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Raus aus dem Hamsterrad!

Hamster
Hamster sind dämmerungs- und nachtaktive Einzelgänger. Außer in der Paarungszeit zeigen sie sich gegenüber Artgenossen aggressiv. Die Tiere sind sehr agil und bewegungsfreudig und graben gerne. Die Haltung von Hamstern als Heimtiere wird von animal.fair sehr kritisch gesehen. Es ist kaum möglich, den Ansprüchen der Tiere gerecht zu werden. Auch sind sie keine Streicheltiere und deshalb als Spielgefährten für Kinder völlig ungeeignet. Häufige Störungen bei Tag führen zu stressbedingten Erkrankungen und in weiterer Folge zum frühen Tod der Tiere.
Hamster

Nicht für den Käfig geschaffen, Foto: Pixabay (jvanree)

Goldhamster

Heimat der Hamster sind die Steppen der Gebirge und Ebenen Kleinasiens und des Kaukasus. In Nordsyrien wurde 1930 ein Weibchen mit 12 Jungen aus einem Bau ausgegraben, von den drei überlebenden Tieren stammen alle Goldhamster in Heimtierhaltung ab. Ihre Besonderheit sind die Backentaschen, die sich von der Lippenspalte bis zu den Hinter­extremitäten ausdehnen lassen und bis zu 20g Futter fassen können. Die weiblichen Tiere sind stets größer als die Männchen, die Tragzeit beträgt nur 16 Tage bei durchschnittlicher Wurfgröße von 9 Jungen. Tiefe Temperaturen zwischen 10 und 12 Grad lösen – auch bei Käfighamstern – Winter­schlaf aus. Ansonsten sind sie, wie gesagt, sehr bewegungsfreudig, zu ihren Hauptaktivitäten gehören Futtersuche, Graben, Reviermarkierung und Fortpflanzung.

Hamster haben einen ausgeprägten Geruchssinn und markieren mittels Duft­signal ihr Revier, Duftbilder dienen außerdem ihrer Orientierung. Weiters verfügen sie über ein gutes Gehör und können auch Töne im Ultraschallbereich wahrnehmen. Demgegenüber ist ihr Sehsinn nicht sehr stark entwickelt: schwaches Farb- und Formensehen, Kurz­sichtig­keit, bei Tageslicht fast blind. Dieser Umstand erklärt auch ihre Schreckhaftigkeit und ihre Sturzgefahr in unbe­kannter Umgebung.

Hamster brauchen Ruhe am Tag und viel Platz

In der Regel leben Hamster in Wohnungen in viel zu kleinen Käfigen. Die agilen Tiere haben im beengten Raum zu wenig Bewegungsmöglichkeit und entwickeln deshalb oft ein agonistisches Verhalten (äußert sich meist in Aggression). Auf der anderen Seite besteht aufgrund ihres eingeschränkten Sehsinns bei Freilauf erhöhte Verletzungsgefahr.

Laut 2. Tierhaltungsverordnung muss der Käfig mindestens 60 x 30 x 40 cm groß sein – Hamsterexperten empfehlen aber eine Grundfläche von mindestens(!) einem Quadratmeter und einer Höhe von 60 cm. So können auch mehrere Etagen, mehrere Häuser und Höhlen eingebaut werden. Und besonders wichtig fürs Graben: ein Käfig, der unten mit einer hohen Kunststoffwanne ausgestattet ist, oder Glasterrarien, mit in denen die Einstreu hoch aufgeschichtet werden kann. Weiters benötigt der Hamster Nistmaterial, Heu, Stroh, Zellstofftücher und Beschäf­tigungsmaterial. Richten Sie das umgebende Zimmer so ein, dass ein gefahrloser Freilauf gewährleistet ist. Und wie gesagt: Stö­run­gen während des Tagschlafs wirken lebensverkürzend!

