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Der 1. November ist Weltvegantag

DonaldWatsonHeute wird rund um den Globus der Weltvegantag gefeiert. Grund genug, um einen Blick auf die Geschichte zu werfen und die Hintergründe dieses besonderen Tages zu beleuchten.

Es war der 1. November 1944 als sich der Brite Donald Watson mit seiner Frau und ein paar Gleichgesinnten traf, um über Alternativen zur lakto-vegetarischen Ernährung zu diskutieren, die sie strikt ablehnten. Obwohl damals die milchproduktfreie vegetarische Kost mehr und mehr Anhänger fand, waren sie die ersten, die eine neue Bewegung gründeten. Da das Wort „Vegetarismus“ ihrer Lebensweise ohne Milchprodukte nicht entsprach, suchten sie nach einer neuen Bezeichnung. Vorschläge wie dairyban, vitan oder benevore wurden verworfen. Schlussendlich einigten sie sich auf den Begriff „vegan“, der die ersten drei und letzten zwei Buchstaben des englischen „vegetarian“ zusammenzog. So wurde die „Vegan Society“ ins Leben gerufen – die heute älteste vegane Organisation weltweit. Sie setzt sich, ganz im Sinne des Gründers Donald Watson, für eine Welt ein, in der Menschen keine nichtmenschlichen Wesen ausbeuten und möchte Veganismus einer breiten Masse zugänglich machen.

Watson selbst, der im stolzen Alter von 95 Jahren 2005 verstarb, war bis zuletzt überzeugter Veganer. Drei Jahre vor seinem Tod, meinte er in einem Interview: „We don’t know the spiritual advancements that long term veganism–I mean not over years or even decades, but over generations–would have on human life. It would be certainly a different civilization; and the first one in the whole of our history that would truly deserve the title of being a civilisation.“

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Vegan Society, wurde im Jahr 1994 erstmals der „Weltvegantag“ (englisch: World Vegan Day) ausgerufen. Bis heute wird am 1. November international mit verschiedenen Aktionen und Feierlichkeiten auf die vegane Lebensweise aufmerksam gemacht. Heuer jährt sich der Tag der Gründung der Vegan Society zum 70. Mal – man spricht daher liebevoll vom 70. „veganniversary“.

Ach übrigens: Wenn ihr eurem Gegenüber einmal anschaulich erklären möchtet, dass die vegan-vegetarische Bewegung keineswegs ein – wie in so vielen Medien propagiert – neuer Trend ist: Der erste eingetragene Vegetarierverein wurde 1847 in Manchester mit dem Namen „The English Vegetarian Society“ gegründet. (Nur zum Vergleich: Alexander Graham Bell wurde im selben Jahr geboren und seine spätere Erfindung das Telefon gilt ja mittlerweile nicht mehr ganz als neuer Trend… ;-)

Auch der Boom an veganen Kochbüchern hat bereits im 19. Jahrhundert begonnen: Im Jahr 1849 wurde mit „Kitchen Philosophy for Vegetarians“ das de facto erste vegane Kochbuch publiziert. Es sollte aber fast 100 Jahre dauern bis das Wort „vegan“ in einem Titel verwendet wurde, nämlich in „Vegan Recipes“ von Fay K. Henderson 1946.

Und auch in Österreich hat Vegetarismus Tradition. In Wien wurde vor mehr als 135 Jahren, nämlich exakt 1877, das erste vegetarische Speiselokal im deutschsprachigen Raum eröffnet und zwar im noblen ersten Bezirk in der Wallnerstraße. Dort befand sich dann auch der Sitz des im selben Jahr gegründeten „Wiener Vegetarier-Vereins“.

Wollen wir hoffen, dass es in 100 Jahren gar nicht mehr notwendig sein wird, einen Weltvegantag zu feiern, weil an jedem einzelnen Tag ein gleichberechtigtes Miteinander aller Lebewesen gelebt wird.

In diesem Sinne: Einen schönen Weltvegantag!  :-D

Quellen:
Vegan Society: www.vegansociety.com
Weltvegantag: www.weltvegantag.de
Breuss, Susanne 2007.08.18.(Online 08.17.) Fleischlos in eine bessere Welt – Ausstellung „Im Wirtshaus. Eine Geschichte der Wiener Geselligkeit“ im Wien Museum am Karlsplatz. Wiener Zeitung.
Bartolf, Christian (1996): Die erste Stufe. Tolstoi, Gandhi und die Ethik der vegetarischen Ernährung. Berlin: Gandhi-Informations-Zentrum.

(mp)

Ein Artikel von Monika