Darauf kommt’s an bei Kleidung

Um Tierleid zu vermeiden, empfehlen wir statt Wolle, Leder, Daunen, Seide oder Pelz pflanzliche Textilien. Für jede Anforderung gibt es die passenden Materialien: Biobaumwolle, Hanf, Tencel, Leinen oder Ramie, Ananasleder oder Kork und für warme Kleidung stehen neben Biobaumwolle und Hanf auch die Pflanzendaune Kapok und recycelte Mikrofasern zur Verfügung.

Ein weitererer Punkt ist die faire und umweltfreundliche Produktion. Gütesiegel wie GOTS und Naturtextil IVN zertifiziert BEST garantieren neben sozialverträglichen Arbeitsbedingungen auch umweltfreundliche Materialien, Herstellung und Ausrüstung (etwa die Färbung).

Alles cool? Alles billig? Die wahren Modeopfer bleiben im Verborgenen. (Foto: CC BY-SA 3.0, Magrealthkoo)

Modeopfer 1: Schafe, Gänse, Füchse, Angorakaninchen…

Hinter der Textil-Branche verbirgt sich enormes Tierleid. Offensichtlich und bekannt ist, wieviel Ausbeutung und Qual mit Pelz verbunden ist. Weniger bekannt ist, wieviel Leid hinter den meisten Kleidungsstücken aus Wolle und Walk steckt: Ein Viertel der weltweit verkauften Wolle und sogar die Hälfte der Merinowolle stammt von australischen Schafen. Diese werden in den ersten Lebenswochen der grauenhaften Prozedur des Mulesings unterzogen. Wer auf Wolle keinesfalls verzichten will, sollte unbedingt ausschließlich mulesingfreie Biowolle zu kaufen.

Daunen stammen meist von Gänsen, die bei lebendigem Leib gerupft werden, inzwischen meist von chinesischen Tierqualfarmen. Gänsefarmen in Ungarn, Polen oder Frankreich sind wenig besser: die scheuen Tiere werden lebendig gerupt und für Foie gras (Stopfleber) noch doppelt misshandelt.

Weil in China so billig produziert werden kann, kommt auch Angorawolle inzwischen meist aus China, eines der letzten Länder der Welt, in dem es nicht einmal ein Tierschutzgesetz gibt. Die Angorakaninchen werden auf eine Streckbank gefesselt, ihr Haarkleid wird ihnen bei vollem Bewusstsein herausgerissen.

Jeans Biobaumwolle

Fühlt sich gut an: Jeans aus Biobaumwolle, fair hergestellt. (Foto: pixabay, congerdesign)

Lösung 1: Pflanzenfasern

Kleidung aus tierlichen Materialien muss nicht sein. Die Bandbreite an pflanzlichen Fasern ist riesig: Die Ökotextilpflanze schlechthin ist Hanf. Er ist robust, braucht weder Dünger noch Pestizide und seine ist sehr temperaturausgleichend. Wegen der gröberen Struktur wird Hanf gerne mit Biobaumwolle gemischt. Das ist das nächste Stichwort. Bei Baumwolle solltest du  unbedingt darauf achten, dass sie aus Bioanbau stammt. Leinen (oft aus Österreich), Tencel (ein seidenartiges, ökologisches Gewebe, auch aus Österreich), Ramie (seidige Pflanze aus Afrika) und statt Leder Kork und Ananasleder sind wunderbare pflanzliche Alternativen.

Für die kalte Jahreszeit empfiehlen sich recycelte Mikrofasern oder die wildwachsende Pflanzendaune Kapok. Diese kann nicht nur für Bettwaren verwendet werden, mit ihr können auch Jacken gefüllt werden. Und auch aus Fasermischungen mit Biobaumwolle und Hanf lassen sich warme Textilien weben.

Textilfabrik Arbeiterinnen Modebranche

Ein zuviele-Stunden-Arbeitstag. (Foto: pixnio, Yahya Qawasmi, USAID)

Modeopfer 2: Der Mensch

Die Katastrophe von Rana Plaza führte zu einem Aufschrei in der Modebranche. Mehr als 1100 Menschen starben in der eingestürzten Textilfabrik. Danach wurde in den Medien über die katastrophalen Sicherheitsmängel, über die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse in den Niedriglohnländern, in denen fast alle Modekonzerne produzieren lassen, diskutiert. Und? Haben sich die Umsätze der konventionell arbeitenden Branche seitdem verringert? Hat der Aufschrei zu viel mehr als Lippenbekenntnissen geführt? Deshalb ist es so wichtig, das jede einzelne Konsumentin, jeder einzelne Konsument, sich genau überlegt, welche Wirtschaftspraktiken man mit seinem Geld mitfinanzieren will. Übrigens: Auch in ureigenstem Interesse macht es Sinn, sich genau zu überlegen, was man anzieht…

… denn ein Drittel der jedes Jahr erzeugten Chemikalien werden in der Textilbranche eingesetzt. Diese Zahl spricht Bände. Die teilweise nur unzureichend herausgewaschenen chemischen Substanzen belasten die Haut und führen oft genug zu allergischen Reaktionen. Am besten, Textilien werden erst gar nicht mit solch bedenklichen Chemikalien bearbeitet.

Lösung 2: fair und umweltfreundlich

Eine umweltfreundliche Herstellung von der Pflanze am Acker bis zum Einnähen der Knöpfe garantieren die beiden Gütesiegel GOTS und Naturtextil IVN zertifiziert BEST (mit den strengsten Kriterien). Achte also bei deinem Einkauf, dass eines der beiden Siegel am Etikett abgedruckt ist:

Gut für deine Gesundheit, gut für die Umwelt, aber auch gut für die Tiere! Indem du auf umweltfreundliche Materialien und Weiterverarbeitung achtest, setzt du auch ein wichtiges Zeichen gegen Tierversuche. Denn die vielen Chemikalien, mit denen in der konventionellen Modebranche die Kleidungsstücke behandelt werden, sind allesamt an Tieren getestet.

Gut auch für unsere Mitmenschen. Denn die genannten Gütesiegel erhalten ausschließlich Firmen, bei denen faire und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen eingehalten werden.

Eco Fashion boomt

Es gibt immer mehr Anbieter und Labels – ob als urbane Streetwear, elegante Businessmode, Sportbekleidung, Wäsche, Dessous oder Kinderkleidung. Die engagierten Firmen brauchen aber auch KäuferInnen, damit sie sich am Markt halten können. Wir KonsumentInnen entscheiden, ob wir ins nächste schwedische oder spanische etc. Modehaus gehen und mit unserem Geld eine bestimmte Wirtschaftsweise unterstützen oder ob wir Mode mit gutem Gewissen tragen wollen.

Leistbar ist auch Eco Fashion für die meisten Menschen in diesem Land. Es darf auch ein bisschen weniger, dafür etwas teurer sein. Die hohe Qualität der Materialien sorgt zudem dafür, dass die Kleidung länger hält. Und: auch die Eco-Fashion-Branche gibt es „Sale“.

Mit dem Einkauskorb die Welt fairändern.