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Der Tod am Förderband

In unserer Industriegesellschaft werden nicht die Ställe an die Bedürfnisse der Tiere angepasst, sondern die Tiere in möglichst profitable und raumsparende Ställe, Käfige und Haltungsvorrichtungen gezwungen. So wie das Leben von Hühnern, Enten, Gänsen, Puten und Kaninchen industrialisiert wird, läuft auch die Tötung der Tiere maschinell und unpersönlich ab. Als wären sie leblose Objekte werden sie in Hängevorrichtungen von Förderbändern eingespannt. Dieses befördert sie dann zur Betäubung und zum automatischen Halsschnitt. Wer nicht oder nicht ausreichend betäubt wurde, hat Pech gehabt.

Das schreckliche Endes eines leid- und schmerzvollen Lebens (Foto: flickr, Farm Sanctuary, CC BY-NC-ND 2.0)

Das oberste Prinzip in der industriellen „Nutz“tierhaltung lautet: Raum und Zeit ist Geld. Also wird bei beidem eingespart. Wenn das Schlachtgewicht der Tiere erreicht ist oder die Legeleistung nachgelassen hat, dann ist es Zeit für den letzten Gang der Tiere. Auch hier wird an der Zeit gespart – auf Kosten der Tiere. In Großbetrieben werden sie von Maschinen auf engsten Raum zusammengeschoben und in Transportboxen gepfercht. Da kann nicht darauf Rücksicht genommen werden, ob sich ein Flügel verhakt, ein Fuß eingeklemmt wird. Die Boxen werden in die entsprechenden Tiertransport-LKWs übereinander gestapelt. Es folgt die Fahrt zum mehr oder weniger weit entfernten Schlachthof.

Kopfüber in den Tod

Ähnlich wie Hühner werden auch Enten, Puten, Gänse und Kaninchen kopfüber an ein laufendes Förderband gehängt und durchlaufen nun verschiedene Stationen. Das Einhängen in dieses sogenannte Schlachtband bei vollem Bewusstsein ist aufs Schärfste zu kritisieren. Die Tiere, die nie etwas anderes gesehen haben als ihren (oft auch noch abgedunkelten) Stall, sind allein schon durch den Transport verängstigt. Das Schlimmste kommt aber erst: Die Tiere werden kopfüber mit den Beinen in die Haltevorrichtungen des Schlachtbandes eingespannt. Vor sich haben sie einen zu Tode verängstigten Artgenossen, hinter sich einen verzweifelten Artgenossen. Alles muss schnell gehen, das Band ist in Bewegung… Da die Tiere ja in kurzer Zeit hochgemästet wurden, wirkt die Schwerkraft ihrer unnatürlich schwergewichtigen Körper umso mehr auf die zarten Knochen und Gelenke der Tiere, die mit der Turbomast nicht Schritt halten konnten. Hinter vorgehaltener Hand berichten Insider von Schlachthöfen, in denen unter der Stelle, an der die Tiere eingehängt werden, ein Berg an abgetrennten Gliedmaßen liegt. Die Öffentlichkeit erfährt kaum von diesen Missständen. Zutritt zu Schlachthöfen wird nur ausgewählten Personen gewährt, die Kontrollen sind ungenügend und über allem steht der Zwang zu immer mehr Profit.

Das Schlachtband bewegt die eingehängten Tiere nun zu einem Wasserbad, in das sie getaucht werden, um mittels Elektroschock betäubt zu werden. Tiere, die etwa in Panik den Kopf gehoben haben, erleben auch den weiteren Tötungsvorgang bei vollem Bewusstsein. Das Schlachtband befördert die im Idealfall betäubten Tiere nun zur nächsten Station, wo ihnen mit einem Schnitt die Halsschlagader durchtrennt wird. Durch dieses Entbluten tritt der Tod ein. Auch dieser Teil der Schlachtung erfolgt maschinell. Danach ist allerdings ein Schlachter positioniert, der den Halsschnitt sehr oft wiederholen muss, dann nämlich, wenn der maschinelle Halsschnitt nicht tief genug war.

In manchen Schlachthöfen werden die Tiere vor dem Einhängen ins Schlachtband mit Kohlendioxyd betäubt. Auch diese Methode ist für die Tiere ein höchst schmerzhafter Vorgang, da das Gas auf den Schleimhäuten ein brennendes Gefühl verursacht und zu Atemnot und Erstickungsgefühlen führt.

animal.fair fordert wie die meisten Tierrechts- und Tierschutzorganisationen massive Verbesserungen in den Schlachthöfen, dazu gehören strengere Kontrollen, auch von Tierärzten, die nicht in einem Beschäftigungsverhältnis zum Schlachthof stehen, weiters die verpflichtende Videoüberwachung sowie alternative Betäubungsarten, etwa mit Helium.

Obwohl Tierschutzorganisationen ihre Arbeit extrem schwer gemacht wird, zeigen Undercover-Videos – egal ob aus Österreich oder Deutschland oder anderen Ländern, immer wieder, wie schwer Tiere beim Transport oder im Schlachthof misshandelt werden. Neue Gesetze, strengere Kontrollen, Videoüberwachung sind dringend nötig.

Mastkaninchen Käfighaltung

Das Leiden der Mastkaninchen – vor der Öffentlichkeit verborgen (Foto: Wikimedia Commons, Eugenio Hansen, OFS, CC BY-SA 3.0)

Alle vor ihrer Zeit

Die meisten Tiere werden im Kindesalter im Schlachthof getötet.

Ein Masthuhn wird im Durchschnitt bereits im zarten Alter von nur fünf bis sechs Wochen getötet. Legehennen werden üblicherweise nach 12 bis 17 Monaten geschlachtet – sobald sie nicht mehr genügend Eier legen. Die natürliche Lebenserwartung von Hühnern liegt zwischen acht und 15 Jahren.

Enten werden mit drei bis vier Monaten geschlachtet. Natürlicherweise werden sie 15-20 Jahre alt.

Gänse werden nach 12-24 Wochen getötet. Ihr natürliche Lebenserwartung beträgt demgegenüber 35 bis 40 Jahre.

Puten (=Truthühner) werden im Alter von zwei bis vier Monaten geschlachtet. Von Natur aus werden sie im Durchschnitt 15 Jahre alt.

Und Kaninchen werden als Masttiere bereits nach zwei bis drei Monaten getötet, Muttertiere nach knapp zwei Jahren und Rammler nach drei Jahren. Die natürliche Lebenserwartung von Kaninchen liegt bei 10 Jahren.

Quellen und weiterführende Links

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