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Rinderwahnsinn!? Ein Besuch auf dem Klosterhof

Glückliche Rinder, die Tag und Nacht das Leben auf der Weide genießen, nicht enthornt und auch nicht für die Milch – und Fleischproduktion genutzt werden: Das, was wie eine Utopie klingt, wurde von einem nieder-österreichischen Bio Bauern in Gföhl /Rastenfeld verwirklicht. Da wir das Projekt „Rinderwahnsinn“ ganz und gar nicht wahnsinnig finden, weil es eine gute Ausstiegsmöglichkeit aus dem bestehenden System der Fleischindustrie aufzeigt, haben wir den Hof für euch besucht. In dem heutigen Artikel erfahrt ihr mehr über das bemerkenswerte Projekt.

Hubert mit einem seiner Rinder

Hubert mit einem seiner Rinder

Wie alles begann

Alles fing damit an, dass Steffi eine Unterkunft für die von ihr, vor der Schlachtung geretteten Schweine suchte. Nach zahlreichen Absagen meldete sich der, zur gleichen Zeit ins Grübeln geratene Hubert und bot ihr seine Hilfe an. Von da an ging alles sehr schnell, der Bio Bauer beschließt, seine geliebten Rinder nicht mehr schlachten zu lassen und krempelt sein ganzes Leben und seinen Beruf um.

Das Paradoxon der Bio-Haltung

Wie Hubert uns erzählte, hatte er schon immer ein sehr gutes Verhältnis zu seinen Tieren. Er gab ihnen Namen und wurde von den Rindern als Alpha-Tier respektiert. Doch nach etwa zwei Jahren, wenn die Tiere „schlachtreif“ waren, musste er sich von ihnen trennen, was jedes Mal eine große Überwindung für ihn darstellte. Der Bio Bauer berichtete uns auch, dass ihn der Umgang mit seinen Tieren – so wie es von dem Schlachtbetrieb praktiziert wurde – immer schon missfiel. So wurden die ohnehin schon geschockten Rinder beispielsweise von der Tragefläche des Transporters getreten – denn spätestens wenn die Tiere die Tötungsstation erreicht haben, werden sie nicht mehr wie Lebewesen, sondern wie Ware behandelt.

Ein Paradies für Rinder

Gleich zu Beginn unseres Besuchs wurden uns zwei der insgesamt vier Weideflächen gezeigt, auf denen insgesamt 60 Rinder ihren Alltag verbringen und das ganze Jahr über friedlich grasen können. Hubert Gassner ist dabei die Abgrenzung seines Projekts von dem eines Gnadenhofs wichtig. Er hat kaum Platz für weitere Tiere mehr. Das Projekt stellt viel mehr eine Art Pension für seine jetzigen 60 Rinder dar. Hubert und Steffi gelingt es mit ihrer Arbeit nicht nur ein besseres Verständnis dieser interessanten Tiere – von denen sie zahlreiche Rassen beherbergen – zu übermitteln, sie stellen vor allem ein Vorbild für eine zukunftsorientierte und friedliche Landwirtschaft dar.

Besuch am Hof

Mutterkuh stillt ihr Kälbchen

Mutterkuh stillt ihr Kälbchen

Mehrmals im Jahr gibt es bei Hubert und Steffi einen „Tag des offenen Weidezauns“, wo den Besucherinnen – nach einem veganem Brunch und der Vorstellung des Hofes – der direkte Kontakt zu den Tieren ermöglicht wird. Vorort kann man die Tiere entweder mit Gebäck füttern, streicheln oder mit etwas Glück einer Mutterkuh beim Stillen ihres Kälbchens zusehen.

Der nächste Tag des offenen Weidezauns findet am 26. Juli statt. Außerdem organisieren Steffi und Hubert am 22. August eine Wanderung rund um eine Weide am Ottensteiner Stausee, bei denen euch auch der unterhaltsame Vortrag „Heute schon Schwein gehabt?“ von Robert Hipfinger erwartet. Verpasst die Gelegenheit nicht, Hubert und Steffi freuen sich auf euren Besuch. Nähere Infos findet ihr hier: http://rinderwahnsinn.at

Schul – und Betriebsausflüge

Auch Ausflugsgruppen sind am Klosterhof – so heißt Huberts Hof in Eisengraben bei Gföhl – herzlich willkommen. Besonders wichtig ist Steffi und Hubert, sowohl jung als auch alt anzusprechen. Interessierte Personen können sich bezüglich nachhaltiger Landwirtschaft  informieren, Kinder die Natur neu entdecken. Im Mittelpunkt stehen natürlich stets die vierbeinigen Schützlinge. So besteht für Schulklassen zum Beispiel die Möglichkeit zur Abhandlung eines bestimmten Themas, welches in der Schule gerade durchgenommen wird. Denn wer kann die Verdauung von Wiederkäuern besser verständlich machen, als ein Landwirt der sich täglich um die Versorgung seiner 60 Rinder kümmert?

Landwirtschaftliche Produkte

Nicht nur in puncto Tierhaltung lässt Hubert so manches Veganerherz höher schlagen – seit er für sich selbst die vegane Ernährung entdeckt hat, baut er auch entsprechende Pflanzenarten an. Im Herbst erntet Hubert Leinsamen, Buchweizen, Hirse und Lupine – welche nicht nur ab Hof verkauft, sondern auch über die Homepage erhältlich sein werden. Wer außerdem will, hat auf der Homepage www.klosterhof.cc schon jetzt die Möglichkeit, die eben aufgezählten Produkte unverbindlich vorzubestellen.

Wer dem Klosterhof einen Besuch abstattet, kann am Hof auch außergewöhnliche Dinge ergattern: So gibt es nicht nur einen köstlichen Holunderblütensaft, sondern auch Elefantengras (zum Mulchen im Garten) zu kaufen. Paten dürfen sich außerdem einen Rosen- oder Gemüsedünger der besonderen Art mit nach Hause nehmen – getrocknete Kuhfladen.

Urlaub auf dem Klosterhof

Hubert füttert seine Rinder

Hubert füttert seine Rinder

Wer dem stressigen Alltag in der Stadt für längere Zeit entfliehen möchte, hat ab sofort die Möglichkeit in einer der beiden –liebevoll eingerichteten Ferienwohnungen – bei Steffi und Hubert auf dem Hof unterzukommen. Nähere Infos findet ihr ebenso unter www.klosterhof.cc , wo ihr den beiden via Kontaktformular eine Reservierungsanfrage schicken könnt.

Resümee

Egal ob ihr einfach nur einen schönen Tag an der Natur verbringen wollt, die Landwirtschaft näher kennen lernen möchtet oder einfach ein großes Herz für Tiere habt, an einen Ausflug zu Steffi und Hubert auf den Hof denkt ihr mit Sicherheit lange zurück und werdet nachhaltig inspiriert.

Ein Artikel von Verena

1 Kommentar

  • Petra Hartl sagt:

    Vielen Dank für diesen tollen Tipp! Der 26.Juli ist schon in meinem Kalender eingetragen, freu mich schon auf diesen sonntäglichen Ausflug.