Hamster, Käfig

Ein Leben in Gefangenschaft… Foto: Pixabay (zdenet)

Das Futter sollte hauptsächlich aus Weizen, Hafer, Sonnenblumenkernen, Grün­futter­pellets, Gemüse, Nagematerial, geringen Mengen Obst und ein- bis zweimal wöchentlich Nüssen (statt tieri­schem Eiweiß) bestehen. Ständiger Zugang zu frischem Wasser ist eine Selbstverständlichkeit.

Tierschutzwidriges Zubehör

Bevor Sie einen Hamster aufnehmen, sollten Sie sich unbedingt über artgerechte Haltungsbedingungen, empfehlenswerte Käfiggrößen und geeignetes Zubehör kundig machen. (Siehe Link- und Literaturliste am Ende dieses Artikels.) Denn ähnlich wie die vielen viel zu kleinen Käfige wird in Zoohandlungen auch jede Menge ungeeignetes Zubehör für den Hamsterkäfig verkauft:

Hamsterrad

Hamstern und anderen aktiven Kleinsäugern soll mit dem berühmt-berüchtigten Hamsterrad das Leben in beengten Käfigen erträglicher gemacht werden. Das funktioniert aber nicht, im Gegenteil. Die Verletzungsgefahr durch Einklemmen der Gliedmaßen zwischen Laufrad und Trommel ist groß. Leicht entstehen Schädigungen der Wirbelsäule, weil der Durchmesser zu klein ist. Zudem werden Laufräder aus Kunststoff angenagt, an den angenagten Spitzen können sich die Tiere wiederum verletzen.

Plastikröhrensysteme

Hier soll der natürlich motivierte Bau unterirdischer Gangsysteme mittels durchsichtiger, also für den Menschen einsichtiger Gänge nachempfunden werden. Für die Tiere bedeutet dieses tierschutzwidrige Zubehör allerdings einen unzureichender Luftaustausch im Gangsystem, Rutsch- und Sturzgefahr sowie schlechte Reinigungsmöglichkeit.

Hamsterkugel

… der abartigen Gipfel menschlicher Erfindungen “für” Tiere. Es handelt sich dabei um eine transparente Plastikkugel, die mit kleinen Lüftungsschlitzen versehen ist. Das Tier wird in die Kugel gesetzt und bringt durch Laufen diese in Bewegung – ohne Geschwindigkeit oder Bewegungsrichtung steuern zu können. In der Kugel ist die  Sauerstoffversorgung mangelhaft, es besteht Absturzgefahr von erhöhten Flächen. Und für die Tiere bedeutet der Aufenthalt in der Kugel eine schlimme, manchmal tödliche Stressbelastung.

Hamsterrad

Hamster im Rad, Bild: Wikimedia Commons (Doenertier82 at the German language Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Weiteres tierschutzwidriges Zubehör sind zu klein dimensionierte Plastikhäuschen, Gitteretagen, Hamsterwatte oder Dufteinstreu.

Zwerghamster

Die ursprünglichen Lebensräume aller Zwerghamsterarten sind karge Steppen und Halbwüsten. Die Tiere leben nicht obligat solitär (als Einzelgänger). Bei ausreichendem Platzangebot ist eine Gruppenhaltung für folgende Arten möglich: Dsungarischer Zwerghamster, Campell  Zwerghamster, Roborowski  Zwerghamster und Chinesischer Streifenhamster.

Zusammenfassend möchten wir Ihnen noch einmal empfehlen, keine Hamster (welcher Art auch immer) zu kaufen. Damit fördern Sie nur, dass diese für das Freiland geschaffenen Tiere weiter gezüchtet werden. Tolerabel ist die Übernahme von Tieren aus dem Tierheim oder von Organisationen, die Hamster aus Notfall-Abgaben oder Privathaushalten vermitteln.

Übrigens: Auch Kleinsäuger wie Mongolische Rennmäuse, Chinchillas oder Degus sind aufgrund ihrer Ansprüche in Bezug auf Größe und Struktur ihres Lebensraums ungeeignet für die Heimtierhaltung.

Internet- und Buchtipps

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