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Antibiotika im Stall – das gefährliche Spiel mit unserer Gesundheit

In der heutigen Massentierhaltung sind hohe Antibiotikagaben – oft auch aus rein prophylaktischen Gründen – die Norm. Diese Praxis ist mehr als bedenklich und birgt eine Vielzahl an Risiken für Mensch und Tier.
© Nico Lubaczowski, pixelio.de

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Antibiotika in der Massentierhaltung

Die konventionelle Massentierhaltung ist ohne die Gabe von Antibiotika kaum mehr vorstellbar. Gründe dafür gibt es viele: Die völlig überzüchteten Tiere, seien es nun Schweine, Hühner oder Rinder, sind anfälliger für Krankheiten und die mehr als schlechten Haltungsbedingungen, in denen die Tiere zusammengepfercht und oft unter unwürdigen hygienischen Umständen ihr Dasein fristen müssen, tun ihr übriges für die Verbreitung von gefährlichen Keimen. Wie ein Gänse- oder Schweineleben dank Massentierhaltung aussieht, könnt ihr auch hierund hier nachlesen.

Wird ein Tier krank, wird manchmal gleich der ganze Stall mit Antibiotika behandelt – Umsatzeinbußen sollen ja unter allen Umständen vermieden werden! Aber Krankheiten sind nicht der einzige Grund für die Gabe von Medikamenten. Oft dienen sie den Betreibern nur als Vorwand, denn Antibiotika haben einen profitablen Nebeneffekt: Die Tiere legen durch die Medikamente schneller an Gewicht zu, die Mastzeit kann also verkürzt werden und Futterkosten werden obendrein noch eingespart. Offiziell ist dies in der EU seit 2006 verboten, dennoch ist der Umsatz bei Antibiotika steigend. 2005 wurden in Deutschland 800 Tonnen Antibiotika in der Intensivtierhaltung eingesetzt, 2014 sage und schreibe 1.600 Tonnen! Die meisten Tierärzte verschrieben die Medikamente nur allzu gern, da sie damit einen Großteil ihres Gewinns machen (siehe hierzu peta.de). Laut dem Bundesministerium für Gesundheit werden in Österreich jährlich ca. 45 Tonnen Antibiotika in der Humanmedizin eingesetzt, bei der Massentierhaltung waren es im Jahr 2010 stolze 62 Tonnen. Besonders hoch ist der Einsatz von Antibiotika bei Geflügel, die meisten Tiere bekommen mehr als ihr halbes (kurzes!) Leben lang Medikamente. Zusätzlich zu Antibiotika bekommen Tiere aber auch Tranquilizer verabreicht, um sie zu beruhigen und so die katastrophalen Haltungsbedingungen auszugleichen. Besonders betroffen ist hiervon die Schweinemast.

Gefahren für den Menschen

© Sebastian Karkus, pixelio.de

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Die hohen Antibiotikagaben sind aber nicht nur für die Tiere problematisch, sondern bergen auch für den Menschen enorme Risiken. Grund dafür sind resistente Keime, die sich bei einer so konstanten Verabreichung von Antibiotika bilden können. Die Folge: Einfache Infekte sind nicht mehr problemlos mit Antibiotika behandelbar, die Medikamente sind wirkungslos. Die bekanntesten resistenten Keime sind ESBL und MRSA, in Österreich wurden 2012 bei einer Studie zu Hühnchen von GLOBAL2000 in sechs von sieben untersuchten Proben beide Keime gefunden. In Deutschland sind bereits 6,4 Millionen Menschen Träger von resistenten Keimen, jährlich gibt es 7.000 Tote aufgrund einer MRSA-Resistenz, in ganz Europa sind 25.000 Todesopfer jährlich  zu beklagen (siehe hierzu peta.de).

Wer jetzt aber denkt durch den Verzicht auf Fleisch, nicht mit resistenten Keimen in Kontakt zu kommen, irrt. Dadurch dass mit den Ausscheidungen der Tiere Felder gedüngt werden, kommen die Keime mittlerweile auch im Gemüse vor, doch schon auch nur über die Stallluft können sie sich verbreiten.

Gibt es eine Lösung?

Ein erster wichtiger Schritt wäre eine drastische Senkung der Antibiotikagaben. Dass dies möglich ist, beweisen Länder wie Holland und Dänemark, wo es für Betriebe bei einem übermäßigen Antibiotikaeinsatz empfindliche Strafen gibt. Durch eine Verbesserung der Hygienebedingungen und das Zurückgreifen auf pflanzliche Zusatzstoffe in der Mast ist eine Verringerung der Medikamentengabe möglich, zum Wohle von Mensch und Tier. Und selbstverständlich würde der Umstieg auf kontrolliert biologische Tierhaltung mit größtmöglicher Bewegungsfreiheit und Weidehaltung den Einsatz von Antiobiotika drastisch reduziert. Eine vegetarisch-vegan Lebensweise verringert überhaupt den Absatz von Fleisch und tut damit ihr übriges.

Tipp

Mehr Infos zum Thema resistente Keime gibt es in der ARTE-Dokumentation Killer-Keime – Gefahr aus dem Tierstall.

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Ein Artikel von Isabel