Darauf kommt’s an bei Körperpflege & Kosmetik

Stutenmilch, Karmin (Läuse), Tierfett aus Schlachtabfällen oder das Wollwachs Lanolin von schwerst misshandelten Schafen – das sind nur einige Substanzen in Kosmetikprodukten, für die Tiere leiden oder getötet werden…. auch in grausamen Tierversuchen. Ein entsprechendes EU-Verbot schützt nur bedingt vor Tierversuchen. Umso wichtiger ist es, zu wissen, ob nicht vielleicht der Mutterkonzern einer Marke Tierversuche durchführen lässt.

Im Ethischen Einkaufsführer ist nur echte Bio- und Naturkosmetik gelistet. Ihre Rezepturen mit pflanzlichen und mineralischen Rohstoffen erhöhen die Chance auf Tierversuchsfreiheit deutlich. Und sie belastet weder unsere Haut noch die Umwelt. Wir zeigen, welche Kriterien empfehlenswerte Kosmetik erfüllen muss und welche Siegel bei der Auswahl helfen.

Seifenschaum

Wieviel Tierleid steckt hinter deinem Duschgel? (Foto: Matthew Tkocz, Unsplash)

Versteckte Tiersubstanzen und Tierversuche

Auf allen Kosmetikverpackungen oder -etiketten müssen die Inhaltsstoffe vollständig angeführt sein, dies ist die sogenannte Volldeklaration. Oft ist der Fachbegriff „INCI“ angeführt, oder schlicht „Ingredients“. Dahinter sind dann die Inhaltsstoffe angeführt – mit ihrer internationalen Bezeichnung, die für den Laien unverständlich ist. Dementsprechend sind tierliche Substanzen schwer zu erkennen. So findet man etwa Amino Acid und Fatty Acid (Zellgewebe), Stearic Acid (oft aus aus Schweinemägen gewonnen), Cysteine (von Hörnern, Borsten) oder gar Amniotic Fluid (Plazentawasser getöteter, trächtiger Tiere) auf vielen Etiketten gängiger Industriekosmetika. Aber auch Seidenproteine, die besonders grausam gewonnene Stutenmilch oder Gelée Royal sind gängige Zutaten. Das typische Karminrot in Lippenstiften stammt von zermalenen Läusen.

Unbedingt vermieden werden sollten auch Kosmetikprodukte mit dem Inhaltsstoff Lanolin (Wollwachs). Unsere Recherchen haben ergeben, dass sämtliches am Rohstoffmarkt erhältliches Lanolin von Schafen aus Australien stammt und damit überwiegend von Schafen, die dem grauenhaften Mulesing unterzogen wurden. Hinter Lanolin steht also praktisch immer Tierqual, das gilt auch für das Lanolin in Natur- und Biokosmetikprodukten. Bis heute gibt es nämlich kein Bio-Lanolin am  Rohstoffmarkt.

In der EU sind Tierversuche für Kosmetika verboten, und zwar sowohl am Endprodukt als auch an Rohstoffen. Weiters ist der Handel mit Kosmetik, die als Endprodukt beziehungsweise deren Bestandteile in Drittländern an Tieren getestet wurden, untersagt. Aber: Dieses von allen Tierschützern als Meilenstein gefeierte Tierversuchsverbot hat einen großen Haken. Es gilt nur für den kleinen Teil der ausschließlich kosmetischen Rohstoffe. Der Großteil der Substanzen – diese sind dann sowohl für die Kosmetik als auch für andere Bereiche zugelassen – fällt unter die EU-Chemikalienrichtlinie und wird nach wie vor an Tieren getestet. Das betrifft bis zu 90% der in der Kosmetik verwendeten Inhaltsstoffe. Auch medizinisches Interesse kann von großen Kosmetikkonzernen angeführt werden, um Tests bewilligt zu bekommen. Weiters: Wenn Unternehmen ihre Produkte in China registrieren lassen, können gemäß der dortigen Gesetzeslage von den Behörden Tierversuche angeordnet werden. Damit ist eine Firma, die innerhalb der EU zwar keine Tierversuche macht, deren Produkte aber in China an Tieren getestet werden, auch nicht mehr tierversuchsfrei.

Auch in der dekorativen Kosmetik gibt es bessere Alternativen – ohne bedenkliche Zutaten und ohne vermahlene Läuse (Foto: Pxhere, CC0)

Tu nichts auf deine Haut, was du nicht auch essen würdest

Konventionelle Kosmetikprodukte und Parfums enthalten synthetische Konservierungsstoffe (Parabene), Silikone, Paraffine (gesättigte Kohlenwasserstoffe, die bei der Destillation von Erdöl entstehen), Aluminiumsalze, Mikroplastik, synthetische Duftstoffe, sogar Formaldehyd und noch viele andere chemische Substanzen. Allesamt gesundheitlich bedenklich, da sie etwa allergen sind oder sogar hormonell oder krebserregend wirken können. Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Was auf sie aufgetragen wird, nimmt der Körper auch auf.

Die oben genannten Substanzen sind nicht nur bedenklich, sondern auch völlig überflüssig und vollständig ersetzbar – durch qualitativ hochwertige Inhaltsstoffe auf pflanzlicher oder mineralischer Basis. Warum werden dann nicht nur diese gesünderen und unbedenklichen Rohstoffe verwendet? Sie sind teurer! Deshalb setzt die Kosmetikindustrie im großen Stil weiterhin auf die billigen chemisch-synthetischen Substanzen. KonsumentInnen, die sich von der ausschließlich profitorientierten Kosmetikindustrie im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr anschmieren lassen wollen, kaufen deren Produkte einfach nicht mehr. Detaillierte Informationen zum Thema haben wir im Artikel „Die Giftküche der Kosmetikindustrie“ zusammengefasst.

