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Tierqual in unserer Kleidung

Flugzeug Pestizide
Die im konventionellen Baumwoll-Anbau verwendeten Dünger und Pestizide wurden in grausamen Tierversuchen getestet. Wolle kommt meist aus Australien, wo den Schafen Schwanz und umgebendes Fleisch ohne Narkose herausgeschnitten werden (Mulesing). Für Daunen werden Millionen Gänse in riesigen Massenbetrieben lebend gerupft. Für Seide werden die verpuppten Raupen gekocht. Und für Leder werden Rinder, Kälber und andere Tiere im Akkord geschlachtet (allzu oft unbetäubt).
Flugzeug Pestizide

Großflächiger Pestizideinsatz auf konventionellen Baumwollfeldern (Foto: Pixabay, amissphotos)

Baumwolle aus konventionellem Anbau

An sich ist Baumwolle ein tierfreundliches Material – würden nicht im konventionellen Anbau Düngemittel, Pestizide, Herbizide und Fungizide eingesetzt, die in schmerzhaften und tödlichen Tierversuchen getestet wurden und werden. Außerdem kommen bei der Ernte im konventionellen Anbau von Baumwolle giftige Entlaubungsmittel zum Einsatz, die Menschen und Tiere krank machen. Darüber hinaus richten Erntemaschinen und -traktoren ein Blutbad unter den Tieren, die sich auf den Feldern aufhalten, an. Biobaumwolle wird hingegen in der Regel von Hand geerntet – die entsprechenden Siegel (GOTS, Naturtextil IVN zertifiziert BEST und Fairtrade) garantieren auch faire Arbeitsbedingungen. Außerdem ist der Wasserverbrauch beim Biobaumwoll-Anbau wegen der Tröpfchenbewässerung viel geringer. 

Textile “Chemiebomben”

In der konventionellen Textilindustrie werden die Stoffe “ausgerüstet” und mit Antiknitter-Mitteln, Antischimmel-Chemikalien, aggressiven Farben usw. behandelt. Kein Wunder, wenn immer mehr Menschen an Kontaktallergien leiden. Dabei reagieren sie nicht auf Leinen oder Baumwolle allergisch, sondern meist auf die Chemikalien, mit denen die Textilien behandelt wurden. Und immer wieder zeigen Tests, dass Kleidung und Textilien zu hohe Rückstände dieser Chemikalien aufweisen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Babys und Kinder nur Ökotextilien tragen, aber natürlich auch Erwachsene.

Die “normale” Mode ist nicht nur für die menschliche Haut und die Umwelt problematisch. Dahinter stehen auch qualvolle und tödliche Tierversuche: auf Hautverträglichkeit, potenzielle allergische Reaktionen und Kanzerogenität (ob sie krebsauslösend wirken). Mehr Informationen dazu findest du im Artikel “Tierversuche für Mode”.

Wolle

25% der weltweit verkauften und verarbeiteten Wolle stammt aus Australien. Von der am häufigsten verarbeiteten Wolle (der Merinowolle) stammt weltweit gar die Hälfte aus Australien. Wenn du also einen Wollpullover kaufst, stehen die Chancen 50:50, dass die Wolle von Schafen aus Australien kommt. Die Schafe müssen dort in Massentierhaltung leben. An ihnen wird das grauenhafte “Mulesing” praktiziert: Um den Befall mit einer bestimmten Fliegenart zu verhindern, werden den Schafen – ohne Narkose – Schwanz und das umgebende etwa tellergroße Stück Fleisch herausgeschnitten.

Darüber hinaus fördert die australische Wollproduktion noch einen anderen “Wirtschaftszweig”: Wenn die Wollschafe nicht mehr genügend Wolle geben, werden sie per Schiff in den Nahen Osten verfrachtet. Jedes Jahr sind das mehrere Millionen Schafe. Die Bedingungen auf den Schiffen während der mehrwöchigen Fahrt sind so schlimm, dass rund 10% der Tiere auf der Überfahrt sterben. In arabischen Ländern isst man viel Schaffleisch. Die Tiere aus Australien landen im Schlachthof, wo sie geschächtet werden.

Schafe

Zuerst leiden für die Wollproduktion, dann getötet für ihr Fleisch (Foto: Pixabay, afnewsagency)

Übrigens: die Umweltfreundlichkeit von Wolle wird allgemein völlig falsch eingeschätzt. In der mady-by-Benchmark, die bewertet, wie ökologisch Textilfasern sind, rangiert Wolle in der schlechtesten Klasse E: Details siehe “Kunstfaser oder Naturmaterial”.

