Leder? Ein alter Hut!

Ressourcenschonende, pflanzliche Alternativen sind langsam auf dem Vormarsch, um tierliche oder wenig nachhaltige Materialien Stück für Stück in den Hintergrund zu rücken. In der Bekleidungsindustrie ist Leder als lukratives Nebenprodukt der Fleischproduktion der größte Mitverursacher von Tierleid! Kork und Hanf haben als Alternativen zu Leder und Baumwolle schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Doch da geht noch mehr! In den letzten Jahren gibt es immer wieder spannende Entwicklungen, besonders (aber nicht nur) im Textilbereich. Wir stellen ein paar interessante Projekte vor.

Algenschaum wird erstmals in der Schuhproduktion eingesetzt (Foto: Pixabay/fraugun)

Algen am Fuß

…holt man sich neuerdings nicht nur im Meer, sondern auch im Schuhgeschäft.

Das britische Unternehmen Vivobarefoot stellt seit kurzem ein Sneakermodell auf Basis von Algen her. Den Rohstoff bezieht der Schuhhersteller von der Firma Bloom, die Biomasse aus Seen und Teichen erntet. Die Algen werden nicht extra gezüchtet, sondern geerntet, wo sie natürlich wachsen, aber Schaden anrichten würden. Die natürlichen Eigenschaften der Algen machen es möglich, daraus einen flexiblen, aber reißfesten Schaum herzustellen, der zu verschiedenen Produkten verarbeitet werden kann – eine willkommene pflanzliche Alternative zu Schaum auf Mineralölbasis. Der Schuh ist 100% recyclebar und für trockene und nasse Umgebungen (auch Wassersport) geeignet.

Ananasblätter kann man neuerdings als Schuh oder Handtasche tragen… (Foto: Pixabay/AUREOSCR)

Äpfel, Bananen, Ananas – Stoff statt Obstsalat

Besonders im Bereich Kleidung, Taschen und Schuhe werden Pflanzen als neue Rohstoffquelle zur Faser- und Materialherstellung entdeckt:

Aus Äpfeln hat ein italienisches Unternehmen eine Alternative zu Leder entwickelt. Apfelreste, die nach der Saftpressung übrigbleiben, werden getrocknet und pulverisiert. Anschließend wird unter Beigabe von Farbe und Bindemittel ein Material hergestellt, aus dem mittlerweile Taschen und Schuhe produziert werden.

Bananenfasern werden aus dem Stamm der Bananenstaude gewonnen. Die Verwendungsmöglichkeiten sind vielseitig, so können aus den Fasern Seile, Matten, Webstoffe und sogar Papier hergestellt werden. Das Unternehmen Green Banana Paper kauft die Bananenstauden den umliegend ansässigen Bananenbauern nach der Ernte der Früchte ab und macht daraus Geldbörsen und Laptop-Taschen.

Schon eine Zeit lang am Markt ist Piñatex®, ein lederähnliches Material aus Ananasblättern, die als Nebenprodukt der Ananasernte anfallen. Beim Herstellungsprozess werden im Gegensatz zu Leder keine giftigen Chemikalien oder Schwermetalle verwendet. Piñatex® ist ein atmungsaktiver und weicher Stoff, der vielfältig verwendet werden kann von Kleidung über Schuhe bis hin zu Accessoires und Möbeln.

Fasern aus Gras können teilweise Holz in der Papierherstellung ersetzen (Foto: Pixabay/Alexas Fotos)

Papier aus Gras, wie geht denn das?

Trotz Digitalisierung steigt der Bedarf am Rohstoff Papier stetig an. Ein deutsches Unternehmen hat aus Gras eine Alternative zu Zellstoff aus Holz entwickelt. Die neue Faser kann herkömmliche Zellstoffe noch nicht vollständig ersetzen, aber bietet bereits viele Einsatzmöglichkeiten. Das Gras wird von deutschen Wiesen gewonnen und mehrmals im Jahr geerntet. Die daraus hergestellte Faser wird als Zugabe bei der Papierherstellung genutzt und reduziert so den Verbrauch von Fasern aus Holz um bis zu 50%. Die Ressource Holz wird geschont und die Nebeneffekte von Waldwirtschaft und Holzernte werden verringert. Das Papier mit Grasanteil ist selbstverständlich recyclingfähig und eine nachhaltige, immer wieder rasch nachwachsende Lösung für die Papierherstellung.

Laub kann zu Geschirr werden – wer hätte das gedacht? (Foto: pixabay/Kaz)

Von Blättern essen

Aber mit Stil! Die Firma Leaf Republic produziert Einweggeschirr aus Laub. Die verwendeten Blätter stammen von einer nachwachsenden Schlingpflanze in Asien und Südamerika, wo sie von Einheimischen gepflückt werden. Das Geschirr selbst besteht tatsächlich nur aus diesen Blättern, sowie einer Schicht Papier, das aus derselben Pflanze hergestellt wird. Die Teller, Schüsseln und Schalen sind daher zu 100% biologisch abbaubar und dürfen nach der Gartenparty am Komposthaufen landen.

Zum Weiterlesen

Noch ein paar mehr erstaunliche Materialien und die Gründe, warum Leder, Wolle, Seide und Co unseren Kleiderschränken fernbleiben sollten, findet ihr in unserer Infothek:

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Ein Artikel von Sabrina

1 Kommentar

  • Ingrid sagt:

    Vielen Dank für die wertvollen Infos.
    Ich möchte gerne eine alte Leder-Sitzgarnitur, deren Innenleben noch voll in Ordnung ist,
    neu tapezieren lassen. Aber eben nicht mehr mit Leder, sondern einer guten Alternative.
    Also pflegeleicht, abwischbar und angenehm zum Drauf-Sitzen.
    Gibt es da Erfahrungswerte und Tipps, wohin ich mich wenden kann?
    Die Fragen sind:
    1) Woher bekomme ich das Material, wo kann ich es ansehen /befühlen?
    2) Welcher Möbel-Tapezierer kann es verarbeiten?

    Vielen herzlichen Dank, wenn Ihr mir da weiterhelfen könnt!

    Liebe Grüße
    Ingrid