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Zirkus – hier lacht nur der Clown

Nashorn, Zirkus
Denn Tiere haben im Zirkus wirklich nichts zu lachen! In Österreich sind wenigstens Wildtiere im Zirkus verboten. Auch ausländische Betriebe dürfen mit Wildtieren wie Elefanten, Tigern oder Löwen hierzulande nicht auftreten. Mit dem Beschluss dieses Gesetzes hat Österreich 2005 eine Vorreiterrolle eingenommen, inzwischen sind viele weitere EU-Länder diesem Beispiel gefolgt, Deutschland leider noch nicht. Die Vorreiterrolle ist Österreich inzwischen aber von Griechenland abspenstig gemacht worden: Dort wurden 2012 alle Tierdarbietungen in Zirkussen verboten. Zu Recht! Und wir wünschen uns das für den gesamten EU-Raum, denn auch Pferde, Hunde und andere Tiere leiden extrem unter der Dressur, viel zu engen Käfigen, langen Transporten und dem ständigen Ortswechsel.
Nashorn, Zirkus

Leid und Elend: In den Augen ist es zu sehen. (Wikimedia Commons: Usien, CC BY-SA 3.0)

Die Würde der Tiere mit Füßen getreten

Wer will sich schon gerne zum sprichwörtlichen Affen machen? Auch der Affe selbst will das nicht. Tierdressur ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Mensch-Tier-Beziehung. Der Wille der Tiere wird gebrochen, durch Niederwerfen, Schläge oder hungern lassen. Erst wenn sie ihren Widerstand und sich selbst aufgegeben haben, „funktionieren“ die Tiere und vollführen ihre Kunststücke. Auch wenn teilweise sanftere Dressurmethoden wie das Belohnen mit Leckerlis zum Einsatz kommen, sind Elefantenhaken, Elektroschockgeräte oder Seilzüge zum Hochziehen der Hinterbeine nach wie vor gang und gäbe. Das verdeutlichen immer wieder neue Undercover-Videos von Tierschutzorganisationen oder ehemaligen Dompteuren. Für ausschließlich positives Verstärken wie etwa beim Clickertraining mit Hunden (die dabei aber in einem engen Vertrauensverhältnis zu „ihren Menschen“ stehen) ist im Wirtschaftsbetrieb Zirkus keine Zeit.

In Österreich besteht wie gesagt zwar ein Wildtierverbot für Zirkusse. Andere Tiere wie Pferde, Ziegen, Gänse, asiatische Rinder, Kamele, Hunde oder Tauben müssen nach wie vor in den Manegen für sie artfremde Kunststücke vollführen, manche der Tiere mit Federkronen oder anderem Firlefanz geschmückt. Während Artistinnen und Artisten freiwillig im Zirkus auftreten, werden Tiere dazu gezwungen. Gerne tun sie das sicher nicht – es entspricht schlichtweg nicht ihrer Natur, wenn ein Ziegenbock auf einem Podest durch einen Reifen springt oder ein Kamel auf einen gehörntes asiatisches Rind aufspringen muss.

Die Besucher klatschen und kreischen, es ist hell, heiß und laut in der Manege – ein enormer Stress für die Tiere. Aber was ist, wenn die Besucher lachen? Wie fühlen sich Tiere, wenn sie entwürdigende Tricks vorführen, lächerliche Kleidung tragen müssen und das Publikum sie… auslacht!? Alle Tiere sind sensibel und leiden, wenn ihre Würde mit Füßen getreten wird.

Fahrende Zoos

Oft führen Zirkusse „fahrende Zoos“ mit sich: Vor und nach den Vorstellungen mit Dressurtieren werden rund um das Zelt dutzende Tiere wie Kamele, Lamas, Ponys, Ziegen, Angusrinder und andere Tiere die Besucher, insbesondere für die Kinder, zur Schau gestellt. Von einer artgerechten Haltung der Tiere ist das weit entfernt.

Zirkus, Elefant

Warten auf den nächsten Auftritt… Seiner Würde beraubt. (Wikimedia Commons: Francisco Welter-Schultes, CC0 1.0)

Für die Tiere der Tierschau wie für die Dressurtiere gilt: die eigene Natur kann nicht ausgelebt werden. Für Klettern, Graben, Laufen und Schwimmen ist kein Platz. In den Käfigen, Transportwagen und Zelten müssen die Tiere auf engstem Raum leben. Die Auslaufflächen sind minimal. Hochsoziale Tiere müssen in Einzelhaft leben, während Einzelgänger mit Artgenossen gemeinsam gehalten werden. Oft werden selbst gesetzliche Mindestanforderungen nicht erfüllt, da Zirkusse durch das ständige Reisen nur kurz an einem Ort verweilen und etwaigen amtstierärztlichen Vollzugsmaßnahmen entgehen können.

Woher kommen sie – wohin gehen sie?

Meist entstammen Zirkustiere der „Überproduktion“ von Zoos und Tierparks – ein weiteres Indiz für das Nichtfunktionieren des Systems Zoo. Auch am Ende ihres Lebens, wenn sie für die Manege zu alt geworden sind, erwartet die Zirkustiere keine Erleichterung. Entweder sie landen in der betriebseigenen fahrenden Tierschau, werden an Privathalter verkauft oder eingeschläfert. Ihnen das Gnadenbrot nach einem langen mühevollem Leben zu gewähren, kann sich ein Zirkus nicht leisten.

Was können wir tun?

Ganz einfach: keinen Zirkus besuchen, in dem Tiere auftreten müssen oder zur Schau gestellt werden. Das gilt auch für Zirkusse und ähnliche Einrichtungen in Urlaubsländern sowie natürlich für Delfinarien, in denen Delfine, Orcas und Robben in unnatürlichen, beengten Lebensräumen zu Kunststücken gezwungen werden.

Außerdem ist es pädagogisch fragwürdig, wenn Kindern Tiere gezeigt werden, die zu unnatürlichen und erniedrigenden Kunststücken gezwungen werden. So wird ein völlig verzerrtes Bild der Tiere, ihres Wesens und ihrer Bedürfnisse vermittelt.

Jede Eintrittskarte bestärkt und verlängert das Leiden der Tiere. Nur durch Fernbleiben der Besucher kann den Zirkusbetrieben signalisiert werden, dass Tiernummern nicht mehr erwünscht sind, dass wir Konsumentinnen und Konsumenten einen respektvollen Umgang mit Tieren wünschen.

Zirkus

Freiwillig und ohne Tierausbeutung geht es auch. Foto: Wikimedia Commons (Jeangagnon)

Alternativen gesucht?

Wahre Freude bei Kindern und Erwachsenen können doch nur Zirkusse hervorrufen, bei denen alle in der Manege Auftretenden dies freiwillig tun. Gerade in den vergangen Jahren haben magische wie humorvolle Artistik-Inszenierungen in der Tradition des Noveau Cirque Weltruhm erlangt. Alle diese Zirkusse kommen ohne Tiere aus:

(Hinweis: Selbstverständlich empfehlen wir nur Betriebe, in denen auch die Menschenrechte gewahrt sind, weshalb wir den chinesischen Nationalzirkus hier nicht anführen.)

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