Angorawolle

… sollte man ebenso unbedingt im Regal lassen: Die Wolle stammt vom Fellkleid der Angorakaninchen. 90% der weltweit verarbeiteten Angorawolle stammt von Farmen in China, wo die Kaninchen in Käfighaltung unter schlimmsten Bedingungen leben müssen. Ihr flauschiges Fell wird ihnen 3-4 mal im Jahr bei lebendigem Leib herausgerissen. Die Kaninchen werden nach dieser grausamen Prozedur mit fleischiger Haut und voller Wunden in die Käfige zurückgesperrt. (Vgl. unseren ausführlichen Blogartikel) Auch wenn sie geschoren werden, ist es für die ängstlichen Fluchttiere ein Martyrium. Sie werden auf eine Streckbank gespannt und weil sie sich trotzdem heftig wehren tragen sie meist Wunden davon. In jedem Fall verursacht die Prozedur Panik und Todesangst. (Quelle: www.peta.de/angora)

Leder

Deine Lederschuhe und Lederjacken oder -hosen stammen mit größter Wahrscheinlichkeit nicht aus Österreich. Schon allein die Anzahl der für den weltweiten Lederverkauf benötigten Tiere macht eine humane Behandlung unmöglich. Leder stammt praktisch nur aus Massentierhaltung, wo das Leben der Tiere vom ersten Tag ihres Lebens bis zum letzten eine einzige Qual ist: Narkoseloses Enthornen, Schwanz kupieren, Kastration, schwerste Misshandlungen vor und während der Schlachtung stehen auf der Tagesordnung. Es ist traurige Tatsache, dass ein hoher Prozentsatz der im Akkord geschlachteten Tiere nicht ordentlich betäubt ist und bei vollem Bewusstsein miterlebt, wenn es aufgehängt und zerteilt wird.

Die Mechanismen am Weltmarkt bedingen, dass die Ledergewinnung die Massentierhaltung für Fleischgewinnung anheizt und umgekehrt. Riesige Regenwaldgebiete wurden und werden für die Fleisch-, Leder- und Futtermittel-Produktion abgeholzt. Viele billige Lederprodukte kommen auch aus Indien, wo die Zustände in den Schlachthöfen besonders katastrophal sind.

Lederjacke

Sich in Tierhaut zu hüllen muss nicht sein. Foto: Pixabay (Hans)

Seide

Der in Südostasien beheimatete Seidenspinner oder Maulbeerspinner ist eine Schmetterlingsart, die nur selten das Glück hat, ihre Schmetterlingswerdung zu erleben. Der Mensch hat es auf die feinen Seidenfäden abgesehen, mit denen die Seidenraupen ihren Kokon spinnen. Dazu werden die Raupen bei lebendigem Leib in ihren Kokons gekocht oder in heißem Dampf getötet. Danach wird der zarte Faden des Kokons abgewickelt. Die Bezeichnung „Bioseide“ oder Seide kbA klingt zwar vielversprechend, bedeutet aber lediglich, dass die Maulbeerbäume, die den Raupen als Futter dienen, biologisch angebaut werden. Sobald sie im Kokon sind werden die Raupen trotzdem gekocht.

Die teilweise verkaufte und propagierte Ahimsa-Seide (auch Peace-Silk genannt) soll den Raupen den Tod im kochenden Wasser ersparen, da der Faden erst nach dem Schlüpfen der Raupen abgewickelt wird. Objektive Nachweise, dass es sich dabei tatsächlich um eine gänzlich gewaltfreie Methode handelt, konnten wir bisher nicht finden. Im Gegenteil, ein Aufsatz im Internet betrachtet Ahimsa-Seide durchaus kritisch.

Daunen

Die Daunen werden den Gänsen entweder nach der Schlachtung oder während ihrer Aufzucht für Fleisch oder Gänse-Stopfleber ausgerissen. Bei Daunen gibt es aus Sicht von animal.fair keinerlei Mechanismen, die Tierqual wirklich ausschließen. Zu undurchsichtig ist der globalisierte Markt, relevante Tierschutz-Kriterien und Kontrollen gibt es nicht. Die meisten Daunen kommen aus Ungarn, Polen, Frankreich und China, einem Land, das nicht einmal ein Tierschutzgesetz hat. Überall fristen die misshandelten Tiere ein erbärmliches und unwürdiges Dasein in den Käfigen der Massenanlagen. Lebendrupf ist bei den Fabriksbesitzern deshalb so beliebt, weil eine Mehrfach-Nutzung der Tiere mehr Profit bringt: Der Rupf von lebenden Tieren ist äußerst grausam schmerzvoll. Die Tiere werden fixiert, meist indem AkkordarbeiterInnen sich mit ihren Füssen auf die Flügel stellen und dann werden die Federn herausgerissen. Wenn allzu große Wunden gerissen werden, so werden diese – ohne Betäubung – wieder zugenäht. Zurück bleiben völlig traumatisierte Gänse mit blutig-fleischiger Brust.

