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Soja – aus dem Futtertrog auf den Teller

Soja
Sind Sojamilch, Sojajoghurt und Tofu für die Zerstörung des Regenwalds verantwortlich? Sicher nicht! Nur 15-10% der weltweit angebauten Sojapflanzen sind für den direkten menschlichen Verzehr bestimmt. Außerdem werden für die hierzulande erhältlichen Sojaprodukte meist Sojabohnen aus Österreich, Deutschland oder anderen EU-Staaten verarbeitet, meist auch noch in Bioqualität. Der überwiegende Teil der weltweit angebauten Sojapflanzen landet in den Futtertrögen: Das sind die großen Plantagen in Brasilien, für die Regenwald abgeholzt wird. Zudem ist ein großer Teil des Soja-Tierfutters genmanipuliert. Es sind also nicht die VeganerInnen und VegetarierInnen, die mit ihrem Konsum von Sojaprodukten die Umwelt zerstören, sondern die KonsumentInnen von Fleisch und Milchprodukten.
Soja

Wertvolle Eiweißquelle (Foto: Pixabay, jcesar2015)

Statt Menschen ernährt Soja die Massentierhaltung

Die Sojabohne ist eine asiatische Kulturpflanze, die vor allem in der Esskultur Asiens ein essenzieller Bestandteil der täglichen Küche ist, während der Rest der Welt Soja vorwiegend als Futterpflanze verwendet. Dabei ist Soja eine hervorragende und gesunde pflanzliche Proteinquelle für den Menschen, die Fleisch in nichts nachsteht, aus mehreren Gründen sogar übertrifft.

Bei der Verarbeitung der Sojabohne entstehen Soja-Öl (20%) und Soja-Schrot (80%). Letzterer ist – angesichts seiner vorteilhaften Eiweißzusammensetzung – als kostengünstiger Bestandteil in Futtermitteln beliebt und deshalb ist die Tierfuttermittel-Industrie der wichtigste Kunde der Soja-Produzenten: 85 bis 90% des weltweit angebauten Sojas landet in den Futtertrögen der „Nutz“tiere. Durch die züchterische Bearbeitung liegt inzwischen ein großes Sortenspektrum an Sojapflanzen vor, die an die unterschiedlichen Klimabedingungen der jeweiligen Anbau-Regionen angepasst sind. Dennoch sind drei Staaten, nämlich die USA, Brasilien und Argentinien, für 90% der Weltproduktion verantwortlich. Dies ist äußerst problematisch, denn seit etlichen Jahren ist ein Zusammenhang zwischen dem Fleischkonsum in Europa und der Zerstörung von Regenwald im Amzonasgebiet für den Anbau von riesigen Soja-Monokulturen nachgewiesen. Dabei gehen nicht nur einzigartige Areale der Biodiversität verloren, sondern auch Flächen zum Anbau von Lebensmitteln für die Bevölkerung.

Viehfutter – die Auswirkungen

Multinationale Konzerne kaufen riesige Flächen für die Produktion von Futtermitteln oder Agro-Treibstoff. In Brasilien baut ein einziges Unternehmen auf über 200.000 Hektar Fläche Soja an. Die lokale Bevölkerung wurde großteils vertrieben, sogar über Fälle von Ermordungen wird berichtet. Wenn jährlich weiterhin 2,2 Millionen Hektar Savannen für den Futtermittelanbau genützt werden, wird bis zum Jahr 2030 keine natürliche Landschaft mehr übrig sein.

Auf den riesigen Monokultur-Flächen kommen hochtechnologisierte Landmaschinen zum Einsatz: Dadurch reicht eine einzige Person aus, um 500 Hektar Land zu bewirtschaften. Um die Monokulturen schädlingsfrei zu halten, werden Pestizide – vor allem das umstrittene, hochgiftige Präparat Roundup des nicht weniger umstrittenen Agro-Weltkonzerns Monsanto/Bayer – verwendet. Die Pestizide vernichten neben den eigentlichen „Schädlingen“ auch zahlreiche andere Arten und zerstören den Boden. Jene Konzerne, die (genmanipuliertes) Saatgut verkaufen, sind häufig dieselben, die auch die für den erfolgreichen Anbau der Monokulturen erforderlichen Pestizide und Herbizide anbieten.

Sojaanbau Monokultur

Wo einstmals Regenwald stand… (Foto: Wikimedia Commons, Marevarzeamt, CC BY-SA 4.0)

Gen-Futter: über den Umweg Fleisch in die menschlichen Nahrungskette

Viel diskutiert und kritisiert ist auch die gentechnische Veränderung der Sojabohne. Soja war die erste gentechnisch veränderte Nahrungspflanze, die in Europa zugelassen wurde und 1996 durften die ersten, in den USA und Argentinien angebauten Gen-Sojabohnen nach Europa importiert werden. Gen-Pflanzen bergen bislang unkalkulierbare ökologische und gesundheitliche Risiken. Denn niemand weiß, was sich durch die Genmanipulation in der Pflanze verändert. In Europa lehnen daher die meisten Menschen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab, in Österreich 90 Prozent der Bevölkerung.

