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Die große Lüge: Warum Fleisch so billig verkauft wird

Der Fleischkonsum in Österreich hat gewaltige Ausmaße. Mindestens eine Mahlzeit mit Fleisch am Tag ist für viele nicht mehr wegzudenken. Dies liegt unter anderem am geringen Preis des Fleisches. Der Preis entspricht jedoch nicht den wahren Kosten der Produktion. Die Differenz zahlen wir alle und zwar egal, ob wir Fleisch konsumieren oder nicht. Wir tragen als SteuerzahlerInnen zu den unfair verteilten Agrarsubventionen bei und zusätzlich bezahlen wir auch die Reparaturen und Ausgleichsmaßnahmen der bei der Fleischproduktion entstehenden Umweltschäden mit Steuergeldern.

Für die einen ein Lebewesen, für die anderen gewinnbringendes Konsumgut (Foto: Pixabay, Sportfood4you)

Fleischkonsum in Österreich

Zur Veranschaulichung ein paar Zahlen zur Fleischproduktion und -konsum:

  • In Österreich werden jährlich um die 930.000 Tonnen Fleisch produziert. Das entspricht 5.601.000 geschlachteten Schweinen, 615.000 Rindern, 73.000 Kälbern, 288.000 Schafen und Lämmern, 53.900 Ziegen, 1000 Pferden und 73,4 Mio. Hühnern.
  • Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch beträgt somit 98,4 kg. Das bedeutet, dass nach Abzug der nichtkonsumierten Teile im Schnitt jede Person in Österreich 65 kg Fleisch im Jahr isst. Diese Zahlen beziehen sich hingegen nur auf in Österreich geschlachtete Tiere, das heißt der tatsächliche Verzehr ist noch umfangreicher.
  • Im internationalen Ranking liegt Österreich somit in der EU auf Platz 3 und weltweit auf Platz 15 der Länder mit dem größten Pro-Kopf-Fleischverbrauch.

Fleisch soweit das Auge reicht. Muss das sein? (Foto: Pixabay, Karamo)

Agrarförderungen

Diese riesigen Mengen an Fleisch können nur produziert werden, da die Fleischindustrie stark subventioniert wird. Die Verteilung des Geldes geschieht ohne Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Tierfreundlichkeit der Produktion oder Größe des Betriebs.

EU-Agrarsubventionen

Das Programm Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) regelt die Land- und Ernährungswirtschaft auf EU-Ebene und umfasst vor allem eine umfangreiche Förderpolitik. GAP verfügt über knapp 40 % des EU-Budgets, also ein bisschen weniger als 60 Milliarden Euro. Dieser Topf teilt sich in zwei Bereiche auf. Der größere Teil (75 %) wird nach dem Gießkannen-Prinzip pauschal pro Hektar an alle Betriebe verteilt. Somit bekommen die größten Betriebe die meisten Förderungen, ganz egal wie umweltschädlich sie wirtschaften. Der zweite Teil ist für die individuelle Förderung, wie etwa von Gegenden mit erschwerten Bedingungen, aber auch für Investitionen wie z.B. in Ställe vorgesehen.

So fördert die EU die Intensivierung der Landwirtschaft und den Ausbau von Ställen mit bis zu 50 % – und das ohne Auflagen zu Haltungsbedingungen. Insgesamt stehen der fleischverarbeitenden Industrie in der EU jährlich 240 Millionen Euro des EU-Haushaltes zur Verfügung.

Hinzu kommt aber noch, dass EU-Staaten Tierfabriken außerhalb der EU mit Millionen aus öffentlichen Geldern finanzieren und subventionieren. Die Haltungsbedingungen in diesen Tierfabriken sind in der EU gesetzeswidrig. Das Fleisch landet aber auf heimischen Märkten, meist in schlecht nachvollziehbarer, verarbeiteter Form, etwa als Wurst auf Pizzen.

Subventionen in Österreich

Der Staat Österreich teilt jährlich 1,6 Milliarden Euro auf die landwirtschaftlichen Betriebe auf. Dabei bekommen aber die zehn größten jeweils mehr als 300.000 Euro Förderung jährlich. Es ist allerdings nicht einsehbar wie viel der Bund, die Länder und Gemeinden als Subventionen an die Fleischindustrie auszahlen.

Riesige Tierfabriken als Gewinner der Agrarpolitik (Foto: Pixabay, Anneverschraagen)

Auswirkungen der Fleischproduktion

Die Fleischproduktion zieht eine Reihe von Folgen nach sich, die Konsumenten oft gar nicht kennen. Es entstehen dabei Folgekosten, die erst recht nicht im Kaufpreis inbegriffen sind. Oft ist es auch sehr aufwändig, die teils weitreichenden Auswirkungen der Massentierhaltung überhaupt nachzuvollziehen. Hier ein Überblick über die bekanntesten Folgen:

Futtermittel aus Südamerika

Zum einen wird bei der Rinder-, Schweine- und Hühnermast unter anderem Soja eingesetzt. Die Masttiere in Österreich fressen jährlich rund 670.000 Tonnen Soja, welches zu einem großen Anteil aus Argentinien und Brasilien kommt. Noch dazu sind ca. 90 % des importierten Sojas gentechnisch verändert und stammen hauptsächlich vom Konzernriesen Monsanto.

