Ob du Pizza bestellst, dir einen Softdrink oder ein belegtes Brot gönnst, oder eine langersehnte Lieferung in Empfang nimmst – der eigentliche Inhalt ist verpackt. Welche Verpackung ist umweltfreundlicher – Karton und Papier, Glas oder Bio-Kunststoff? Und wie wäre es mit einer müllfreien Variante?
Verpackungsmaterial_flickr_Brad-Smith_CC BY-NC-ND 2.0_crop

Karton und Papier

SONY DSC

Kartonagen, © Karl-Heinz Laube/ pixelio.de

Leicht, formbar und nachwachsend: So entstehen aus dem Grundstoff „Baum“ Verpackungsmaterial, Briefkuverts, Papiertüten, Geschenkpapier und anderes. Laut einer Studie des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) belasten Kartonverpackungen die Umwelt um bis zu 60 Prozent weniger als Dosen- oder Glasverpackungen (hinsichtlich des Einsatzes von nicht erneuerbaren Rohstoffen wie Erdöl und Metallen sowie beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2)). Wer recycelt tut der Umwelt Gutes, denn der Energie- und Wasserbedarf zur Papierherstellung aus Altpapier ist zwei bis sechsmal niedriger als für die Papierherstellung aus Holz. Die ARA (Altstoff Recycling Austria) sammelt jährlich mehr als 340.000 Tonnen Papierverpackungen. Gemäß ARA können Altpapierfasern bis zu sechsmal recycelt werden. In Österreich wird ein hoher Teil der Papier-, Karton-, Papp- und Wellpappverpackungen aus Altpapier hergestellt. Der Großteil des Altpapiers wird jedoch aus den Nachbarländern importiert.

Alternative: Verpackungen vermeiden oder weiterverwenden, Mehrweg-Alternativen wählen und Lieblings-Pizzaboten,  -Bäckereien und -Paketdiensten vorschlagen, müllfreie Alternativen anzubieten!

Glas

Glasflaschen_web_R_B_by_Bobby M_pixelio.de

Glasflaschen © Bobby M./ pixelio.de

Glas besteht aus Quarzsand, Soda, Kalk, Dolomit und Feldspat und ist somit ein natürlicher Werkstoff. Es kann beliebig oft und ohne Qualitätsverluste wieder eingeschmolzen werden. Glasrecycling hat im Vergleich zu Mehrwegalternativen  jedoch keinen Umweltnutzen, da recyceltes Glas bei Temperaturen von bis zu 1580 Grad wieder eingeschmolzen werden muss. Grünglas kann zu 100 Prozent aus Altglas hergestellt werden, Weiß- und Braunglas benötigen 30–40 % Primärmaterial. Das Einschmelzen von Altglas verursacht um ein Viertel weniger Energieaufwand als die Neuproduktion. Eine internationale Nachhaltigkeitsstudie von Pricewaterhouse Coopers (PwC) hat ergeben, dass die Ökobilanz von PET-Flaschen sowohl in der Mehr- als auch in der Einwegvariante besser als jene von Glas ist.

Alternativen: Ob Plastik oder Glas – Mehrweg führt zu Abfallvermeidung. Die eigene Trinkflasche lässt sich mit wunderbaren Geschmäckern füllen.

Biologisch abbaubare Verpackungen

PLA-Becher_wikipedia_c-Ildar Sagdejev, Specious_cropped

PLA-Becher © Ildar Sagdejev, Spedious/ wikipedia.de

„Bio-Kunststoff“ zersetzt sich auf natürliche Weise und besteht meistens aus nachwachsenden Rohstoffen. Es handelt sich um stärke- oder zellulosebasierte Kunststoffe, Polyamide (PLA) oder Polyhydroxyalkanoate (PHA). Es gibt allerdings auch fossile biologisch abbaubare Kunststoffe wie z.B. Copolyester.

