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Gemüse des Monats: Fenchel

Foto Jochen Russmann

Der Fenchel ist ein Allroundtalent – und an Vielseitigkeit kaum zu überbieten. Er ist Heilpflanze, Gemüse und Gewürz in einem.

Fenchel, Foto: Jochen Russmann

Früh erkannte Wirkungen

Eine hohe Bekanntheit hat der Doldenblütler durch seine Funktion als Tee gegen Magenbeschwerden und Reizungen im Verdauungstrakt erlangt. Nahezu jeder hat das eine oder andere Tässchen Tee in seinem Leben deswegen schon genießen müssen oder dürfen.

Schon in grauer Vorzeit war dieser günstige Einfluss von Fenchel auf die Gesundheit bekannt. Bereits die Römer in der Antike wie auch die alten Ägypter wussten um die positive Wirkung von Fenchel auf den Verdauungsapparat. Für die Behandlung von Depressionen verwendete ihn Hildegard von Bingen. Stillenden Frauen wird Fencheltee zur Anregung und Förderung der Milchproduktion empfohlen. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde einer frisch gebackenen Mama Fencheltee geschenkt.

Zudem ist Fenchel reich an Calcium, Magnesium, Kalium und Vitamin C. Er kann zu einer der ältesten bekannten Heilpflanzen gezählt werden.

Fenchels Ursprung liegt im Mittelmeerraum und Vorderasien. Durch die Klosterkultur kam er als Heilpflanze ungefähr im 9. Jahrhundert nach Mitteleuropa. Als Gemüsepflanze nutzte man ihn erst ab dem 17. Jahrhundert.

So lebt er

Der Fenchel liebt es lehmig und sonnig. Große Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht verträgt er gar nicht gut. Fenchel ist in der Zeit von Juni bis September frisch im Handel erhältlich. Heute wird er in ganz Europa, Asien, Afrika und Südamerika angebaut. Die geerntete Knolle lagert man am besten nicht im Kühlschrank, denn dann beginnt sie, holzig zu werden und trocknet aus.

Wie schmeckt Fenchel?

Die Fenchelknolle schmeckt süßlich, ähnlich wie Anis oder Lakritz. An diesem Geschmack scheiden sich die Geister – entweder man liebt oder hasst ihn. Das sehr intensiven Aroma verdankt er  dem hohen Anteil an ätherischen Ölen im Inneren der Frucht.

Der Fenchel in der Küche

Man kann ihn roh im Salat, mariniert als Vorspeise oder als Brotbelag essen. Fenchel harmoniert großartig mit säuerlichem Obst wie Orangen oder Äpfel. Besonders gut macht er sich in indischen Gerichten. Der sehr intensive Anisgeschmack verlangt eine hauchdünne Verarbeitung. Zusätzlich werden kaum Gewürze benötigt.

Rezept: Sommerliche Miniquiche

Sommerliche Miniquiche, Foto: Jochen Russmann

für 4 Personen an einem lauen Sommerabend

  • 2 Packungen Blätterteig
  • 1 große Fenchelknolle
  • 1 große Karotte
  • 1 roter Zwiebel
  • 3 Knoblauchzehen
  • 200 ml Sojacuisine
  • 1 Bund frische Petersilie
  • Saft einer Limette
  • 6 Cocktailtomaten
  • Kräutersalz
  • Bratöl oder vegane Butter

Fenchel, Zwiebel und Karotte in kleine Würfel schneiden. Öl oder vegane Butter in einer Pfanne erhitzen und darin das kleingeschnittenes Gemüse weichdünsten. Knoblauchzehen pressen und unterrühren. Das Gemüse mit Sojacuisine und Limettensaft ablöschen und kurz köcheln lassen. Die Gemüsemasse mit Kräutersalz abschmecken und kleingehackte Petersilie untermischen.

Blätterteig in 12 gleich große Rechtecke teilen. Muffinformen mit veganer Butter einfetten und mit dem Blätterteig auskleiden. Ausgekühlte Gemüsemasse einfüllen und mit einer halbierten Cocktailtomate belegen.

Die Miniquiches bei 200° für gut 25 Minuten backen.

Die Quiches können warm oder kalt genossen werden und schmecken mit einem Kräuterdip aus Sojajoghurt gleich nochmals so gut.

Artikel und Rezept: Michaela Russmann, Fotos: Jochen Russmann

 

Jeden Monat stellt die Kochbuch-Autorin und Gesundheitssoziologin Michaela Russmann exklusiv für animal.fair eine Gemüse-, Getreide- oder Obstsorte vor. Und zwar eine, die gerade Erntezeit hat. Unser besonderes Augenmerk liegt dabei auf seltenen, alten, teils vergessenen Sortenraritäten. Ja, es gibt sie meist nicht im Supermarkt um die Ecke. Aber darum geht es: Der Garten von Mutter Erde hält soviel mehr an Vielfalt bereit als die wenigen, hochgezüchteten, oft auch noch importierten Sorten, die es weiträumig zu kaufen gibt. Wir glauben, dass der Pflanzenanbau der Zukunft sich wegbewegen muss vom Monokultur-Anbau weniger Allerwelts-Sorten hin zur biologischen Anbauweise vieler, regional unterschiedlicher Sorten. Und wir glauben, dass zu einer ausgewogenen, abwechslungsreichen und spannenden pflanzlichen Ernährung diese vielfältigen Pflanzenarten dazu gehören. Deshalb möchten wir sie Euch mit dieser Serie nahe bringen, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Bezugsquellen: Michaela Russmann verwendet meist Obst und Gemüse, das saisonal auch in ihrer Wirkungsstätte, der BioWerkstatt, erhältlich ist. Die Sortenraritäten gibt es in manchen Bioläden, auf Bauernmärkten und vor allem bei den Kooperationspartnern des Vereins Arche Noah (der sich um den Erhalt der Sortenraritäten kümmert). Die einzelnen Kooperationspartner sind auf der Arche-Homepage aufgelistet, hier kann man sich einen Anbieter aus der eigenen Region suchen.

Michaela Russmann liebt es zu kochen und hält insbesondere zum Thema Rohkostküche Workshops und Seminare ab, Infos unter: www.rohgenuss.at

Viele weitere ihrer Kochideen findet Ihr in dem Buch:

„…aber vegan“, Verlag Russmann & Sohn, ISBN: 978-3-9503565-3-3

Ein Artikel von Ruth