Darauf kommt’s an bei Körperpflege & Kosmetik

Stutenmilch, Seidenproteine, Karmin (Läuse), Gelée Royal, Tierfett aus Schlachtabfällen oder das Wollwachs Lanolin von schwerst misshandelten Schafen – das sind nur einige Substanzen in Kosmetikprodukten, für die Tiere leiden oder getötet werden…. auch in grausamen Tierversuchen. Ein entsprechendes EU-Verbot schützt nur bedingt vor Tierversuchen. Umso wichtiger ist es, zu wissen, ob nicht vielleicht der Mutterkonzern einer Marke Tierversuche durchführen lässt.

Im Ethischen Einkaufsführer empfehlen wir zudem ausschließlich echte Bio- und Naturkosmetik. Erstens weil die Rezepturen mit pflanzlichen und mineralischen Inhaltsstoffen die Chance deutlich erhöht, dass keine Tierversuche im Spiel sind. Zweitens belastet sie die Umwelt nicht und drittens ist sie für unsere Haut und unsere Gesundheit besser. Wir zeigen, welche Kriterien Kosmetik erfüllen muss, um uneingeschränkt empfehlenswert zu sein, und welche Siegel bei der Auswahl helfen.

Wieviel Tierleid verbirgt sich hinter dem Anti-Aging-Serum? (Foto: Pxhere, CC0)

Versteckte Tiersubstanzen und Tierversuche

Auf allen Kosmetikverpackungen oder -etiketten müssen die Inhaltsstoffe vollständig angeführt sein, dies ist die sogenannte Volldeklaration. Oft ist der Fachbegriff „INCI“ angeführt, oder schlicht „Ingredients“. Dahinter sind dann die Inhaltsstoffe angeführt – mit ihrer internationalen Bezeichnung, die für den Laien unverständlich ist. Dementsprechend sind tierliche Substanzen schwer zu erkennen. So findet man etwa Amino Acid und Fatty Acid (Zellgewebe), Stearic Acid (aus Schweinemägen), Cysteine (von Hörnern, Borsten) oder gar Amniotic Fluid (Plazentawasser getöteter, trächtiger Tiere) auf vielen Etiketten von gängigen Industriekosmetika.

Unbedingt vermieden werden sollten auch Kosmetikprodukte mit dem Inhaltsstoff Lanolin (Wollwachs). Unsere Recherchen haben ergeben, dass sämtliches am Rohstoffmarkt erhältliches Lanolin von Schafen aus Australien stammt und damit überwiegend von Schafen, die dem grauenhaften Mulesing unterzogen wurden. Hinter Lanolin steht also praktisch immer Tierqual, das gilt auch für das Lanolin in Natur- und Biokosmetikprodukten.

In der EU sind Tierversuche für Kosmetika verboten, und zwar sowohl am Endprodukt, wie auch an Rohstoffen. Weiters ist der Handel mit Kosmetik, die und deren Bestandteile in Drittländern an Tieren getestet wurden, untersagt. Aber: Dieses von allen Tierschützern als Meilenstein gefeierte Tierversuchsverbot hat einen großen Haken. Es gilt nur für einen kleinen Teil rein kosmetischer Rohstoffe. Der Großteil der Substanzen (bis zu 90%!) fällt unter die EU-Chemikalienrichtlinie und wird nach wie vor an Tieren getestet. Auch medizinisches Interesse kann von großen Kosmetikkonzernen angeführt werden, um Tests bewilligt zu bekommen. Weiters: Wenn Unternehmen ihre Produkte in China registrieren lassen, können gemäß der dortigen Gesetzeslage von den Behörden Tierversuche angeordnet werden. Damit ist eine Firma, die innerhalb der EU zwar keine Tierversuche macht, deren Produkte aber in China an Tieren getestet werden, auch nicht mehr tierversuchsfrei.

Auch in der dekorativen Kosmetik gibt es bessere Alternativen – ohne bedenkliche Zutaten und ohne vermahlene Läuse (Foto: Pxhere, CC0)

Tu nichts auf deine Haut, was du nicht auch essen würdest

Konventionelle Kosmetikprodukte und Parfums enthalten synthetische Konservierungsstoffe (Parabene), Silikone, Paraffine (gesättigte Kohlenwasserstoffe, die bei der Destillation von Erdöl entstehen), Aluminiumsalze, Mikroplastik, synthetische Duftstoffe, sogar Formaldehyd und noch viele andere chemische Substanzen. Allesamt gesundheitlich bedenklich, da sie etwa allergen sind oder sogar hormonell oder krebserregend wirken können. Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Was auf sie aufgetragen wird, nimmt der Körper auch auf. Allesamt völlig überflüssig und vollständig ersetzbar – durch qualitativ hochwertige Substanzen auf pflanzlicher oder mineralischer Basis. Diese Rohstoffe sind aber teurer, weshalb die Kosmetikindustrie im großen Stil weiterhin auf die billigen chemisch-synthetischen Substanzen setzt. Detaillierte Informationen dazu haben wir im Artikel „Die Giftküche der Kosmetikindustrie“ zusammengefasst.

