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Mäuse und Ratten: Nur im Rudel!

Maus
Sowohl die Haltung von Mäusen als auch von Ratten als Heimtiere ist, will man es gut machen, sehr anspruchsvoll und wird von animal.fair eher kritisch gesehen. Weder Ratten noch Mäuse sind Streicheltiere. Für das Hochheben und in der Hand halten bedarf es einer langsamen und achtsamen Eingewöhnung der Tiere. Und für beide Tierarten gilt: Kaufen Sie keinesfalls Tiere aus Zoohandlungen, das fördert ein oft fragwürdiges Zucht-System, bei dem die Tiere nicht selten in kleinen Plastikboxen gehalten werden. Übernehmen Sie Tiere bitte nur von Tierheimen, Tierschutzvereinen oder privaten Nothilfen.
Maus

Auch Mäuse ziehen Freiheit vor. (Foto: Pixabay, Alexas_Fotos)

Die Maus ist ein Familientier

Mäuse leben in Großfamilien oder Kolonien und haben eine komplexe Sozialstruktur mit strenger Hierarchie und Ritualen. Das Gemeinschaftsleben ist intensiv, die Jungen werden in Gruppennestern gemeinsam aufgezogen. Nur die Haltung einer größeren Gruppe von Tieren ist artgerecht und mäusefreundlich. Als Gruppe eignen sich am besten mehrere Weibchen und ein kastriertes Männchen. Wer Mäuse in Zoohandlungen kauft, in denen die korrekte Geschlechtsbestimmung nicht immer gewährleistet ist, erlebt oft wenig später sein blaues Wunder, wenn das vermeintlich gleichgeschlechtliche Paar plötzlich Junge (bis zu 14!) hat. Ein Grund mehr, die Tiere aus dem Tierheim zu holen, wo ihr Geschlecht von einem geschulten Tierarzt bestimmt wurde.

Schwerer Einstand für Neue

Die Tiere sind sehr revierbezogen, markieren es mit Urin und Kot und verteidigen es erbittert. Deshalb braucht man auch viel Fingerspitzengefühl und vor allem das nötige Wissen, wenn man ein neues Tier in eine Gruppe integrieren will. Da die Lebenserwartung von Mäusen zwischen einem und maximal drei Jahren liegt, wird sich immer wieder die Aufgabe stellen, dass ein oder mehrere neue Tiere in eine bestehende Gruppe integriert werden müssen. Die Zusammenführung ist jedesmal mit einem großen – auch zeitlichen – Aufwand verbunden.

Mäuse

Mäusegroßfamilie (Foto: Pixabay, Kapa65)

Ein Käfig ist zu wenig

Mäuse sind neugierige und aktive Tiere, besonders in der Dämmerung und in der Nacht. Sie benötigen sehr geräumige und gut strukturierte Behausungen. Die handelsüblichen Käfige sind viel zu klein. Wer den Tieren ein einigermaßen artgerechtes Leben gewährleisten möchte, muss selber zum Werkzeug greifen und ein Gehege bauen. Idealerweise werden auf einer Grundfläche von 1 m2 mehrere Etagen in die Höhe gebaut. Der Abstand der einzelnen Gitterstäbe muss zwischen 0,6 und 0,8 cm liegen. Das Gehege sollte über ausreichend Kletter­möglichkeiten verfügen, weiters über eine Tränke und Futternäpfe sowie ab­wechs­lungsreiche Beschäftigungs­materialien und Versteckmöglichkeiten wie Papprollen, Eierkartons, Leitern, Seile, Korkröhren, Holz- oder Kokoshäuschen, Nagematerialien und ein Sandbad. Als Einstreu (je höher, desto verhaltensgerechter, da Mäuse gerne buddeln) dienen Heu und Stroh. Ein Freilauf auf kontrollierbarem Areal ist ebenso begrüßenswert.

