzeln oder Beeren – sie ernähren sich also völlig vegan. ;-)

Naht der Winter, kehren Gänse den kalten Regionen den Rücken und legen tausende Kilometer zurück, um in wärmeren Gefilden zu überwintern.

Gänsefamilie

Familytime – eine Wildgansfamilie (Foto: pxhere, CC0)

Treu – ein Leben lang

Wildgänse zeichnen sich durch ein stark ausgeprägtes Sozialleben aus. Im Alter von eineinhalb Jahren wählen sie einen Partner, mit dem sie ihr restliches Leben verbringen. Stirbt einer der beiden, bleibt der andere oft sein restliches Leben lang alleine. Studien der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Oberösterreich zeigten, dass sich sogar der Herzschlag der Gänse erhöht, wenn sich der Partner in der Nähe befindet.

Im Alter von zwei Jahren werden die Tiere geschlechtsreif, oft zeugen sie aber erst mit drei bis vier Jahren das erste Mal Nachkommen. Das Weibchen brütet das Ei 30 Tage lang aus, während das Männchen das Nest bewacht. Schlüpft das Junge, so wird es sofort auf seine Elterntiere geprägt und folgt ihnen überall hin. Dieser Prägungsvorgang ist irreversibel und richtet sich auf das, was die Küken als erstes zu Gesicht bekommen, dieser Mechanismus funktioniert auch mit Menschen oder Attrappen. Die Prägung ist für die Gänse entscheidend für das Überleben, da die Tiere ausgesprochene Nestflüchter sind. Das Küken folgt den Eltern bereits an seinem ersten Lebenstag auf die Weide. Jung- und Elterntiere bleiben ein ganzes Jahr beisammen. Sie ziehen im Herbst gemeinsam gen Süden, um dann im Frühling wieder zusammen zum – wenn möglich –  ehemaligen Nest zurückzukehren.

Fliegende Gänse

Hoch hinaus… (Foto: pxhere, CC0)

Wahre Flugkünstler

Eine Schar Gänse im Flug erkennt man leicht an der für sie typischen V-Formation. Diese Flugformation hat einen faszinierenden Grund: Die Gänse an der Spitze verringern für die Gänse hinter ihnen den Luftwiderstand, die langen Reisen in den Süden sind so für die Tiere erheblich leichter zu meistern. Die hinteren Gänse unterstützen ihre Artgenossen mit Zurufen, nach einer gewissen Zeit wechseln die Gänse an der Spitze dann in den hinteren Teil der Formation, um sich zu erholen.

 

Gänse sind hochsoziale Lebewesen, denen ein enger Familienzusammenhalt, besonders mit dem erwählten Lebenspartner, sehr wichtig ist. In einer Schar Gänse weiß jede Gans ganz genau, wer die anderen sind und mit welchen Tieren sie verwandt ist.

Es sind faszinierende Tiere, die einen durch ihre stark ausgeprägten sozialen Fähigkeiten in Staunen versetzen und denen man, beobachtet man ihren Flug am Himmel, nur ein Leben in Freiheit wünschen kann.

Ein Artikel von Isabel