Bio- und Naturkosmetik – für dich und für die Umwelt

Wir empfehlen ausschließlich echte Bio- und Naturkosmetik. Da der Markt voll ist mit Pseudoprodukten, die freches Greenwashing betreiben. Da prangt auf etwa auf einem Etikett eine wunderschöne Rose und daneben steht „mit Bio-Rosenöl“. Wer nicht genau schaut, bekommt den Eindruck vermittelt, hierbei handle es sich um Natur- oder sogar Biokosmetik. Weit gefehlt! Beim Studium der Volldeklaration (INCI) wird dann klar, dass es sich um eine ganz gewöhnliche Industriekosmetik (mit Paraffin, Parabenen, synthetischen Duftstoffen etc.) handelt, der ein paar Tropfen Bio-Rosenöl zugesetzt wurden. Das ist Verbrauchertäuschung, vor der uns der Gesetzgeber bisher leider nicht schützt.

Keine Sorge, du musst jetzt nicht jedes Kosmetik-Etikett studieren, das haben wir für dich erledigt. Alle im Ethischen Einkaufsführer gelisteten Kosmetikmarken erfüllen unsere strengen Kriterien. Im Artikel „Gütesiegel für tier- und hautfreundliche Kosmetik“ fassen wir zudem detailliert zusammen, welche Kontroll- und Gütesiegel es im Kosmetikbereich gibt und was sie garantieren.

Welche Vorteile hat nun Bio- und Naturkosmetik? Sie enthalten allesamt keine Substanzen toter Tiere. Bedenkliche Inhaltsstoffe wie Parabene, Paraffine, Mikroplastik usw. sind tabu. Ebenso verboten ist die radioaktive Bestrahlung zur Entkeimung von Rohstoffen. Bei Biokosmetik wiederum müssen 95% der landwirtschaftlichen Rohstoffe aus Bioanbau stammen. Das schließt die Verwendung von Pestiziden und synthetischen Düngern bei Anbau aus. Einige Hersteller von Bio- und Naturkosmetik bemühen sich ausserdem um größtmögliche Transparenz, indem auf dem Etikett nicht nur die internationale Volldeklaration abgedruckt ist, sondern auch die deutsche Übersetzung. Alles in allem ist Bio- und Naturkosmetik mit Abstand besser für deine Haut, weil sie tatsächlich pflegende und nicht belastende Rohstoffe enthält. Und sie ist besser für die Natur und für die Tiere.

Gute Zutaten für gute Kosmetik (Foto: Pxhere, CC0)

Zu kaufen gibt es Natur- und Biokosmetik in Biosupermärkten, Bioläden, in eigenen Fachgeschäften und Webshops. Erhältlich ist alles, was Gesicht, Körper und Haare brauchen oder schmücken: Creme, Peeling, Maske, Bodylotion, Aftershave, Shampoo, Lidschatten, Mascara, Nagellack bis zu Naturparfum. Ein großes Achtung müssen wir bei Reformhäusern aussprechen: Hier werden leider oft echte Naturkosmetikmarken gemeinsam mit Pseudo-Naturkosmetikmarken verkauft. Da hilft dann nur die Kontrolle, ob die Marke durch ein vertrauenswürdiges Gütesiegel zertifiziert – oder im Ethischen Einkaufsführer gelistet ist. Wir haben auch einige Naturkosmetikmarken aufgenommen, die aus Kosten- oder anderen Gründen mit keinem der gängigen Gütesiegel zertifiziert sind. Bei diesen haben wir die Liste der Inhaltsstoffe intensiv geprüft und die Marke nur aufgenommen, wenn sie die Kriterien für Naturkosmetik erfüllt.

Übrigens: Auch bei Tampons und Binden, Kondomen und Parfums sollten wir auf natürlich-biologische und vegane Produkte achten. Im Einkaufsführer findest du sämtliche Marken und Hersteller sowie die Bezugsquellen, ebenso wie Kosmetiksalons und NaturfrisörInnen.

Fazit

Eine tierleidfreie und von uns uneingeschränkt empfohlene Kosmetikmarke erfüllt vier Kriterien. Sie ist:

  1. vegan (nur mit Rohstoffen auf pflanzlicher und mineralischer Basis)
  2. tierversuchsfrei (am besten bestätigt durch ein entsprechendes Kontroll-Siegel)
  3. nicht am chinesischen Markt registriert (sonst wären Tierversuche im Spiel)
  4. echte Naturkosmetik, besser Biokosmetik (min. 95%Bioanteil)