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Pelz

Pelzfarm Nerze
Haben Sie sich im Winter schon mal umgesehen? Sind Ihnen die vielen Winterjacken aufgefallen mit Pelzbesätzen am Kragen? Oder überhaupt ganze Pelzmäntel? Das steckt dahinter: Füchse, Nerze, Kaninchen oder Persianer sind eingepfercht in Minikäfigen, auch der Boden aus Gitter, wo ihre Pfoten keinen Halt finden. Die Tiere sind psychisch krank, bewegen sich monoton von links nach recht, sind verletzt von anderen oder selbstverstümmelt. Der Tod erfolgt, indem sie mit Metallzangen aus den Käfigen gezogen werden. Dann wird ihnen ein Metallstab in den Anus gesteckt. Der folgende Stromschlag führt im besten Fall zu einem schnellen Tod, aber nicht immer. In China werden die Tiere bei lebendigem Leib gehäutet. Das ist das billige Fell auf so vielen Jacken.
Pelzfarm Nerze

Nerze auf einer Pelzfarm, Foto: Flickr.com (Oikeutta eläimille, CC BY 2.0)

Pelzfarmen

Pelz ist und bleibt völlig indiskutabel – und er kann leicht ersetzt werden. Auch für tiefste Temperaturen gibt es Kleidung aus Hightech-Alternativen. Eine wahre Schande sind hingegen die Pelzfarmen. Die Käfige – einer an den anderen gereiht – sind winzig. Auch der Boden ist aus Gitter, damit der Kot durchfällt und keine Arbeit an Ausmisten verschwendet werden muss. Praktisch alle Tiere haben deshalb entzündete Füße, viele haben schmerzende und verkrüppelte Gelenke. Die Anlagen sind so gebaut, dass es sehr zugig ist: Je kälter, desto dichter der Pelz der Tiere. Der Tod sollte eine Erlösung sein, aber nicht immer…

Billiger Pelz

Und sicher nicht in China: Dort werden Katzen und Hunden lebendig gehäutet. Der deutscher ZDF-Dokumentarfilmer Manfred Karremann hat den Mann, der Katzen gehäutet hat, einmal gefragt, warum er sie nicht wenigstens vor dem Häuten tötet. Die Antwort: “Mein Vater hat das auch schon so gemacht.” Außerdem, heißt es, lässt sich die Haut leichter abziehen, wenn das Tier noch lebt…

China ist weit weg, denken Sie vielleicht. Aber vielleicht tragen sogar Sie ein Katzen- oder Hundefell. Seit einigen Jahren sind die Winterjacken mit den Pelzverbrämungen ja wieder “in”. Und es sind meist keine sündhaft teuren Jacken – also muss auch der Pelz billig eingekauft worden sein, z.B. in China. Erst in jüngster Zeit wird hier vermehrt (gut gemachter) Webpelz eingesetzt, denn ein EU-weites Einfuhrverbot für Katzen- und Hundefelle gibt es erst seit 2009. Man kann nur sagen: Hoffentlich sind die Kontrollen gut. Denn hergestellt werden die Kleidungsstücke meist in Billiglohnländern. Eine Tierschützerin aus Kirgistan in Zentralasien hat erzählt, wie bergeweise Hunde- und Katzenfelle auf dem Markt in der Hauptstadt Bishkek verkauft werden… nach wie vor… und nicht nur dort…

Kunstpelz

Kunstpelz – ohne Tierleid geht es auch. Foto: Pixabay (Myshun)

Webpelz oder echter Pelz

Studieren Sie deshalb ganz genau das Etikett und fragen Sie nach. Bei Unklarheiten können VerkäuferInnen auch direkt nachfragen, ob es sich tatsächlich um Webpelz handelt. Damit setzen Sie ein Zeichen und geben auch an die Firmen ein Feedback. Und übrigens: Massenweise am internationalen Markt sind nicht nur die Felle von Hunde und Katzen, sondern auch deren gegerbtes Leder!

Durch die extrem kostensparende Massenhaltung von Pelztieren in China haben wir eine Situation erreicht, dass echter Pelz heutzutage oft sogar billiger ist als Kunstpelz. Auf Jacken und Mänteln ist der Pelz nicht deklariert, Kunden kaufen diese vielleicht im guten Glauben, dass es sich nur um Kunstpelz handeln kann, weil das Kleidungsstück so billig ist. Wegen der niedrigen Pelzpreise auf dem Weltmarkt ist das aber ein Trugschluss. In so einem Fall können Sie – vor allem weil VerkäuferInnen oft nicht gesicherte Informationen haben einen Test machen: Ein Pelzhaar ausreißen und an ein Feuerzeug halten, wenn es wie verbranntes Haar riecht, dann ist es ein echter Pelz!

Füchse, Nerze, Persianer, Chincilla, Kaninchen, Waschbär

Außerdem: China hat sich zu einem der größten Pelzproduzenten der Welt entwickelt – von dort kommt also nicht nur Katzen- und Hundefell. Die meisten Nerze für Mäntel kommen heutzutage bereits aus China. Weitere große Pelzproduzenten sind die skandinavischen Staaten, Polen, die USA und Kanada. Die Niederlande, bis vor kurzem die größten Pelzproduzenten der EU,  haben 2012 ein Pelzfarm-Verbot erlassen – allerdings mit einer Übergangsfrist bis 2024.

In Österreich gibt es – wie in Großbritannien und Kroatien – zwar keine Pelzfarmen mehr. Aber verkauft wird Pelz ja hierzulande nach wie vor. Und egal, ob jetzt Katze oder Hund, Nerz oder Fuchs: Lassen Sie deren Häute Ladenhüter werden und ersparen Sie damit künftigen Tieren ein ähnliches Schicksal.

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