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Pestizide Acker
Nicht nur die konventionelle Landwirtschaft baut Gemüse, Getreide und vor allem in großen Mengen Viehfutter unter Zuhilfenahme von vielen Tonnen Pestiziden und Düngemitteln an. In 85 Prozent der österreichischen Haushalte wird gegartelt oder der Balkon bepflanzt – und dabei oft tief ins Chemiefass gegriffen. 200.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden EU-weit jedes Jahr in Umlauf gebracht. Allein in Österreich sind 250 Herbizide zugelassen, 218 davon sind als umweltgefährlich eingestuft. Hinzu kommt, dass praktisch alle diese Substanzen an Tieren getestet wurden/werden. Viele dieser Produkte werden auch für den privaten Gebrauch angeboten und sind in jedem Gartencenter oder Baumarkt zu finden. Monsantos berüchtigtes „Roundup“ ist da nur die Spitze des Eisbergs.
Pestizide Acker

Pestizide: nicht nur in der Landwirtschaft gang und gäbe (Foto: Pixabay, hpgruesen)

Mit C-Waffen gegen die Natur

Eines der weltweit verbreitetsten Pestizide ist Roundup, produziert von Monsanto/Bayer. Es vergiftet Böden, Gewässer und die Umwelt und steht im Verdacht, krebserregend und Erbgut schädigend zu sein. Aber nicht nur dieses Mittel ist mehr als bedenklich. Die Europäische Union hat inzwischen einige Pestizide (leider nur teilweise und zeitlich begrenzt) verboten, weil sie maßgeblich für das Bienensterben verantwortlich sein dürften. Generell sind Pestizide eine Bedrohung für Umwelt, Tiere und die Gesundheit des Menschen. Einer Studie des Pestizid Aktions-Netzwerks zufolge sind 51 Pestizidwirkstoffe hormonell wirksam. Betroffen ist demnach nicht nur die Gesundheit der Gartenarbeiter selbst, sondern auch jene deren Nachkommen. Es geht dabei um alle Arten von Pflanzenschutzmitteln, um  „Unkraut“-Bekämpfungsmittel (Herbizide), Sprays zur Insektenabwehr (Insektizide), Mittel gegen Pilzkrankheiten (Fungizide) bis hin zum Schneckenkorn (Biozid). Eine grausame Realität, die die Studie übrigens auch aufzeigt: Sie verweist laufend auf Ergebnisse von Tierversuchen und macht uns somit deutlich, dass sämtliche Substanzen und Mischungen an Tieren getestet werden.

Solche Mittel sollten überhaupt nicht eingesetzt werden, und schon gar nicht in Privathaushalten. Schließlich existieren ausreichend natürliche und lebensraum-freundlichere Mittel, mit denen HobbygärtnerInnen ihr Auslangen finden können.

Tödlicher Kreislauf

Der Begriff Pflanzen“schutz“mittel allein ist schon ein Euphemismus und verschleiert ihre Konsequenzen. Pestizide, Fungizide und Herbizide töten nämlich alles ab und stören das natürliche Gleichgewicht. Wer Pestizide verwendet, setzt einen gefährlichen Kreislauf in Gang. Denn nicht nur die zu Lästlinge, die man bekämpfen will, werden durch die „Spritzmittel“ abgetötet, auch Nützlinge und andere Lebewesen. So kommt es teilweise zu akuten Vergiftungen mit sofortigem Tod oder zu unbemerkten Schädigungen, die erst verzögert zum Sterben der Tiere führen. In vielen Fällen steigt auch die Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten. Weniger Nützlinge im Garten bedeutet aber wiederum, dass es bald noch mehr Lästlinge gibt. Also wird zu immer mehr Pflanzenschutzmitteln gegriffen und das natürliche Gleichgewicht wird immer nachhaltiger zerstört. Der lebensfeindliche Kreislauf ist in Gang gesetzt.

Ähnlich verheerend wirkt sich der Einsatz von synthetischen Düngemitteln aus. Neben der bedenklichen Chemikalien enthalten die meisten Dünger aber auch tierliche Substanzen, konkret sind das Schlachtabfälle wie zermahlene Schweineborsten, Klauen und Hufe, Wolle, Feder, Blut, Knochen, Fleischmehl usw. Auf den wenigsten Etiketten findet sich eine Volldeklaration, man muss also beim Hersteller nachfragen… oder unseren Artikel „Vegane Biodünger für gesunde Böden“ lesen.

Regenwurm

Biodünger: Der Regenwurm im Garten hilft beim Humusaufbau (Foto: Pixabay, Natfot)

Der Garten als Lebens-Raum

Wir sollten aufhören, sowohl die Felder, auf denen wir Getreide oder Gemüse anbauen, als auch unsere Gärten und Balkone als Schlachtfelder zu betrachten und dementsprechend zu behandeln. Es geht nicht darum einen Sieg gegenüber einem „feindlichen Schädlingsheer“ zu erringen, sondern einen Natur-und Kulturraum zu schaffen, der ein echter Lebensraum ist: für Menschen, Tiere und Pflanzen. Das kann nur gelingen, wenn man sich um eine gesunde Balance bemüht. Auch sollten wir die Natur nicht „leer räumen“, um außer einem englischen Rasen und ein paar umgebenden Ziersträuchern nichts übrig zu lassen. Dazu sollten wir uns die Frage beantworten, wo wir echte Erholung und Freude finden: in einem sterilen, zurechtgestutzten Garten oder in einem vielfältigen, bunten Garten, in dem Insekten und Würmer, Vögel und Igel ihr Zuhause haben oder gerne einkehren, in dem wir immer wieder neue oder alte bekannte Besucher entdecken, in dem Mensch und Natur eine freundschaftliche Verbindung eingehen, des einander Verstehens und Respektierens – und nicht des Gegeneinander.

Eine schöne Fotostrecke mit hilfreichen Gestaltungstipps für einen ökologischen Garten gibt es hier. Besonders empfehlenswert sind die Anregungen der Permakultur, die zeigt, wie man durch die Wahl der Pflanzen, die richtige Mischung der Sorten, die Wahl des Standortes oder durch die Hilfe von Nützlingen dem Aufkommen von Krankheiten und dem Auftreten von Lästlingen meist vorbeugen kann – ganz ohne Chemie.

Weiterführende Informationen:

Filmtipp:

Linktipps für natürliches Gärtnern:

  • Natur im Garten bietet zahlreiche Broschüren von der Hummelkiste bis zur Integrationskiste.
  • die umweltberatung informiert ebenso über alle Bereiche im Naturgarten.

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