Um sicher zu gehen, dass weder gentechnisch verändertes noch aus Regenwaldzerstörung stammendes Soja auf dem Teller landet, sollte man unbedingt nur biozertifizierte Sojaprodukte einkaufen. Bedenken sollte man auch, dass beim Verzehr von konventionellem Fleisch und Milchprodukten letzlich genmanipulierte Pflanzen in die eigene Nahrungskette gelangen, da das Tier ja damit gefüttert wurde. Zumindest das ist bei Bioprodukten ausgeschlossen.

Soja aus heimischer Produktion

Um lange Transportwege des Rohstoffs Soja zu vermeiden, empfehlen sich Produkte aus heimischer Sojaproduktion. In Österreich gibt es sogar eine lange Tradition des Sojaanbaus, die bis auf das Jahr 1873 zurückgeht. Schon in der K&K Monarchie wurde Soja als wertvolle Eiweißquelle erkannt und gefördert. Aus dem Jahr 1948 ist übrigens sogar ein Kochbuch mit dem Titel „Wiener Soja-Küche“ überliefert. Details dazu in unserem Blogartikel „Österreich – Wiege des Sojaanbaus im Westen“.

In Österreich wird auf rund 34.400 ha, das sind 2,5 % der Gesamtackerfläche, Soja angebaut. Die Anbaugebiete Österreichs sind Kärnten, Burgenland, Wien, Ober- und Niederösterreich. Die heimischen Bio-Sojaprodukte schonen auch die Umwelt: Aus einer Studie des Ökologie Instituts ging hervor, dass ein österreichischer Soja-Drink im Vergleich zum Kuhmilchprodukt eine fünfmal geringere CO2 Belastung aufweist. Wer sich pflanzenbasiert ernährt, hilft die Umwelt zu bewahren und wirkt dem Raubbau an Tieren, der menschlichen Gesundheit, Wäldern und Böden entgegen.

Edamame Sojabohnen

Eine Köstlichkeit: frische Edamame (Foto: Wikimedia Commons, Alf Melin, CC BY-SA 2.0)

Wider die Soja-Klischees

Tofu schmeckt fad und ist wabbelig: Ja, wenn man nicht gelernt hat, damit zu kochen. Niemals Tofu würfeln und dann zu einem Schmorgemüse dazu geben, wie es leider noch immer in manchen Restaurants serviert wird: Wokgemüse mit Tofu. Regel Nummer Eins: Tofu würzen oder sogar in einer Gewürz-Öl-Marinade über Nacht ziehen lassen. Die Gewürze können auch in den Tofu hinein „massiert“ werden. Regel Nummer Zwei: Tofu immer getrennt anbraten, damit er außen schön knusprig und innen noch weich ist. Diesen dann erst vor dem Servieren über das Gericht – mag es Wokgemüse sein, Schmorgemüse oder ein Rohkostsalat.

Liebhaber der japanischen Küche werden Seidentofu nicht missen wollen. Dieser ganz weiche, nicht gepresste Tofu eignet sich auch wunderbar als Guß für eine Quiche, als Basis für Mousse au chocolat oder eine veganen „Cheese“cake.

Als besonders gesund gilt Tempeh, das aus fermentierten Sojabohnen besteht und ursprünglich aus Indonesien kommt. Inzwischen gibt es zahlreiche deutsche Biohersteller, die auch Tempeh anbieten. Erhältlich ist Tempeh in Biosupermärkten und -läden. Die Struktur von Tempeh ist fester, er schmeckt nussig bis pilzartig. Er kann in würzigen Soßen mariniert werden und anschließend gebraten oder gebacken werden.

Sojamilch ist Geschmackssache. Wer sie nicht so mag, sollte aber einmal einer frisch hergestellten noch warmen Sojamilch eine Chance geben. Sojajoghurt gibt es natur und in vielen Sorten und überzeugt eigentlich auch ehemalige Kuhmilchfreunde.

Und last but noch least möchten wir dir Edamame ans Herz legen. Die pure Sojabohne, noch in der Schote, mit Meersalz gebraten ist eine Köstlichkeit, die aus Japan kommend, bereits die europäischen Städte erobert hat. Und auch die Sojabohne, sei es im Glas oder tiefgeühlt ist eine tolle Zutat in der kreativen Gemüseküche.

Sieht man von texturiertem Sojafleisch, das vielleicht auch noch mit jeder Menge Würzen und Zusätzen versetzt wurde, ab, dann ist Soja ein sehr wertvolles Lebensmittel. Wir empfehlen natürlich nur Biosojaprodukte. Mit Ausnahme von einigen Menschen, die Soja nicht vertragen (oft in Verbindung mit einer Erdnuss-Allergie), ist Soja auch sehr bekömmlich.

Tempeh

Traditionell hergestellter Tempeh auf Markt in Indonesien (Foto: Wikimedia Commons, Sakurai Midori, CC-BY-SA-3.0)

Quellen und Links:

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