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Tierschutz und ökologische Gütesiegel

In erster Linie gibt es bei Putz- und Reinigungsmittel Gütesiegel, welche die ökologische Qualität betreffen. Zwei Siegel schließen aber Tierversuche dezitiert aus: Die strengsten Richtlinien garantiert das Kontrollsiegel „Hase mit schützender Hand“ gefolgt vom Leaping Bunny. In Österreich (und Mitteleuropa) sind diese zertifizierten Produkte (noch) dünn gestreut. Deshalb müssen wir uns daneben mit dem Weg des geringsten Übels behelfen:
Wischtuch Wasserhahn

Putzen mit umweltfreundlichen und tierversuchsfreien Reinigungsmitteln (Foto: Pxhere, CC0)

Kontrollsiegel gegen Tierversuche

Hase mit schützender Hand

Das strengste Kontrollsiegel gegen Tierversuche. Der Deutsche Tierschutzbund hat die Richtlinien aufgestellt. Bei den Kosmetikmarken auf einer entsprechenden Positivliste werden garantiert keine Inhaltsstoffe verwendet, die nach 1979 an Tieren getestet wurden. Weder direkt, noch indirekt, noch über ein ausgelagertes Unternehmen dürfen Tierversuche im Spiel sein. Außerdem sind Inhaltsstoffe toter Tiere bzw. aus tierquälerischer Gewinnung ausgeschlossen. Lanolin (auch aus Australien!) ist nicht verboten, weshalb es sehr wichtig ist, darauf zu achten, nur Produkte ohne das Wollfett Lanolin zu kaufen. Verboten ist wiederum eine wirtschaftliche Abhängigkeit zu Firmen, die Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben. Soweit so gut. Konterkariert wird die Anti-Tierversuchspolitik nun von der EU-Chemikalienverordnung REACH. Im Rahmen von REACH werden auch alle vor 1979 zugelassenen Stoffe neu im Tierversuch getestet. (Siehe dazu den Artikel „REACH – die größte Vergiftungsaktion aller Zeiten“.) Eine Putzmittelmarke, die dieses Kontrollsiegel trägt ist Ulrich natürlich.


Leaping Bunny

Leaping Bunny Kontrollsiegel gegen TierversucheDas Leaping Bunny-Siegel, das wir von der Kosmetik kennen, wird seit einiger Zeit auch an Haushaltsprodukte wie Putz- und Waschmittel vergeben. Die Kriterien sind weniger streng als beim Deutschen Tierschutzbund. Das jeweilige Unternehmen kann nämlich selber festlegen, ab welchem Datum von ihm verwendete Rohstoffe nicht mehr im Tierversuch getestet sein dürfen. Allerdings kann das einmal fixierte Datum dann nicht mehr geändert werden.
Für die Vergabe des Leaping Bunny an Reinigungsmarken haben sich Tierschutzorganisationen weltweit (v.a. Nordamerika und Europa) auf einen Standard (Humane Household Products Standards, kurz HHPS,) geeinigt und festgelegt, nach welchen Kriterien ein Produkt als “tierleidfrei” gilt. Administriert wird die Vergabe des Leaping Bunny von der ECEAE (European Coalition to End Animal Experiments) für Europa und der CCIC (Coalition for Consumer Information on Cosmetics) für die USA und Kanada. Eine praktische Suchmaske für alle zertifizierten Marken findest du hier.


Vegan-Zertifizierungen

Veganblume

VeganblumeDie Veganblume kennzeichnet Produkte, die vegan sind, also keine Stoffe tierlichen Ursprungs enthalten – auch keine von lebenden Tieren. Im Bereich Putz- und Waschmittel sind tierliche Rohstoffe v.a. Lanolin (Wollfett), Milch, Bienenwachs und Galle (als Flecklöser). Zertifiziert werden nicht die ganze Marke, sondern immer nur einzelne Produkte, beachte deshalb den Aufdruck am Etikett. Zertifizierungsstelle ist die Vegan Society in Großbritannien. Zertifizierte Putzmittelmarken sind etwa AmaWin, Klar, Sodasan, Sonett, Ulrich natürlich, Uni Sapon.


V-Label

V-Label veganInternationales Gütesiegel zur Kennzeichnung veganer und vegetarischer Produkte. Am weitesten verbreitet ist es bisher in der Lebensmittelbranche. Auch einige Reinigungsmittel tragen das V-Label. Im Kosmetikbereich gibt es erst eine kleine Anzahl zertifizierter Marken. Wichtig ist hierbei darauf zu achten, dass unter dem Siegel das Wort „vegan“ steht, denn es gibt auch zertifizierte vegetarische Produkte. In Österreich wird das Siegel von der veganen Gesellschaft vergeben. Eine zertifizierte Putzmittelmarke ist etwa Lina Line.


