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Berittene Polizei – Tierleid im Regierungsprogramm

In Wien soll ab dem nächsten Jahr eine berittene Polizeistaffel ihren Dienst versehen, so wünscht es sich der neue Innenminister. Der Tierschutz bleibt beim Einsatz von Pferden im Polizeidienst klar auf der Strecke. Dennoch scheint das entsprechende Konzept demnächst abgesegnet zu werden.

Die Stadt ist kein geeigneter Lebensraum für Pferde (Foto: Pixabay, 12019)

Tierfreundlich nur wenn’s passt

Ein Mitarbeiter des Innenministeriums kündigte die Ausbildung der ersten Tiere und den anschließenden Testbetrieb bereits für Frühjahr 2019 an. Insgesamt sind 24 Pferde für Wien geplant, als mögliche Standorte werden Prater oder Lobau genannt. Von dort wären die Reiter schnell in der Innenstadt, wo sie z.B. bei Demos eingesetzt werden sollen.

Interessant ist die Tatsache, dass sich die FPÖ, wenn es um die Fiaker geht, für Verbesserungen einsetzt und als Tierschutzpartei darstellt. Und nun sollen weitere Pferde bald für den Polizeidienst in der Stadt zur Verfügung stehen. Wie passt das zusammen, Herr Innenminister?

Die natürliche Reaktion von Pferden auf Gefahr ist Flucht (Foto: Pixabay, skeeze)

Tierschutzwidrige Ausbildung

Die Ausbildung dauert pro Tier mindestens ein Jahr. Dabei werden die Pferde, wie später im Einsatz, mit Situationen konfrontiert, die ihrem natürlichen Verhalten widersprechen. Pferde sind Fluchttiere, die instinktiv weglaufen, wenn sie sich erschrecken bzw. eine Gefahr für sich erkennen. Im Training sollen die Tiere an akustische, optische und Berührungsreize gewöhnt werden. Gearbeitet wird unter anderem mit Fahnen, Lärm durch Trommeln und Tennisbällen, die auf die Pferde geworfen werden, um sie auf Angriffe vorzubereiten. Die Dosis wird kontinuierlich gesteigert, bis hin zum Springen über brennende Hindernisse und Einsatz von explodierenden Feuerwerkskörpern. Die Ausbildung in Richtung Polizeieinsatz widersprecht somit ohne Zweifel einer artgerechten Behandlung der Tiere, da der natürliche Fluchtinstinkt in diesen Situationen zwangsläufig unterdrückt werden muss.

Eine große Belastung fürs Budget (Foto: Pixabay, stevepb)

Kostenfaktor

Die Kosten für die berittene Polizei würden ein größerer Posten im Budget: Interne Schätzungen des Ministeriums rechnen mit etwa 10.000 Euro pro Tier für die Anschaffung, für die tägliche Versorgung pro Pferd noch einmal mit 30 bis 40 Euro. Die geplanten 24 Pferde kämen daher alleine auf rund 350.000 Euro jährlich – Gehälter und Ausrüstung der reitenden Beamten und des Stallpersonals sind hier noch nicht berücksichtigt.

Vergleiche mit den Reiterstaffeln in Deutschland zeigen, dass die geschätzten Beträge sogar nur eine untere Kostengrenze darstellen. In Hamburg kosten acht Pferde mit zehn Reitern rund 200.000 Euro pro Jahr. Die Wiener Polizeipferde könnten somit bis zu einer halben Million pro Jahr an Budgetmitteln benötigen. Dazu kommt noch die Anschaffung von Transportern, Sätteln und sonstigem Zubehör sowie die Einstallungskosten.

Fahrradpolizisten machen ihre Ausbildung im Gegensatz zu Pferden freiwillig (Foto: Pixabay, skeeze)

Drahtesel statt Pferd

Durch die Beschädigung der Straßenbeläge in der Stadt entstehen weitere Kosten. Rund 750.000 Euro jährlich werden schon jetzt im ersten Bezirk für Straßenschäden durch die Fiaker ausgegeben. Der Bezirksvorsteher der Inneren Stadt schlägt daher vor, die Reiterstaffel zumindest nur auf Grünflächen einzusetzen, beispielsweise Donauinsel und Pratergebiet. Noch nicht weit genug geht das der Polizei-Gewerkschaft, die für den Einsatz in Grüngebieten Fahrradpolizisten bevorzugt, die in ebendiesen Gebieten von Wien sowieso schon unterwegs sind. Die Fahrradpolizei arbeitet genauso gut und mit deutlich weniger Kostenaufwand. Für die Ausbildung können sich die Beamten, im Gegensatz zu den Pferden, freiwillig melden.

Bei solchen Menschenmengen sollen wirklich Pferde eingesetzt werden? (Foto: Pixabay, fsHH)

Risiko für Mensch und Tier

Beim Einsatz von Pferden bei Demonstrationen und Fußballspielen sind sowohl die Menschen als auch die Tiere Verletzungsrisiken ausgesetzt. Menschenmassen, Lärm, vielleicht auch noch Böller oder bengalische Feuer verursachen Stress für die Tiere. Auch wenn die Pferde alle Erfordernisse der Ausbildung erfüllen, kann im Einsatz nicht ausgeschlossen werden, dass sie in einer brenzligen Situation außer Kontrolle geraten und Menschen niederrennen. Das Verletzungsrisiko für Menschen ist in einer solchen Situation durch die beschlagenen Hufe und Größe bzw. Gewicht der Tiere sehr hoch wie Beispiele aus anderen Städten immer wieder zeigen. In Hamburg gab es vor drei Jahren den Fall, dass ein unbeteiligter Zuseher an einer Demonstration von einem erschrockenen Polizeipferd ins Gesicht getreten wurde.

 

Tiere würdevoll behandeln und ihren Schutz verbessern
Der naturnahe, respektvolle Umgang mit unseren Tieren muss Leitbild für eine nachhaltige Tierschutzpolitik sein. Der Tierschutz soll daher auf der Grundlage der Erkenntnisse der Forschung und Wissenschaft permanent weiterentwickelt werden. Ziel muss es sein, den Tierschutz als integralen Bestandteil in allen Gesellschafts- und Wirtschaftsbereichen mit zu berücksichtigen.

(Regierungsprogramm 2017-2022)

Fazit

Tierschutz bedeutet Bedingungen wie Haltung, Beschäftigung und wenn nötig Arbeitseinsatz bestmöglich an den Bedürfnissen der jeweiligen Tierart auszurichten – was hier auf keinen Fall gegeben ist. Wenn sich der Innenminister mit seiner Forderung durchsetzt, bleibt Tierschutz nichts als ein leeres Schlagwort im Regierungsprogramm.

 

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Ein Artikel von Sabrina