Bio- und Naturkosmetik – für dich und für die Umwelt

Wir empfehlen ausschließlich echte Bio- und Naturkosmetik. Ihre Vorteile kurz zusammengefasst:

  • keine Substanzen toter Tiere
  • keine bedenklichen Inhaltsstoffe wie Parabene, Paraffine, Mikroplastik usw.
  • keine radioaktive Bestrahlung zur Entkeimung der Rohstoffe
  • größere Transparenz bei den Rezepturen: Viele Hersteller von Bio- und Naturkosmetik drucken die Liste der Inhaltsstoffe auch in deutscher Übersetztung auf das Etikett
  • immer mehr Hersteller von Bio- und Naturkosmetik arbeiten mit palmölfreien Rezepturen
  • die Bio- und Naturkosmetikbranche achtet auch auf möglichst ressourcenschonende Verpackungen
  • bei Biokosmetik müssen zudem 95% der landwirtschaftlichen Rohstoffe aus Bioanbau stammen…
  • …damit sind auch Pestizide und synthetische Dünger beim Anbau der Rohstoffe tabu

Bedenkliche oder schädliche Rohstoffe gelangen über die Haut nicht nur in unseren Körper, sondern auch in die Umwelt. Sie werden abgewaschen oder als Reste in Verpackungen entsorgt. Auch die Herstellung oder Gewinnung natürlicher Subastanzen ist ökologischer als die Herstellung von Erdölderivaten oder Mikroplastik. Alles in allem ist Bio- und Naturkosmetik mit Abstand besser für deine Haut, weil sie tatsächlich pflegende und nicht belastende Rohstoffe enthält. Und sie ist besser für die Natur und für die Tiere.

Naturkosmetik Rohstoffe

Gute Zutaten für gute Kosmetik (Foto: Pxhere, CC0)

Zu kaufen gibt es Natur- und Biokosmetik in Biosupermärkten, Bioläden, in eigenen Fachgeschäften und Webshops. Erhältlich ist alles, was Gesicht, Körper und Haare brauchen oder schmücken: Creme, Peeling, Maske, Bodylotion, Aftershave, Shampoo, Lidschatten, Mascara, Nagellack bis zu Naturparfum. Ein großes Achtung müssen wir bei Reformhäusern aussprechen: Hier werden leider oft echte Naturkosmetikmarken gemeinsam mit Pseudo-Naturkosmetikmarken verkauft. Da hilft dann nur die Kontrolle, ob die Marke durch ein vertrauenswürdiges Gütesiegel zertifiziert – oder im Ethischen Einkaufsführer gelistet ist. Wir haben dort auch einige Naturkosmetikmarken aufgenommen, die aus Kosten- oder anderen Gründen mit keinem der gängigen Gütesiegel zertifiziert sind. Bei diesen haben wir die Liste der Inhaltsstoffe intensiv geprüft und die Marke nur aufgenommen, wenn sie die Kriterien für Naturkosmetik erfüllt.

Übrigens: Auch bei Tampons und Binden, Kondomen und Parfums sollten wir auf natürlich-biologische und vegane Produkte achten. Im Einkaufsführer findest du sämtliche Marken und Hersteller sowie die Bezugsquellen, ebenso wie Kosmetiksalons und NaturfrisörInnen.

Warnung vor Greenwashing

Leider sind Drogeriemärkte, Kosmetikläden und Supermärkte voll mit Pseudoprodukten, die freches Greenwashing betreiben. Da prangt etwa auf einem Etikett eine wunderschöne Rose und daneben steht „mit Bio-Rosenöl“. Wer nicht genau schaut, bekommt den Eindruck vermittelt, hierbei handle es sich um Natur- oder sogar Biokosmetik. Weit gefehlt! Beim Studium der Volldeklaration (INCI) wird dann klar, dass es sich um eine ganz gewöhnliche Industriekosmetik (mit Paraffin, Parabenen, synthetischen Duftstoffen etc.) handelt, der ein paar Tropfen Bio-Rosenöl zugesetzt wurden. Das ist Verbrauchertäuschung, vor der uns der Gesetzgeber bisher leider nicht schützt. Nicht minder trügerisch sind Ausdrücke wie „mit natürlichen Inhaltsstoffen“, „Bioformel“ und ähnliches. Marketingsprache, die Fakten der Inhaltsstoffe in der Volldeklaration sprechen eine andere Sprache.

Aber keine Sorge, du musst jetzt nicht jedes Kosmetik-Etikett studieren, das haben wir für dich erledigt. Alle im Ethischen Einkaufsführer gelisteten Kosmetikmarken erfüllen unsere strengen Kriterien. Im Artikel „Gütesiegel für tier- und hautfreundliche Kosmetik“ fassen wir zudem detailliert zusammen, welche Kontroll- und Gütesiegel es im Kosmetikbereich gibt und was sie garantieren.

Etikett Kosmetikprodukt

Greenwashing und leere Versprechungen? Die Fakten stehen in der INCI-Liste (Foto: CC BY-NC 4.0)

Fazit

Eine tierleidfreie und von uns uneingeschränkt empfohlene Kosmetikmarke erfüllt vier Kriterien. Sie ist:

  1. vegan (nur mit Rohstoffen auf pflanzlicher und mineralischer Basis)
  2. tierversuchsfrei (am besten bestätigt durch ein entsprechendes Kontroll-Siegel)
  3. nicht am chinesischen Markt registriert (sonst wären Tierversuche im Spiel)
  4. echte Naturkosmetik, besser Biokosmetik (min. 95%Bioanteil)

 

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