Ökologische Gütesiegel

Ecogarantie

Ecogarantie ökologisches GütesiegelBelgisches Siegel für ökologische Produkte: vorwiegend Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel. Es wird die ökologische Qualität eines Produkts (auf Basis der eigenen Kriterien sowie der EU-Öko-Verordnung) geprüft und garantiert. Darüber hinaus werden soziale, ökologische und ökonomische Kriterien entlang des gesamten Lebenszyklus des Produktes berücksichtigt. Unter anderem verboten sind Zutaten aus der Chlor- und Erdölchemie, synthetische Konservierungs- und Duftstoffe, Phosphate, die Anwendung von gentechnisch veränderten Organismen sowie entsprechende Techniken in der Produktion. Tierversuche an Endprodukten sind verboten, was aber bei der gegenwärtigen Gesetzeslage kaum aussagekräftig ist. www.ecogarantie.be


Ecocert

Der Kontroll- und Zertifizierungsverband aus Frankreich vergibt zwei Siegel. Eines für ökologische Produkte, deren Inhaltsstoffe auch großteils aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Und ein zweites Siegel für ökologische Produkte mit Rohstoffen, die aus aus Bioanbau stammen. Die Siegel werden jeweils für ein Jahr vergeben. Erneuerbare, nachwachsende Rohstoffe (d.h. pflanzliche Rohstoffe) werden gegenüber solchen anderer Herkunft im speziellen aus der Petrochemie bevorzugt. Eine verständliche Volldeklaration der Inhaltsstoffe ist verpflichtend. www.ecocert.com


EcoControl

EcoControl ökologisches GütesiegelHierbei handelt es sich um eine zugelassene Zertifizierungsstelle, die im Bereich der Kosmetik etwa das NaTrue-Siegel vergibt. Mit dem Standard NCPS (Natural Care Product Standard) werden umweltfreundliche Reinigungsmarken von EcoControl zertifiziert bzw. ökologische Rohstoffe auf Pflanzenbasis sowie verarbeitetes Pflanzenmaterial, das dann etwa bei den Reinigern zum Einsatz kommt, zertifiziert. Darüber hinaus wird auch kontrolliert, ob die von einem Unternehmen selbst aufgestellten Qualitätskriterien erfüllt werden. Dafür gibt es die EcoControl-Grundsätze für nachhaltige und ethisch ausgerichtete Firmenstandards, was etwa fossile Rohstoffe wie Erdöl oder Kohle sowie gentechnisch veränderte Organismen prinzipiell ausschließt. Insgesamt bedeuten diese Grundsätze: Wenn ein Unternehmen strenge Richtlinien hat und diese werden von EcoControl geprüft, dann stehen diese nicht nur auf dem Papier, sondern werden auch verpflichtend eingehalten. (Details siehe www.eco-control.com)


Wischmop Holzboden

Je natürlicher das Reinigungsmittel, desto besser. (Foto: Pixnio, Michal Jarmoluk, CC0)

Gibt es tierversuchsfreie Reinigungsmittel?

Die gebräuchlichsten Gütesiegel für umweltfreundliche Haushaltsprodukte (Ecogarantie und Ecocert) geben in erster Linie Auskunft über die ökologische Bilanz eines Produktes (Bioqualität, Abbaubarkeit, Nachhaltigkeit, Einsatz von Gentechnik) aber auch über soziale Standards oder die Einhaltung der Menschenrechte (Fairtrade).

Die Angabe „keine Tierversuche am Endprodukt“ sagt wenig aus, sie entspricht der Gesetzeslage. Und auch die Angabe „tierversuchsfrei“ kann sich wegen REACH nur auf das Endprodukt beziehen und ist inzwischen mehr Ausdruck der firmeninternen Einstellung gegenüber Tierversuchen… was aber immerhin ein Statement und auch nicht ganz zu unterschätzen ist.

Defacto aber ist die Situation so: Tierversuche mit Wasch- und Reinigungsmitteln sind verboten. Aber: Hersteller müssen auf Grund unterschiedlicher nationaler und EU-Verordnungen verpflichtend für die Zulassung neuer Rohstoffe – gleichgültig ob chemischen oder natürlichen Ursprungs und unabhängig vom späteren Einsatzgebiet – Nachweise für die toxische Unbedenklichkeit für Mensch und Umwelt erbringen. Da bis heute nur wenige alternative Testmethoden wissenschaftlich anerkannt werden, bedeutete und bedeutet das in den meisten Fällen den Einsatz von Tierversuchen. Und wegen REACH wurden/werden auch für „Alt-Chemikalien“ neue Zulassungen und damit Tierversuche beantragt.

Also, was tun?

  • Je natürlicher und je umweltfreundlicher deine Reinigungsmittel sind, desto besser. Denn echte Ökoputzmittel basieren ausschließlich auf pflanzlichen und mineralischen Rohstoffen. Je weniger Chemie du im Haushalt und in deinem Alltag verwendest, desto mehr hilft du, Tierversuche zurück zu drängen. Es ist ein einfacher Rückschluss: Wenn konventionelle (synthetisch-chemische) Putz- und Waschmittel, für deren Rohstoffe die meisten Tierversuche gemacht werden, nicht gekauft werden, verringert sich die Zahl der Tierversuche.
  • Eine weitere Richtschnur ist, wenn die Firma auf der Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes gelistet ist oder das Leaping Bunny-Siegel trägt.
  • Außerdem solltest du nur Produkte mit einer Volldeklaration der Inhaltsstoffe kaufen, denn dann kannst du selbst kontrollieren, was im Putzmittel drin ist. Wer alles offen auf den Tisch legt, hat meistens nichts zu verbergen. Die Volldeklaration sollte vorzugsweise am Etikett abgedruckt sein, wenigstens aber auf der Website des Herstellers.
  • Und schließlich kann die Angabe des Herstellers, keine Tierversuche durchzuführen oder in Auftrag zu geben, zumindest eine ethische Grundhaltung des Unternehmens andeuten.
  • In Kombination stellen diese Vorgangsweisen einen Weg des geringeren Übels dar.

Faustregel: Mit allen im Biosupermarkt und Bioladen erhältlichen Reinigungs- und Waschmitteln fährt man diesbezüglich gut und ist auf der sicheren Seite.

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