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Liebes Christkind, noch mehr Spielzeug?

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Die meisten Kinderzimmer sind besser sortiert als ein kleines Spielzeuggeschäft. Auf den Wunschzetteln ans Christkind stehen dennoch fast immer: Spielsachen. Der Großteil davon kommt aber leider nicht aus der Himmelswerkstatt. Vielmehr wird in China unter erschreckenden Umständen produziert. Worauf beim Einkaufen geachtet werden sollte und wo das Christkind wirklich tolle Geschenke findet, haben wir hier zusammengefasst.
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Schon die Kleinsten werden an buntes Plastikspielzeug aus chinesischer Massenproduktion gewöhnt. (Foto: Pixabay, PublicDomainPictures)

„Made in China“ – Nein, danke!

Wenn weiterhin so viel Spielzeug eingekauft wird, prognostiziert die Statistik für Österreich für das Jahr 2020 einen Umsatz von 265 Millionen EUR in diesem Verkaufsbereich. Davon profitieren heimische Hersteller und kleine lokale Händler leider kaum. Denn der Großteil des Spielzeuges wird online gekauft. Oder in großen Geschäften wie Toys r Us, Müller, Interspar oder Thalia besorgt. All die kleineren Spielwarenhändler kämpfen meist um jeden Kunden. Das Angebot an billigeren Waren ist einfach zu verlockend und groß. Hier sind ganz einfach die KonsumentInnen gefragt: Wir entscheiden mit jedem gekauften Spielzeug, welche Art der Produktion gefördert wird.

Über 80 Prozent des in Österreich verkauften Spielzeuges stammt aus China – das sind zwei von drei Spielsachen. In chinesischen Fabriken wird also eine gewaltige Masse für den weltweiten Spielwaren-Markt hergestellt. Dieses Marktsegment ist in den vergangenen Jahren quasi explodiert: An jeder Ecke, von der Tankstelle bis zum Gasthaus, gibt es Spielsachen zu kaufen. Da auch Kinderzimmer nur eine begrenzte Anzahl an Artikeln aufnehmen können, aber immer mehr neue Spielsachen hereinkommen, ist die Lebensdauer einer Spielware im durchschnittlichen Haushalt drastisch gesunken.

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Macht mehr Spielzeug wirklich mehr Freude? (Foto: Pixabay, 5712495)

Damit diese riesige Menge an Spielsachen in der kurzen Zeit überhaupt produziert werden kann, arbeiten die Menschen in Billiglohnländern wie China unter extremen Bedingungen. Undercover-Recherchen zeigen leider immer noch, dass die meisten Firmen ihre Mitarbeiter menschenunwürdig behandeln. Und auch die Inhaltsstoffe der Produkte sind viel zu oft nicht frei von Schadstoffen. Wir schaden mit diesen Produkten also den Arbeitern in der Produktion und auch der Gesundheit unserer Kinder.

Ausbeutung der ArbeiterInnen

Im aktuellen „Toys Report 2017“ zeigt die Organisation Solidar Suisse zusammen mit China Labor Watch und Christlicher Initiative Romero die prekären Zustände in der Spielwarenindustrie. Hier ein Auszug der Ergebnisse ihrer investigativen Recherchen:

  • Überstunden von bis zu 140 Stunden
  • Mindestlöhne die nicht für ein menschenwürdiges Leben ausreichen
  • fehlender Arbeitsschutz wie defekte Feuerlöscher, zu wenige Gesichtsmasken und Handschuhe
  • Unwürdige Lebensumstände wie überfüllte Schlafsäle, schlechtes Essen und zu wenige, unhygienische sanitäre Anlagen
  • Keine oder ungenügende soziale Absicherung
  • Immer wieder kommt es zu Suizid-Fällen aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen
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Massenproduktion made in China (Foto: Pixabay, Efraimstochter)

Untersucht wurden hier Spielwarenfabriken, die auch für Mattel, Hasbro und Disney produzieren. Aber fast alle Firmen lassen billig in China herstellen. Beim Aufdruck „Made in China“ ist also generell Vorsicht geboten. Und das nicht nur aus ethischer Verantwortung: Immer wieder dokumentieren Berichte, dass in China nicht nur ArbeiterInnen ausgebeutet werden. Auch Umwelt- und Tierschutz ist im Großteil der chinesischen Fabriken kein Thema. Darum unterstützt der Kauf dieser Produkte auch Umweltverschmutzung und Tierqual.

