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Woher kommen die Eier?

Schlüpfen Küken
Geprägt von Kinderbüchern und Werbung haben wir immer noch das Bild im Kopf, dass eine Henne ihre Eier ausbrütet, dass sie ihre frisch geschlüpften Küken umsorgt, dass die kleinen Hühnerbabies ihrer Mutter überallhin folgen können und zum Schlafen unter das warme flauschige Federkleid der Mutterhenne dürfen. Die Wirklichkeit ist eine andere: Die Küken kommen in industriellen Brütereien auf die Welt. Dort ist keine Mutter – nur eine Wärmelampe. Und gleich am ersten Tag geht es auch schon ab auf ein Förderband. Auf Einzelbedürfnisse, eingeklemmte Flügel etwa, kann keine Rücksicht genommen werden.
Schlüpfen Küken

Statt Mama wartet das Förderband (Foto: Pixabay, Myriams-Fotos)

Männliche Küken: unerwünscht!

Nun werden die kleinen Flauschbällchen gesext, das heißt weibliche und männliche Küken werden getrennt. Bei den Legerassen braucht man keine männlichen Küken – sie legen keine Eier und für die Fleischproduktion taugen sie auch nicht, weil sie zuwenig Fleisch auf den Knochen haben. Für die “Gewinnung” von Hühnerfleisch werden eigene Mastrassen verwendet. Die Natur lässt aber in etwa gleich viel weibliche und männliche Küken aus den Eiern schlüpfen. Was passiert nun mit den vielen aussortierten männlichen Küken? Für sie ist ihr kurzes Leben auch schon wieder zu Ende, denn das Förderband transportiert sie direkt in den Tod: Sie werden vergast oder bei vollem Bewusstsein im Häcksler geschreddert. Zu Tiermehl verarbeitet, landen sie dann in den Futtertrögen anderer Tiere. In konkreten Zahlen heißt das: Allein in Österreich werden jedes Jahr rund 9,4 Millionen (!) männliche Küken an ihrem ersten Lebenstag getötet.

Bruderhahn – ein nur kurz verlängertes Leben

Die Kritik von Tierrechtsorganisationen am Schicksal der sogenannten Eintagsküken hat zumindest in der Biobranche erste Veränderungen bewirkt. In verschiedenen Bioprojekten werden dabei sogenannte Zweinutzungsrassen eingesetzt, die sowohl zur Eier- als auch Fleischproduktion herangezogen werden. Bei “Zurück zum Ursprung”, der Biomarke von Hofer, werden für die gesamte Eierproduktion keine männlichen Küken mehr getötet. Das Projekt nennt sich “Hahn im Glück”. Auch bei Ja! Natürlich (Rewe-Konzern: in allen Merkurfilialen und in ausgewählten Filialen von Billa und Adeg) gibt es ein Bruderhahn-Projekt mit der Zweinutzungsrasse “Moosdorfer Haushuhn”. Die Aufzucht der Bruderküken gibt es aber nur bei den Ja! Natürlich-Eiern mit dem Zusatz “mit Liebe gemacht”. Inzwischen zeichnet sich eine Branchenlösung zwischen Biodachverband, Lebensmitteleinzelhandel und den zwei großen Brütereien ab. Ziel: Künftig sollen bei allen Bio-Eiern auch die männlichen Küken gemästet werden. Aber: Das Leben der Bruderhähne wehrt dennoch nur kurz. Nach neun bis zwölf Wochen endet es am Förderband des Schlachthofes. Die natürliche Lebenserwartung läge bei rund acht Jahren.

Küken

Dem Menschen ausgeliefert (Foto: Pixabay, EllEKay, CC0)

Von der Brüterei in den Käfig 

Haben es weibliche Küken besser? Die ersten vier Monate – bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Junghennen beginnen, Eier zu legen – verbringen sie in einem Aufzuchtbetrieb. Dann werden sie in Boxen verpackt und auf die verschiedenen Haltungsformen aufgeteilt. Insgesamt mehr als 6 Millionen (!) Legehühner werden von der Geflügelwirtschaft in Österreich gehalten, 1,9 Milliarden Eier werden jährlich “produziert”.

Die schlechteste Karte haben Hühner gezogen, die in einer Käfigbatterie landen: degradiert zu Eierlegemaschinen in riesigen fensterlosen Hallen, zusammengepfercht in kleinen Drahtkäfigen. In Österreich sind “klassische” Legebatterien verboten – in dieser stand einer Henne nur ein Platz zur Verfügung, der 2/3 eines A4-Blattes entspricht. Erlaubt sind in Österreich nur mehr sogenannte “ausgestaltete Käfige”. Diese sind nur unwesentlich größer, nämlich 750 cm² Fläche pro Tier. Sitzstangen und Nester sind vorgeschrieben. Hühner bewegen sich gerne, laufen über die Wiese, scharren in der Erde. All das bleibt auch im ausgestalteten Käfig unmöglich, durch den Bewegungsmangel leiden viele an Osteoporose und Fettleber. In Österreich fristen inzwischen nur mehr 2% aller Hühner ihr Dasein in dieser unwürdigen Haltungsform. Das endgültige Aus für die Käfighaltung kommt Ende 2019. Da wir aber in einem gemeinsamen europäischen Markt leben, stammen auch nicht alle Eier in den Supermarktregalen aus Österreich. Und die EU setzt leider weiterhin auf die ausgestalteten Käfige als gängige Haltungsform: 56% aller Legehennen in der Europäischen Union werden in den ausgestalteten Käfigen gehalten.

