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Permakultur – Harmonie von Mensch, Tier und Pflanze

Permakultur-Garten
„Permanent agriculture“ ist eine Form der ganzheitlichen Gestaltung von Naturräumen, wobei die Bedürfnisse von Mensch, Tier und Pflanzen respektiert und miteinander in Einklang gebracht werden. Es ist eine Form der nachhaltigen und achtsamen Bewirtschaftung der Natur. Ein Ziel dabei ist, möglichst wenig (v.a. fossile) Energie, aber auch körperlichen Einsatz aufbringen zu müssen. Erreicht wird das etwa durch geschickte Kombination von Pflanzen und der Auswahl des Standortes oder durch Anlegen von Höhenunterschieden oder kleinen Wasserbassins oder Biotopen. So kann ein Baum ein Schattenspender für sonnenempfindlichere Pflanzen sein, oder eine Hecke als Windschutz fungieren. Besonders wichtig ist deshalb die gestalterische Planung im Vorfeld – das Designen der Permakultur im eigenen Garten.
Permakultur-Garten

Ein Permakultur-Garten: natürlich und ertragreich. (Foto: Wikimedia Commons, PermaKulturgut.de, CC BY-SA 3.0)

Permakultur – mit Augen und Herz leicht zu verstehen, mit Worten schwer zu beschreiben

Permakulturgärten orientieren sich am Ökosystem Wald, in dem sich – von den hohen Tannen bis hin zu jenen Pflanzen, deren Großteil sich unter der Erde befindet – alles gegenseitig fördert und unterstützt. Jeden Tag wird hier eine riesige Menge Pflanzenmaterial produziert – ohne, dass dafür von außen Energie aufgewendet werden muss. Abgefallenes Laub oder die Baumnadeln sind zum Beispiel Lebensraum für kleine Tiere und Insekten und werden von ihnen und Kleinstorganismen in fruchtbaren Boden verwandelt. Der Wald ist ein geschlossenes Ökosystem. An diesem Vorbild orientiert sich die Permakultur und schafft „essbare Ökosysteme“, sei es im Kleinen (Hausgarten) oder im Großen (Landwirtschaft).

Mehr als Bio

Ein wichtiges Prinzip ist die Pflanzenvielfalt. Im Gegensatz zu einem Monokultur-Weizenfeld, wo Düngemittel und Pestizide für ungehindertes Wachstum sorgen müssen, schafft es die Permakultur, dass andere Pflanzen und Fruchtfolge oder auch die Hühner im Garten dafür sorgen, dass der Boden aufgelockert und angereichert wird oder Lästlinge nicht überhand nehmen. Dabei kommt es weniger auf die Vielzahl an, als auf Vielzahl nützlicher Verbindungen, die zwischen den Pflanzen herrschen. Ein Permakultur-Garten ist also ein Netz förderlicher Verbindungen, wo sich möglichst viel selbst regelt und der gärtnernde Mensch möglichst wenig Aufwand betreiben muss.

Die Prinzipien der biologischen Landwirtschaft gelten auch in der Permakultur, also Kreislaufwirtschaft, Verzicht auf synthetisch-chemische Dünger und Pestizide. Allerdings geht die Permakultur viel weiter als der Biolandbau, da dieser etwa durch stärkeren Einsatz von Maschinen von fossiler Energie abhängig ist. Auch das Permakultur-Prinzip der nachhaltigen Effizienz kann der Biolandbau nicht erfüllen. Zwar wurde in den vergangenen Jahrzehnten die Produktivität gesteigert, gleichzeitig ist die Effizienz gesunken (Energieverbrauch durch Maschinen, stärkere Verarbeitung der Lebensmittel, längere Transportwege zwischen Produzent und Konsument). Permakultur ist auch mehr als nur zu gärtnern oder Landwirtschaft zu betreiben: Es ist ein Weg des Herzens und Gewissens, es gibt keine Standardanleitung, es geht viel um Beobachten und Experimentieren.

Permakultur Enten Gänse

Permakulturelle Strategie: Kooperation von Mensch und Tier. Laufenten und Gänse als Gartenhelfer. (Foto: Wikimedia Commons, EwigLernender, CC BY-SA 3.0)

Der natürliche Anbau – Philosophie und Praxis von Masanobu Fukuoka

Fukuokas Bücher gelten als Standardlektüre der Permakultur. Der Mikrobiologe und Bauer hatte eine Form der Landwirtschaft entwickelt, bei der die einen jeweils umgebende Natur genau betrachtet und dann das anbaut wird, was sich dort einfügt. Dazu gehört, dass möglichst wenig eingegriffen und die Natur gestört wird. Durch gezielte Kombination verschiedenster Pflanzen entsteht ein ökologisches Gleichgewicht, dass die Nutzpflanzen vor Schädlingen schützt und den Boden mit Nährstoffen anreichert. Die so entstandenen Felder und Gärten sind reich an Tieren und Pflanzen und müssen weder gepflügt noch chemisch gedüngt werden. Berühmt ist er in Japan auch dafür, dass er Reisfelder ohne Bewässerung anbaute – mit großem Erfolg. Fukuokas Lehren sind aber mehr als nur eine Anbauweise, sie sind eine Lebenseinstellung.

Links und Buchtipps:

  • Masanobu Fukuoka: Der große Weg hat kein Tor (pala-verlag, derzeit vergriffen). Neu aufgelegt wurde die englischsprache Version: The One-Straw Revolution (NYRB Classics, ISBN: 978-1590173138). Eine (jahrzehntealte, aber spannende) ORF-Fernsehdokumentation über Fukuoka ist auf Youtube zu sehen.
  • Graham Bell: Permakultur praktisch (pala-verlag, ISBN: 978-3895661976)
  • Eduard W. und Gerda Kleber: Gärtnern im Biotop mit Mensch (OLV Organischer Landbau Verlag, ISBN: 978-3922201311)
  • Permakultur Austria: www.permakultur.net
  • Permakultur-Akademie im Alpenraum: www.permakultur-akademie.com
  • Die Homepage des österreichischen Permakultur-Pioniers und als Agrar-Rebell bezeichneten Sepp Holzer: www.krameterhof.at
  • Perma-Norikum: www.perma-norikum.net
  • Blog über biovegane und naturnahe Anbauweisen: http://experimentselbstversorgung.net

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