Das Leiden der Martinigänse

Jedes Jahr im November steigt der Verzehr von Gänsefleisch sprunghaft an. Grund dafür ist natürlich das traditionelle Martinigansl, das sich viele ÖsterreicherInnen alljährlich rund um den 11. November schmecken lassen. Wer sich der Realität nicht verschließt und erfährt, mit wieviel Leid und Schmerz dieses Gericht verbunden ist, dem wird der Appetit wahrscheinlich vergehen.

© Gisela Peter, pixelio.de

Gänse sind hochintelligente und sehr soziale Tiere. In freier Wildbahn können sie bis zu 25 Jahre alt werden und verbringen ihr Leben mit einem Partner in einer monogamen Beziehung. Das Leben einer Martinigans sieht freilich gänzlich anders aus. In Österreich müssen Mastgänse in Freilandhaltung und mit “Bademöglichkeit” gehalten werden, das schlägt natürlich im Preis zu Buche. Kostet eine Gans aus österreichischer (Bio-)Weidehaltung pro Kilo rund 10-15 Euro, so steht der Kilopreis bei den Tieren aus Käfighaltung aus dem Ausland bei rund vier bis fünf Euro.

Mehr als drei Viertel (!) der in Österreich verspeisten Gänse stammt aus Käfighaltung oder intensiver Bodenhaltung – meist aus Ungarn, Polen oder Frankreich. Auslauf ist ein Fremdwort bei dieser Art der Haltung, Wasserzugang gibt es keinen. Für Wasservögel eine besondere Qual. Die Käfige müssen nicht ausgemistet werden, da die Fäkalien durch die Gitterdrähte fallen. Aber genau diese Drähte fügen den Tieren schmerzhafte Wunden an den Füßen zu. Und durch die Enge des Käfigs kommt es regelmäßig auch zu anderen Verletzungen wie Flügelbrüchen. Damit nicht genug: Viele Martinigänse müssen zudem für die Daunenproduktion herhalten oder aber sie werden für die Produktion von Stopfleber missbraucht.

© Cornerstone, pixelio.deStopfleber und Daunenproduktion

Bei der Herstellung der sogenannten “Foie gras” (übersetzt Fettleber – richtigerweise müsste man sagen krankhafte Fettleber) müssen die Gänse bis zu fünf Mal täglich eine Tortur über sich ergehen lassen: Ein Schlauch oder Rohr wird ihnen in den Schlund gestoßen und rund ein Kilo Futterbrei in den Magen gepresst.  Dabei kommt es nicht selten zu Verletzungen der Speiseröhre. Zudem kann es passieren, dass durch die Zwangsfütterung der Magen platzt. Durch diese Überfütterung vergrößert sich die Leber der Tiere rasant, bei der Schlachtung beträgt ihr Gewicht um das zehn- bis zwölffache des Organs einer gesunden Gans. Am Ende ihres Lebens sind die Tiere aufgrund der krankhaft vergrößerten Leber kaum mehr in der Lage richtig zu atmen, etliche Gänse überleben die Torturen nicht und sterben schon vor dem Erreichen des Schlachthofes. Weitere Details dazu findet ihr auf www.peta.de. Wegen der Grausamkeit ist das Zwangsstopfen von Vögeln aus Tierschutzgründen bereits in allen europäischen Ländern verboten – mit Ausnahme von Frankreich, Ungarn, Bulgarien, Spanien und Belgien. Der Import der Gänseleber in alle anderen Länder kann aber leider nicht unterbunden werden.

Den Tieren blüht während der Mast aber oft noch ein anderes Martyrium: Um ein Maximum an Daunen zu erhalten, werden die Gänse mehrmals bei lebendigem Leib gerupft, das heißt ihr Federkleid wird ihnen entweder von Hand oder auch maschinell ausgerissen. Dabei entstehende Wunden werden anschließend ohne Betäubung notdürftig genäht. (Lest dazu auch unsere Info “Daunen”.)

Verzicht ist nicht nötig!

Das jährliche Martinigansl-Essen hat für viele Tradition. Wer darauf auch weiterhin nicht verzichten mag, dabei aber nicht solch immenses Tierleid unterstützen möchte, dem sei etwa das vegane Martinigansl im Wirtshaus Schillinger empfohlen. Ab 7. November kann man hier mit gutem Gewissen sein “Gansl” (aus Sojabohnen) ganz klassisch mit Rotkraut und Erdäpfelknödel genießen. Ihr solltet aber unbedingt einen Tisch reservieren, da der Schillinger rund um Martini immer schnell ausgebucht ist. Übrigens: Mit der animal.fair Card erhaltet ihr im Gasthaus 5% Rabatt.

Und wer selber die “Gans” ins Rohr schieben möchte, findet die Zutaten dafür in den veganen Supermärkten Maran Vegan und Veganz (5% Rabatt mit der animal.fair Card) sowie in der Snackbar Formosa (5% Rabatt mit der animal.fair Card).

 

Schillinger
2002 Großmugl: Hauptstraße 46 (tel. 02268 6672) offen: Di, Mi, Fr, Sa 9-1h, Do 16-1h, So 11-1h
http://www.schillinger.co

(if)

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Ein Artikel von Petra

2 Kommentare

  • Kathrin Incognito sagt:

    Bitte abschaffen sofort!

  • HEINZ PIEHLER sagt:

    Aberglaube abschaffen. Finsteres Mittelalter.