Aquarien oder Terrarien sind sind wegen der Urindämpfe und erhöhten Feuchtig­keit nicht geeignet. Der Standort des Geheges sollte erhöht und zugluftfrei sein. Die Luftfeuchtigkeit sollte nicht mehr als 60% betragen, Temperaturschwankungen oder zu hohe Temperaturen müssen vermieden werden.

Omnivor mit Vorliebe für markante Duftmarken

Als Mäusefutter dienen Körnermischungen mit Flocken (farbstofffrei, fettarm), wenig Gemüse, Kräuter (Brennessel, Löwenzahn, Kamillenblüten…), Obst. Die einmal pro Woche zu verabreichende Gabe von tierischem Eiweiß (Ei, Käse, Mehlwürmer) kann durch Nüsse ersetzt werden.

Zu bedenken ist weiters, dass der Tierhalter ein ordentliches Maß an Geruchstoleranz mitbringen muss. Der strenge Geruch, der vom Mäusegehege ausgeht, ist völlig natürlich, da die Tiere auch mit Geruchsmarken miteinander kommunizieren. Verwenden Sie keinesfalls sogenannte Nagerdeos, die leider am Markt erhältlich sind. Diese schädigen die empfindlichen Nasen der Nager und stören ihre Orientierung.

Neben dem guten Geruchsinn der Mäuse sind auch ihr Gehör (bis 100.000 Hz) und Tastsinn sehr gut entwickelt. Dafür sehen sie schlecht.

Labormaus

Labormaus: gequält und ausgenutzt. (Foto: Pixabay, tiburi)

Der schlimmste Feind der Maus: der Mensch

Vom Westen und Süden Europas bis Asien und Nordafrika sind acht Unterarten der Hausmaus verbreitet. Seit der Jungsteinzeit sind Mäuse Kommensale (=“Schmarotzer“) und Nahrungskonkurrenten der Menschen. Berühmtberüchtigt ist das Wirken der kleinen Tiere in den Getreidespeichern. In Ägypten, Griechenland und China galten weiße Mäuse als heilig. In unserer Zeit gehören gerade diese Tiere gemeinsam mit den Ratten zu den am meisten missbrauchten und misshandelten Tieren: In Versuchslabors werden jedes Jahr Millionen dieser kleine Lebewesen gequält und getötet. Aber auch als Futtertiere lassen unzählige Mäuse ihr Leben. Entschieden abzulehnen sind auch die Qualzuchten mit Mäusen: Tanz-, Nackt-, Lockenmäuse und andere. Ebenso entschieden abzulehnen ist das Ausbringen von Gift gegen Ratten und Mäuse, an dem die Tiere langsam und qualvoll sterben.

Internet- und Buchtipps

  • „Meine Farbmaus zu Hause“ von Melanie Teubler, ISBN: 3800177325
  • „Mäuse neugierig-munter-fit“ von Georg Gaßner, ISBN: 3800144824
  • www.diebrain.de/ma-index.html

Ratte – Rudeltier mit Platzbedarf

Ratten sind hochsoziale Gruppentiere, putzen sich gegenseitig, schlafen aneinander geschmiegt und dürfen deshalb niemals einzeln gehalten werden. Da es sich um Rudeltiere handelt, ist es noch besser, sie als Gruppe zu halten: entweder als gleichgeschlechtliche Gruppe oder mehrere Weibchen und ein kastriertes Männchen. Dafür ist natürlich ein großes Raumangebot nötig. Die gesetzlich vorgeschriebene Käfiggröße entspricht absolut nicht einer artgerechten Tierhaltung. Den äußerst bewegungsfreudigen Tieren sollte eine große Voliere mit mehren Etagen zur Verfügung stehen. Oft werden Kästen und Schränke zu Rattengehegen umgebaut. Das gut strukturierte Gehege sollte viele Klettermöglichkeiten bieten, ausreichend Einstreu, Versteckmöglichkeiten, Beschäftigungsmaterialien wie Papp- oder Korkröhren, Nagematerial, Nestbaumaterial wie Heu oder trockene Blätter, Seile, Schlafnester, ein Sandbad mit Chinchillasand und/oder Grabemöglichkeiten. Laufräder sind tabu! Ratten sind empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen, Hitze und Zugluft sind unbedingt zu vermeiden.