Ungesundes Spielzeug

Nicht nur bei der Herstellung von Spielwaren werden oft giftige Substanzen verwendet. Leider sind auch in den hübschen Produkten immer wieder sind gesundheitsschädliche Stoffe enthalten. Dazu zählen Weichmacher wie Phtalate und Nitrosamine in Plastikspielwaren. Bei Holzspielsachen enthalten Farben und Lacke leider oft Blei oder Cadmium. Da auch namhafte Hersteller teilweise in China oder anderen Billiglohnländern produzieren lassen, raten wir dringend, beim Einkauf gut abzuwägen.

Aber es geht auch anders: In unserem Blogartikel “Spielzeug zu Weihnachten – Fair & gesundheitlich unbedenklich” haben wir eine Liste von gesundheitlich unbedenklichen Spielsachen zusammengestellt.

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Selbst bei Holzspielzeug ist darauf zu achten, dass die Farben und Lacke gesundheitlich unbedenklich sind. (Foto: Pixabay, Thaliesin)

Weniger ist mehr

Wenn am Heiligen Abend die Kerzen und Kinderaugen leuchten, freuen sich auch die Großen. Aber nach dem schnellen Aufreißen der Packerl bleibt oft ein schales Gefühl: Trotz vieler Spielsachen sind viele Beschenkte unzufrieden und wünschen sich schon das nächste Spielzeug. Die Überfülle an Angebot macht echte Freude oft gar nicht mehr möglich. Man will einfach immer mehr. Dabei ist es eigentlich einfach im wahrsten Sinne des Wortes: „Weniger ist mehr“ sagt ein altbewährtes Sprichwort.

Die wichtigste und schönste Zeit ist jedoch vor der Bescherung: Die Wunschzettel-Zeit. Sie ist eine wunderbare Gelegenheit, in sich hinein zu hören, was einem wirklich wichtig ist. Und dem anderen genau zuzuhören, worüber er sich richtig freuen würde. Oft sind es keine Dinge, sondern Gutscheine für Workshops oder Ausflüge, sogenannte Zeit-Geschenke. Gemeinsam etwas zu tun, das beiden Spaß macht, ist eine unbezahlbare Erinnerung.

Familie

Unbezahlbar: Zeit und Spaß miteinander, ganz ohne Spielzeug. (Foto: Pixabay, Pezibear)

Einkaufs- und Ausleihtipps für tolles Spielzeug

  • Wunderschöne Spielsachen finden sich auch auf Christkindl-Märkten, hier gibt es oft schönes Handwerk und Fair Trade Produkte.
  • Ein guter Tipp sind auch Second Hand Shops: So muss nichts Neues produziert werden und allfällige Giftstoffe in den Spielsachen sind schon ausgewaschen. (Hier weitere Argumente für gebrauchte Waren von Der Umweltberatung.)
  • Gebrauchte Kinderbücher finden sich sogar gratis in den vielen Bücherschränken Österreichs.
  • Natürlich findet sich in unserem Ethischen Einkaufsführer eine ganze Liste mit Tipps, wo animal.faires Spielzeug zu finden ist.

Wer nicht immer noch mehr Spielzeug kaufen möchte, kann bequem immer neues Spielzeug ausleihen. So spart man Geld, Ressourcen und Platz im Kinderzimmer ;-) Es gibt schon einige Spielsachen-Verleiher, wie zum Beispiel PicoClan, ein österreichisches Unternehmen. Auch für LEGO®-Fans gibt es ein eigenes Ausleih-Service – leider aber derzeit nur in Deutschland: www.bauduu.de.

Lego

Legosteine kann man auch ausborgen. (Foto: Pixabay, Semevent)

Wir wünschen Euch eine wirklich schöne Bescherung mit Euren Liebsten. Und wir freuen uns immer, wenn Ihr gute Geschenks-Ideen mit uns teilen wollt ;-)

Ein Artikel von Sandra