Der Grundstoff für PLA ist Milchsäure, die aus pflanzlichen Agrarprodukten, wie z.B. Mais, Zuckerrüben, und aus Ernterückstände wie z. B. Mais- oder Weizenstroh, gewonnen wird. Der Grundstoff von PHA kann Protein, Zellulose, Stärke, Chitin oder Nukleinsäure sein. PHA sind Biopolymere, die in den Zellen eines Lebewesens (z. B.  Bakteriums) entstehen.

Das Umweltbundesamt hat in einer ausgedehnten Studie die Umweltauswirkungen von biologischem Kunststoff geprüft. Die verschiedenen Anwendungsformen (Becher, Folien, Müllsäcke, Tragetaschen u.a.) und Materialien (PLA, PHA, Bio-PE) kommen auf ähnliche Ergebnisse: Die biologisch abbaubare Variante hat geringere Umweltauswirkungen auf den Klimawandel, den fossilen Ressourcenverbrauch und Sommersmog, jedoch ein höheres Versauerungspotential der Böden, Anreicherung des Bodens und Wassers mit Nährstoffen und eine höhere Feinstaubentwicklung. Biologisch abbaubare Verpackungen kommen großteils ohne Erdöl aus, haben dennoch negative Auswirkungen auf die Umwelt.

Alternativen: Überlegen, ob eine Verpackung wirklich notwendig ist; wenn ja, zu Mehrweglösungen greifen.

Es geht auch anders – PionierInnen der „Zero Waste“-Szene

In früheren Tagen wurden Gefäße und Flaschen aus Ton gefertigt. Schon in der Antike nutzten die Menschen Flaschen zum Transport. Sie kamen aber nicht auf die Idee, diese zu zertrümmern, nachdem ihr Inhalt geleert war… Die Groß- oder Urgroßeltern haben es auch noch erlebt: den sparsamen Umgang mit Ressourcen. Es ist ein Phänomen der jüngsten Konsumgesellschaft, Verpackungen für den Einmalgebrauch zu verwenden. Nur weil man es kann, und es praktisch ist, heißt es nicht, dass es gut und sinnvoll ist.

Nicht nur bei den KonsumentInnen, auch bei den AnbieterInnen kommt es zu einem Umdenken. Drei PionierInnen der sogenannten Zero Waste-Philosophie stellen wir euch hier vor:

Holis_Mehrweg_300

Abfüllsystem © Holis Market

In Lunzers Maßgreißlerei in Wien gibt es ausschließlich verpackungsfreie Lebensmittel. Maximal ein Papiersackerl gibt’s, sollte ein Kunde oder eine Kundin einmal kein passendes Gefäß dabei haben. Den Kaffee gibt’s „to stay“ – eine wundervolle müllfreie Alternative.

Holis Market ist ein verpackungsfreier Bio-Supermarkt in Linz – inklusive Imbiss. Holis Market steht für Genuss, Müllfreiheit und fairen Handel – in ganzheitlicher, holistischer Betrachtung.

Wenn ihr z.B. nicht auf den Lieferservice verzichten könnt oder wollt, lasst es von Rita bringen: Bei Rita bringt’s werden 100% biologische und saisonale Zutaten vorwiegend aus der Region verwendet. Die Verpackung besteht aus Recyclingpapier bzw. biologisch abbaubaren Materialien – ausgeliefert wird ausschließlich per Lastenfahrrad. Hier wird rundum mitgedacht.

Diskutiere mit

Fassen wir zusammen: Dem Verpackungswahnsinn können wir entgegenwirken, indem wir ohne Verpackung einkaufen. Wenn Müll unvermeidbar ist, dann sollte er unbedingt recycelt werden.

Wie hältst du es mit Verpackungen? Welchen Hürden stehst du gegenüber bei dem Versuch Verpackungen zu reduzieren? Wie können wir als Gesellschaft dem „Verpackungswahn“ entgegenwirken? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

Ein Artikel von Stefanie