Dem nicht genug werden die Tiere oft auch noch für die “Erzeugung” von Stopfleber missbraucht. Dabei wird ein Trichter in den Hals der Tiere gerammt, mit dem sie zwangsernährt werden, bis sich ihre schmerzende Leber auf das 12-fache ihrer normalen Größe aufgeblasen hat. Das Aufhängen in die Fußkrallen des Förderbandes der Schlachtbank ist die letzte grausame Station eines Lebens, das nur Leiden kannte.

Pelz

Füchse, Nerze, Waschbären, Kaninchen, Chinchillas, Persianer: eingepfercht in kleinsten Käfigen mit Gitterboden, wo ihre Pfoten keinen natürlichen Halt finden und sie entzündete Füsse und verkrüppelte Gelenke bekommen. Viele sind verletzt, teils selbstverstümmelt. Die Pelzfarmen sind so angelegt, dass es ordentlich kalt ist und zieht, damit das Fell der Tiere möglichst dicht wird. Der Tod – eine Erlösung für die Tiere, sollte man meinen. Sie werden mit Metallgreifern aus den Käfigen gezogen. Dann wird Ihnen ein Metallstab in den Anus gesteckt. Der folgende Stromschlag führt im besten Fall zu einem schnellen Tod, aber nicht immer.

Pelzkragen

Pelzkrägen stammen oft von Hunden oder Katzen aus China (Foto: Pixabay, Free-Photos)

Während der Häutung noch am Leben sind jedenfalls die Katzen und Hunde in China. Bis vor kurzem wurde ihr Fell noch massenweise in Europa verkauft: als kleine Pelz-Besätze auf Kapuzen und Ärmeln. Und ausgerechnet China, das bis heute nicht einmal ein Tierschutzgesetz hat, ist zu einem der größten Pelz-Erzeugerländer der Welt geworden. Die meisten Nerze kommen aus China, und mit ihnen wird nicht viel anders umgegangen als mit den Katzen.

Die Zusammenhänge

Insgesamt ist die überbordende Textilindustrie ein ökologisches Desaster. Die globale Woll- und Lederproduktion verursacht einen riesigen ökologischen Schaden. Außerdem stützen und “subventionieren” beide die Massenfleisch-Produktion.

Ein Drittel der jedes Jahr weltweit erzeugten Chemikalien werden in der Textilindustrie eingesetzt. Das sind unzählige Chemikalien, mit denen Textilien “veredelt” werden: Antischimmel-Mittel, Antiknitter-Chemikalien, Farbstoffe etc. Dazu kommen die unzähligen Liter Pestizid-Flüssigkeit, in die die Schafe in der Massentierhaltung vorbeugend getaucht werden, und die dann in Grundwasser oder Flüsse fließen. Und auch die giftigen Düngemittel und Pestizide für den Anbau von zumeist gentechnisch veränderten Futtermitteln für Rinder und Schafe haben ihren Anteil. Dazu kommt einer der umweltbelastendsten Industriezweige: die Ledergerbung, wo giftige Abwässer entstehen – meist in Entwicklungsländern, wo auch noch die ArbeiterInnen unzureichend geschützt sind.

Fast schon wenig ins Gewicht fällt hier, wie viele Transportkilometer zurückgelegt werden, bis ein Baumwoll-Shirt bei uns im Geschäft landet. Oder ein Wollprodukt aus Australien, oder ein Lederschuh, dessen Tierhaut aus Europa zum Gerben nach Asien transportiert wird und wieder hierher zur Endfertigung.

Grundsätzlich ist festzuhalten,  dass nahezu alle tierlichen Produkte mit Ausbeutung, Qual und Leid für Tiere verbunden sind. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die man sich meist auf privaten Wegen besorgen muss. Prüfe deshalb bitte in jedem Fall, ob die alternativen Materialien zu Wolle, Daunen, Leder, Pelz und Seide für dich in Frage kommen könnten.

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