Die Marke hinter der Marke

Wir alle kaufen nach unterschiedlichen Kriterien ein. Es soll bio sein oder ohne tierliche Inhaltsstoffe, nachhaltig oder unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen produziert. Oder alles zusammen – je nach persönlichem Schwerpunkt. Manchmal ist es gar nicht so einfach zu erkennen, welches Produkt man mit gutem Gewissen in den Einkaufswagen legen kann. Denn auch hinter „guten“ Marken steht oft ein großer Konzern, der alles andere als biologisch, vegan oder fair produziert. 
Großkonzerne hinter Bio-Marken

Augen auf beim Einkaufen (Foto: Pixabay, AlexasFotos)

Lebensmittel

Ein paar Beispiele aus dem Lebensmittelbereich:

Provamel, eine Bio-Marke von pflanzlichen Alternativen zu Milchprodukten, gehört zu Alpro, einer entsprechenden konventionellen Marke. Die beiden sind Teil von Whitewave Foods, einem vegan-orientierten Unternehmen. So weit, so gut. Vor ein paar Jahren wurde Whitewave vom französischen Getränke- und Lebensmittelkonzern Danone übernommen – ein Unternehmen, das bei uns besonders für Produkte auf Milchbasis bekannt ist. Mit dem Kauf der veganen Produkte von Provamel und Alpro werden also seit der Übernahme konventionelle Milchprodukte quersubventioniert.

Pukka Herbs, ein britischer Hersteller von Bio-Tees, die auch bei uns in Biosupermärkten erhältlich sind, wurde vor einiger Zeit vom Großkonzern Unilever gekauft. Unilever ist einer der großen Player im Lebensmittel-, Kosmetik- und Reinigungsmittelbereich mit konventionell hergestellten Marken wie Knorr, Dove oder Omo. Pukka war 2016 der am schnellsten wachsende Bio-Hersteller für Tee. Man kann erahnen, welche Motive hinter der Übernahme stecken.

Der Schweizer Hügli-Konzern steckt wiederum hinter den beiden im Reformhaus bzw. Biosupermarkt erhältlichen Marken Eden und Heirler (vegane und vegetarische Fleischalternativen). Viele andere Marken von Hügli werden konventionell produziert und enthalten tierliche Produkte.

Großkonzerne hinter Bio-Marken

Hinter vielen vermeintlich „guten“ Marken steht ein konventioneller Großkonzern (Foto: Pixabay, jplenio)

Reinigungsmittel und Kosmetika

Auch hier bedeutet ein Naturkosmetik- oder Bio-Gütesiegel noch nicht, dass alles gut ist. Viele konventionelle Hersteller entwickeln eine Öko-Marke, um sich auch in diesem Sektor Marktanteile zu verschaffen und noch mehr Umsatz zu erzielen. Oder man kauft sich einfach eine bis dahin unabhängige und gut funktionierende Marke, hat Geld für die Entwicklung gespart und will nun die Gewinne einstreifen. Vor kurzem so geschehen, als der L’Oréal-Konzern das Naturkosmetik-Unternehmen Logocos (u.a. Logona und Sante) übernommen hat.

Natürlich treten die biologischen Marken eigenständig auf; die Zugehörigkeit zum jeweiligen Großkonzern ist wie bei Lebensmitteln kleingedruckt auf der Packung erkennbar oder durch verzweigte Strukturen mit Tochterunternehmen erstmal nicht offensichtlich. Trotzdem lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Wenn eine Reinigungsmittel- oder Kosmetikmarke zu einem großen Konzern gehört, der Tierversuche durchführt, dann gilt aus unserer Sicht die besagte Kosmetikmarke ebenfalls nicht mehr als tierversuchsfrei. Denn jeder Euro, der an diese Marken geht, stützt den Mutterkonzern inklusive seiner Arbeitsweisen.

Großkonzerne hinter Bio-Marken

Recherche ist heute immer und überall möglich (Foto: Pixabay, DariuszSankowski)

Hilfe am Handy – die „Buycott“ App

Die kostenlose App „Buycott“ zeigt dir, welcher Konzern hinter einer Marke steht und informiert über Kritikpunkte am jeweiligen Unternehmen. Das wichtigste Feature der App ist ein Barcode-Scanner, mit dem man den Strichcode eines Produktes mit der Handy-Kamera scannt. Danach zeigt die App, welcher Hersteller hinter dem jeweiligen Produkt steckt, und zu welchem Konzern die Marke gehört. Buycott erkennt hauptsächlich Produkte von multinationalen Konzernen, da die App für den US-amerikanischen Markt entwickelt wurde. D.h. dass bei Produkten und Firmen aus Österreich und Deutschland meist noch Bilder und genauere Infos fehlen. Wenn man ein Produkt scannt, das in der App noch nicht gelistet ist, kann man es allerdings in ein paar Schritten selbst ergänzen.
Buycott gibt es für iOs- und Android-Geräte.

Was tun?

Soll man nun die „gute“ Marke eines Konzerns kaufen, um dem Mutterunternehmen zu zeigen, welche Werte und Produktionsweisen einem wichtig sind, welche Marke Unterstützung hat und ausgebaut werden soll oder lieber ausschließlich die kleineren tatsächlich rundum „sauberen“ Produzenten unterstützen? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Wir von animal.fair raten dazu, die kleineren unabhängig produzierenden Marken zu kaufen. Hilfe beim Einkauf bietet euch der Ethische Einkaufsführer.

Und pssst – noch etwas Werbung in eigener Sache – wer animal.fair-Mitglied wird, bekommt mit der animal.fair-Card bei vielen tierfreundlich, vegan und ökologisch herstellenden Produzenten und Händlern Rabatt!

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Ein Artikel von Sabrina

2 Kommentare

  • Annette Bischoff sagt:

    Das ist ein wirklich schwieriges Thema. Leider hat meines Wissens bisher der Aufkauf einer nachhaltigen und tierversuchsfreien Marke bei den jeweiligen Konzernen nicht zum Umdenken und einer Änderung ihrer generellen Ausrichtung hinsichtlich Nachhaltigkeit und Tierversuche geführt.

    • Sabrina sagt:

      Liebe Annette, ja, da hast du leider völlig recht. Da geht es momentan nur um das Erschließen einer im Konzernportfolio noch fehlenden Nische. Deshalb empfehlen wir von animal.fair nach wie vor die tatsächlich noch „sauberen“ kleinen Hersteller.
      Danke für dein Feedback und liebe Grüße.
      Sabrina