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Tierversuche – nur scheinbare Verbrauchersicherheit

Nacktmaus
Die viel gepriesene „Verbrauchersicherheit“ wird meistens als Vorwand der Konzerne und der Politik genutzt, um Tierversuche für Chemikalien, für Reinigungsmittel, Düngemittel, Farben u.ä. in der Textilindustrie und andere Chemikalienprodukte zu rechtfertigen. Es ist der einfachste Weg, sich gegen mögliche Klagen abzusichern, die geschädigte Konsumenten anstrengen könnten. Angeblich können nur Tierversuche die Sicherheit eines Stoffes oder einer Substanz belegen, daher werden sie in großem Stil durchgeführt. Immer mehr Wissenschafter bezweiflen aber inzwischen die Übertragbarkeit von Versuchsergebnissen bei Tieren auf den Menschen.
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Ist ein genetisch veränderter Mäuseorganismus wirklich ein aussagekräftiges Modell für die menschliche Physiologie? (Foto: Wikimedia Commons, Kuebi, CC BY-SA 3.0)

Unterschiedliche Physis

Fakt ist, Menschen und Tiere unterscheiden sich wesentlich, vor allem durch einen anders gearteten Stoffwechsel und Organaufbau sowie psychische Einflussfaktoren. Oftmals sind Stoffe, die im Tierversuch keine gesundheitlichen Effekte beim Versuchstier zeigen, für den Menschen toxisch oder sogar lebensbedrohlich. Oder umgekehrt. Ein Tier, das für Tierexperimente gezüchtet wurde, das vom ersten Atemzug seines Lebens bis zum letzten nur Leid, Schmerz, Verzweiflung, Angst, Gitterstäbe, Kunstlicht, Laborluft kennengelernt hat: Glauben wir wirklich, dass diese körperlichen und psychischen Rahmenbedingungen das Testergebnis nicht beeinflussen!? Wenn das alles so einfach wäre, dann könnte man – etwas polemisch – fragen, warum nach Jahrzehnten, nachdem bei Millionen von Tieren Tumorzellen eingepflanzt und an ihnen herumexperimentiert wurde, von der modernen Medizin noch kein Mittel gegen Krebs gefunden wurde. Vielleicht war ja die Testmethode falsch?

Tierversuche bieten niemals eine Gewähr dafür, ein sicheres Produkt in den Händen zu halten. Die Unbedenklichkeit einer Substanz ist erst dann gesichert, wenn sie auch nach Jahrzehnten am Markt keine Nebenwirkungen beim Menschen verursacht hat.

Dioxan und Co.

Das berühmteste Beispiel ist wohl Asbest, das im Tierversuch an Mäusen als unbedenklich eingestuft wurde, beim Menschen aber kann es bekanntermaßen Lungenkrebs auslösen. Auch das krebsfördernde Dioxan wurde lange in Shampoos und Badezusätzen verarbeitet, und das karzinogene Formaldehyd wird immer noch als Konservierungsmittel eingesetzt. Ergebnisse werden auch schon mal „sicher geredet“, um den gewünschten Inhaltsstoff eben doch vermarkten zu können: So gab es immer wieder dekorative Kosmetikprodukte, denen krebserregende Schwermetalle wie Arsen, Barium, Blei und Quecksilber beigemischt wurden. Da wie dort scheinen beinharte wirtschaftliche Interessen wichtiger als die Sicherheit und Gesundheit der Konsumenten oder gar das Wohlergehen der Tiere.

Asbest

Asbest – im Tierversuch unbedenklich, beim Menschen krebsauslösend. (Foto: Wikimedia Commons, Amphibol, CC BY-SA 3.0)

Wozu?

Wieso wollen wir uns dem eigentlich überhaupt aussetzen. Wozu immer wieder neue Substanzen auf den Markt bringen, die die Welt nicht besser machen, sondern eher bedrohen!? Wir kennen alle sinnvollen Kosmetikinhaltsstoffe, die nicht schädlich sind und die man nicht an Tieren testen „muss“. Wir kennen alle sinnvollen, ökologischen und nicht gesundheitsgefährdeten Substanzen, die eine reinigende Wirkung beim Putzen und Waschen haben. Die ständig neuen Wundermittel (noch weißer oder Farben schonend oder noch intensiver duftend) sind reines Marketing. Jeder neue synthetische Duftstoff im Weichspüler wird an Tieren getestet. Wozu? Wenn man auch ein ökologisches Waschmittel kaufen kann, das einfach nur sauber wäscht, die Gewässer und die eigene Gesundheit nicht belastet – und die nicht an Tieren getestet wurden.

Für die Sicherheit des Konzerns, nicht des Konsumenten

Die Konzerne zielen vor allem darauf ab, sich vor Ersatzansprüchen bei möglichen Schadensfällen abzusichern. Tierversuche dienen nicht der Sicherheit der Verbraucher, sondern den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens. Es gibt mehr als genug bekannte und bewährte Inhaltsstoffe, es gäbe keinen Grund neue zu entwickeln und an Tieren zu testen. Oft aber sind gute und pflanzliche Inhaltsstoffe teurer, was die Gewinnspannen der Unternehmen verringern würde.

Eines muss dazu aber ehrlicherweise auch gesagt werden: Würden wir KonsumentInnen uns nicht regelmäßig durch Werbung an der Nase herum führen lassen, würde die Strategie der Unternehmen nicht aufgehen. Sie würden es aufgeben, nach immer neuen, immer absurderen Schönheitsmittelchen und Putzwundern zu „forschen“. Naturgemäß würden sich dadurch auf Tierversuche reduzieren.

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In-vitro Experimente als Alternative zu Tierversuchen. (Foto: Wikimedia Commons, Jacopo Werther, CC BY-SA 2.5)

In-Vitro-Testmethoden

Ginge es den Konzernen tatsächlich um Verbrauchersicherheit, so ließe sich diese besser durch alternative Testverfahren absichern. Das zeigt sich etwa am Beispiel Toxizitätstest: Im Tierversuch als unbedenklich eingestufte Stoffe werden mitunter von menschlichen Zellkulturen nicht vertragen – sie sterben oft schon bei minimalen Zusätzen ab.

Solange aber die Tierversuche nicht generell durch die anerkannten und weit zuverlässigeren alternativen In-vitro-Verfahren abgelöst sind, werden die grauenhaften Experimente mit Tieren in allen Bereichen, wo chemische Substanzen verwendet werden, auf der Tagesordnung stehen: für Nahrungsmittelzusätze, Reinigungsmittel, Kleidung und Textilien (Farben und Ausrüstungen), Pestizide und synthetische Dünger, und sogar für Rohstoffe, die auch (aber nicht ausschließlich) in der Kosmetik eingesetzt werden.

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