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Was ist Vegetarierwolle?

Wolle
Wer auf Wolle nicht verzichten will, kann auf ein paar Dinge achten, um Tierleid so gering wie möglich zu halten:

  • Vegetarierwolle kaufen bzw. Kleidung aus Vegetarierwolle. Sie stammt von Schafen, die nicht getötet werden.
  • Nur zertifizierte Bio-Wolle (kbT, aus kontrolliert biologischer Tierhaltung) kaufen: egal ob Kleidung, Strickgarne, Matratzen, Decken usw.
  • Nur Produkte mit Wolle von europäischen Schafen kaufen.
  • Keine Produkte ohne genauer Herkunftsbezeichnung kaufen und keine Wollprodukte aus Australien, Neuseeland, Lateinamerika oder China bzw. wenn dann garantiert mulesingfreie Biowolle aus Australien oder Neuseeland bzw. Biowolle aus Lateinamerika.
Wolle

Ausschließlich Vegetarierwolle kann als tierfreundlich bezeichnet werden. (Foto: Pixabay, auenleben)

Vegetarierwolle

Ein neuer Trend ist Vegetarierwolle. Bisher gibt es sie leider nur nur bei einigen ganz wenigen Herstellern oder Händlern. Vegetarierwolle heißt sie deshalb, weil hier die Schafe nicht geschlachtet werden, sondern eines natürlichen Todes sterben dürfen. Sie sollten bedenken, dass auch Biowolle für die Schafe, die nicht mehr genügend Wolle geben, die Schlachtung bedeutet. Wer kann oder will es sich schon leisten “unproduktive” Tiere durchzufüttern oder zu betreuen.

Einige tun aber genau das:

  • Bei Wollhandwerk können Vegetarierwoll-Strickgarne  bezogen werden. (Aber Achtung nicht alles bei Wollhandwerk ist Vegetarierwolle).
  • Auf dem Mittermühlhof leben Brillenschafe, die nicht geschlachtet werden.
  • Bei Izzy Lane gibt es hochwertige Mode aus Vegetarierwolle.

So erkennst du Bio-Wolle

Die größte Sicherheit liefert das Gütesiegel “Naturtextil IVN zertifiziert BEST”. Hier muss die verwendete Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen. Außerdem beziehen die IVN-Marken ihre Wolle nicht aus Australien.

GOTS-zertifizierte Wolltextilien bieten leider nicht die gleiche Sicherheit, da hier die Beimischung von bis zu 30% konventioneller Naturfasern zugelassen ist, und bei diesen 30% auch Wolle von gemulesten Schafen dabei sein kann. Handelt es sich allerdings um 100% Biowolle, dann ist ausgeschlossen, dass Mulesingwolle untergemischt wurde.

Nicht der Täuschung erliegen: Wolle aus der Steiermark, aus Italien…

… stammt meist aus Australien! Vielfach finden sich auf Etiketten Herkunftsangaben wie “Made in Italy” oder “Steirischer Loden, gefertigt nach traditionellem Handwerk in der Dachsteinregion”. Selbst wenn man direkt beim Hersteller nachfragt, erhält man teilweise noch solche Auskünfte. Das klingt alles wunderbar, verschleiert allerdings oft, woher die verarbeitete Wolle tatsächlich stammt. In den meisten Fällen handelt es sich nämlich um Rohwolle aus Australien, die dann in Italien zu feinen Wollstoffen für Anzüge, Blazer und Hosen verwebt wird. Auch der Lodenjanker oder Walkrock, der in der Obersteiermark in einem Traditionsbetrieb nach alter Machart gewalkt wurde, besteht meist aus Wolle von australischen Schafen.

Warum ist das so? Merinowolle aus Australien gilt als sehr fein und leicht zu verarbeiten. Ausserdem hat sich seit vielen Jahrzehnten eine Schaf-Massentierhaltung in Australien etabliert. Die Tiere gab es ja ursprünglich nicht auf dem kleinsten Kontinent und wurden von den Briten eingeführt. Heute gibt es riesige Schaffarmen, auf denen das Pestizidbad ebenso wie das grausame Mulesing, bei dem den hochgezüchteten Schafen ein tellergroßes Stück Fleisch samt Schwanz am Hinterteil herausgeschnitten wird: ohne Narkose. Nach zwei bis drei Jahren und zahlreichen groben Schuren geben die Tiere nicht mehr genug Wolle und werden auf eine leidvolle Odyssee in den arabischen Raum geschickt: Die Zustände an Bord der Offendeckschiffe sind so katastrophal, dass rund zehn Prozent der Tiere während der mehrwöchigen Überfahr verenden. Die Überlebenden werden auf Fleischmärkte getrieben und dann in den Schlachthöfen geschächtet, d.h. ihnen wird ohne Betäubung die Halsschlagader durchtrennt. (Näheres kannst du auch in unserem Artikel “Die blutige Spur der Wolle” nachlesen.)

Übrigens: 25% der weltweit verkauften Schurwolle stammt aus Australien. Bei Merinowolle ist es sogar so, dass die Hälfte der weltweit verkauften Wolle aus Australien stammt.

Auch bei Wolle aus Südamerika sollte man sehr vorsichtig sein. Die Tierrechtsorganisation PETA hat vor einiger Zeit grauenhafte Missstände bei Zucht und Schur aufgedeckt. Lämmer sollen sogar lebendig gehäutet worden sein.

Schafherde

Geschunden, geschoren. Nun wartet der Schlachthof auf sie (Foto: Pxhere, CC0)

Nachholbedarf in der Eco Fashion Szene

Unsere Recherchen der letzten Jahre haben gezeigt, dass leider bei etlichen Eco Fashion Anbietern und Shops zwar Baumwollmode aus zertifiziertem Bioanbau stammt, man es bei der Wolle aber nicht so genau zu nehmen scheint. Allzu oft fanden wir Kleidung aus ganz normaler Schurwolle, also mit hoher Wahrscheinlichkeit von gemulesten Schafen aus Australien stammend. Achte deshalb unbedingt darauf, dass gewählte Produkte mit dem Zusatz Biowolle, Wolle aus kbT (kontrolliert biologischer Tierhaltung) oder “organic wool” versehen sind. Erst langsam verbreitet sich hier das Bewusstsein und in einigen Stores oder Labels wird bereits darauf hingewiesen, dass man ausschließlich mulesingfreie Wolle im Sortiment hat.

 

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