Intensiver Anbau von Sojabohnen, statt Regenwald oder kleinräumiger Anbau lokaler Lebensmittel (Foto: Pixabay, jestermaroc)

Landverbrauch

Hinzu kommt, dass nach Schätzungen der UNESCO ungefähr 70 % der weltweiten landwirtschaftlichen Flächen der Nutztierhaltung dienen. Ein Großteil dieser Flächen befindet sich im globalen Süden, wo zur Maximierung der Flächen Regenwald abgeholzt wird und immer weniger Land für den Anbau von Lebensmitteln für die Bevölkerung bleibt.

Wasserverbrauch

Zum anderen benötigt die Fleischproduktion enorme Wassermengen. Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verbraucht rund 15.000 Liter Wasser. Zusätzlich verseucht das Ausbringen von den großen anfallenden Mengen an Gülle das Grundwasser. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich konnten im Grundwasser in der Nähe von Schweinemastbetrieben Nitratwerte weit über dem Grenzwert nachgewiesen werden. Einerseits gefährdet die Massentierhaltung das Trinkwasser, und damit unsere Gesundheit, andererseits kommt es zu einer Überdüngung der umgebenden Ökosysteme und aller Gewässer, bis hin zum Meer.

Oftmals wird mehr Jauche aufs Feld ausgebracht als die Fläche verkraftet (Foto: Pixabay, Myriams-Fotos)

CO2-Ausstoß

Die Nahrungsmittelproduktion erzeugt in Österreich jedes Jahr 12,5 Mio. Tonnen CO2 und liegt damit knapp über dem Ausstoß aller Autos in Österreich mit 12 Mio. Tonnen CO2 jährlich. Weltweit gesehen liegt der Anteil der Fleischproduktion am Ausstoß von klimaaktiven Gasen zwischen 18 und 51 %. Denn nicht nur CO2 entsteht in der Massentierhaltung, hinzu kommen noch das wesentlich schädlichere Lachgas, das bei der Ausbringung von Gülle aus der Schweinemast in die Atmosphäre gelangt, und Methan, welches Kühe bei ihrer Verdauung produzieren.

Resistente Keime

Durch die unnatürlichen Haltungsbedingungen auf engstem Raum, erkranken die Tiere häufig. Oftmals werden Antibiotika auch schon vorbeugend gegeben, da die Angst vor Epidemien in den riesigen Ställen groß ist. Dies ist vor allem in der Schweinezucht gang und gäbe. Die Mastbetriebe werden so zu Brutstätten für multiresistente Keime, die auch die menschliche Gesundheit gefährden.

Dicht an dicht gedrängt haben Krankheiten ein leichtes Spiel (Foto: Pixabay, afnewsagency)

Resteverwertung in afrikanischen Ländern

Obendrein hat die europäische Fleischproduktion auch noch unvertretbare humanitäre Auswirkungen. Die Agrarsubventionen zerstören nicht nur die kleinbäuerlichen Betriebe in Europa, sondern auch die Existenz von Bauern und Bäuerinnen in vielen afrikanischen Ländern. Die Reste von Geflügel, wie Hals und Rücken, die europäische KonsumentInnen nicht kaufen, werden zu extrem niedrigen Preisen unter anderem nach Ghana, Benin und die Demokratische Republik Kongo verkauft. Das importierte Fleisch ist billiger als lokal aufgezogene Hühner und entzieht so den LandwirtInnen ihre Existenzgrundlage.

Fazit

Die Liste der negativen Auswirkungen der Fleischindustrie sind nicht enden wollend. Zum Beispiel könnte man gleich fortsetzen mit den grausamen Bedingungen in der Massentierhaltung. Dazu könnt ihr in unseren Infothek-Artikeln zu Schweine-, Rinder- und Geflügelmast mehr lesen.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass KonsumentInnen über die Auswirkungen ihres Konsums aufgeklärt werden, um mündige Entscheidungen treffen zu können. Zusätzlich würde eine Subventionierung des Anbaus von Hülsenfrüchten anstelle von Fleischproduktion einen finanziellen Anreiz bieten, auf Fleisch zu verzichten und jene belohnen, die dies ohnehin schon tun. Außerdem dürfen Steuergelder nicht mehr zur Unterstützung von industrieller Landwirtschaft und deren Konzernen missbraucht werden. Wenn wir dieser Fehlentwicklung ein Ende bereiten wollen, müssen Agrarsubventionen an ökologisch nachhaltige Bewirtschaftung, artgerechte Haltungsbedingungen und kleine Betriebsgrößen gekoppelt werden.

Ein Artikel von Barbara

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