Ratte

Eine Ratte braucht viele Klettermöglichkeiten und Nagematerial. (Foto: Pixabay, jarleeknes)

Zähne sind zum Nagen da

Besonders die Weibchen entwickeln einen starken Nagetrieb. Bei ihrem täglichen Auslauf, der ihnen in einem geschützten Raum unbedingt zugestanden werden sollte, zerlegen sie gerne allerlei, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Wer hier nicht eine hohe Toleranzschwelle hat, sollte Ratten besser nicht bei sich aufnehmen. Spielgefährten für Kinder und Streicheltiere sind sie sicher nicht! Wenn sie sich bedrängt fühlen, können Ratten kräftig zubeißen.

Um die Tiere an sich zu gewöhnen, sollte man einen sanften und täglichen Umgang mit ihnen pflegen. Ratten sollten niemals am Schwanz hochgehoben werden, da dies sehr schmerzhaft ist, sondern immer in der hohlen Hand.

Die Tiere sind sehr aktiv und neugierig, aber gleichzeitig sehr stressempfindlich. Menschen, die eine Ratten auf der Schulter durch die Stadt tragen, wie man das immer wieder beobachten kann, setzen ihre Tiere einem großen Risiko und Stress aus. Unbekannte laute Geräusche können die Ratte in Panik versetzen und sie kann abstürzen.

Kletterer mit ausgeprägtem Geruch- und Hörsinn

Ratten sind dämmerungs- und nachtaktiv, die sehr anpassungsfähigen Heimtierratten sind aber auch am Tage munter. Sie sind bewegungsfreudig, geschickte Kletterer und können sogar senkrechte Flächen überwinden. Für die Balance haben sie einen sehr gut entwickelten Gleichgewichtssinn, ihr Schwanz dient dabei als Steuer und Stütze.

Ihr wichtigster Sinn ist der Geruchsinn, unter der Nasenhöhle befindet sich das Jacobsonsche Organ, das zur Wahrnehmung von Pheromonen dient. Weiters verfügen sie über ein sehr gutes Gehör (auch im Ultra­­schallbereich bis 80 kH) und einen guten Geschmacksinn. Zwar haben Ratten fast einen Rundumblick, ihre Sehschärfe ist aber gering und sie können nur einige Farben wahrnehmen.
Mit ungefähr fünf Wochen sind Ratten geschlechtsreif und können sich alle vier bis fünf Tage fort­pflan­zen. Das Männchen der Gruppe muss also unbedingt kastriert sein.

Ratte

Trotz ihrer Zutraulichkeit und Neugier brauchen Ratten auch Rückzugsmöglichkeiten. (Foto: Pixabay, Kapa65)

Der Magen der Ratte hat nur ein sehr geringes Fassungsvermögen, sie können nicht erbrechen. Ihre Grundnahrung bilden stärkereiche Körner und Samen (wenig Fett!), Grünfutter, wenig Obst (wegen der Fruktose), proteinreiches, auch tierisches Futter in Form von Käse (ohne Rinde), Joghurt, Ei gekocht.

Die Wanderratte stammt aus Asien und wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Europa ein­ge­bürgert. Sie ist die Stammform der weißen Laborratte. In der Folge wurden die zutraulichsten Tier ausgewählt und zu den friedfertigen, menschenfreundlichen Liebhaberratten gezüchtet.

Wenn Sie Ratten bei sich aufnehmen wollen, dann können Sie sich in Tierheimen erkundigen oder sie finden Ihre Ratten über Rattenvermittlungsstellen. Zum Beispiel werden im Forum von www.ratteninfo.at für Einzelratten sowie Rattenpaare neue Heimplätze gesucht.

Internet- und Buchtipps

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