Henne und Küken

Seltene Mutterfreuden: Fast alle Küken schlüpfen in Brütereien (Foto: Pxhere, CC0)

Bodenhaltung – ein riesiger Käfig 

Am weitesten verbreitet ist in Österreich die Bodenhaltung. Laut Landwirtschaftsministerium leben derzeit rund 67% der Legehennen in Bodenhaltung, in Freilandhaltung sind es nur 20%, in Biohaltung gar nur 11% der Legehennen. (2% werden noch in ausgestalteten Käfigen gehalten, siehe oben.

Legehennen in der Bodenhaltung haben eine etwas bessere Karte gezogen. Von gut kann bei weitem keine Rede sein! Die Tiere können sich etwas mehr bewegen. Je nach Ausgestaltung des Stalls mit Sitzstangen, mehreren Ebenen und Legenestern können zwischen 7 und 9 Hennen auf 1m² gehalten werden, das ist noch immer eine enorme Dichte, die den Tieren kein artgerechtes und natürliches Verhalten ermöglicht. Dieses würde Auslauf und die Haltung in Kleingruppen bedeuten. Da Hühner nur eine bestimmte Anzahl an Artgenossen “wiedererkennen” können, sorgen die riesigen Gruppen für Dauerstress, Verhaltensstörungen wie gegenseitiges Federpicken und Aggressionen. Denn bis zu 6000 (!) Tiere werden in den überfüllten Hallen gehalten. Ein Großteil der Hühner in Bodenhaltung verliert einen Teil seines Federkleids.

Die bewegungsfreudigen Tiere können weder herumlaufen, Landschaft erkunden, in der Erde scharren und picken. Und auch die Sonne bekommen sie nie zu Gesicht.

Hühnerstall Bodenhaltung

Bewegungsfreiheit sieht anders aus (Foto: Wikimedia Commons, Maqi, CC BY-SA 3.0)

Sonne und frische Luft – nur auf Freilandbetrieben 

Jene Hennen, die mehr Glück haben, landen in einem Freilandbetrieb. Hier steht ihnen tagsüber zusätzlich zum Stall ein Auslauf ins Freie zur Verfügung mit einem Platzangebot von 8m² pro Tier. Hier können die Hennen im Boden scharren, in Sandmulden baden, also ihren natürlichen Verhaltensweisen nachkommen. Die maximale Herdengröße beträgt 3.000 Tiere.

Am besten treffen es Hennen, die ihr Leben in einer Biofreilandhaltung verbringen können – die tierfreundlichste der Haltungsformen. Im Stall haben sechs Hennen 1m². Draußen müssen jeder Henne 10m² Auslauf zur Verfügung stehen. Ein gravierender Unterschied ist die Fütterung der Tiere mit biologisch erzeugtem Futter und das Verbot des prophylaktischen Medikamenten-Einsatzes. Fakt ist, dass auch die meisten Biobetriebe Küken aus Brütereien kaufen und man sollte bedenken, dass vielen Legehennen immer noch ein getötetes männliches Küken gegenüber steht. Ausserdem wird jede Legehenne, auch die Biohenne, nach einem kurzen Leben von etwa eineinhalb Jahren geschlachtet – zumeist nicht in einem eigenen Bioschlachthof, sondern in einem konventionellen Schlachthof, am Förderband.

Hahn und Hennen

Ein seltenes Glück: Hahn mit seinen Hennen und viel Freiheit (Foto: Pxhere, CC0)

Hochgezüchtet

Natürlicherweise würden Hühner rund 30 Eier im Jahr legen. Unsere hochgezüchteten Legehennen müssen aber bis zu 300 Eier im Jahr legen, weshalb sie auch nach eineinhalb bis zwei Jahren körperlich völlig ausgelaugt sind. Die normale Lebenserwartung eines Haushuhns beträgt acht Jahre!

Ei-Importe und verarbeitete Eier

Rund ein Viertel des Ei-Bedarfs in Österreich wird importiert. Laut umweltberatung kommen 18.000 Tonnen Ei-Importe aus so weit entfernten Ländern wie China, Singapur, Indien, Mexiko, Argentinien oder der Ukraine. Ein Großteil der Eier landet nicht als Schalenei im Supermarkt, sondern in der Lebensmittelproduktion, Gastronomie und Hotellerie. Leider gibt es weder bei Fertig- oder Halbfertiggerichten, Nudeln, Keksen, Mehlspeisen oder Gebäck, noch in der Gastronomie eine Kennzeichnungspflicht. Besonders in Lebensmittelprodukten stecken nach wie vor großteils importierte Käfigeier. Das kann als Vollei sein oder etwa als Eiöl, Eiprotein, Flüssigeiweiß, Gefrierei, Trockenei, Trockeneiweiß, Trockeneigelb usw.

Kekse

Stecken hier importierte Käfigeier drin? (Foto: Pxhere, CC0)

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