Darauf kommt’s an bei Kleidung

Um Tierleid zu vermeiden, empfehlen wir statt Wolle, Leder, Daunen, Seide oder Pelz pflanzliche Textilien. Für jede Anforderung gibt es die passenden Materialien: Biobaumwolle, Hanf, Tencel, Leinen oder Ramie, Ananasleder oder Kork und für warme Kleidung stehen neben Biobaumwolle und Hanf auch die Pflanzendaune Kapok und recycelte Mikrofasern zur Verfügung.

Ein weitererer Punkt ist die faire und umweltfreundliche Produktion. Gütesiegel wie GOTS Organic und Naturtextil IVN zertifiziert BEST garantieren neben sozialverträglichen Arbeitsbedingungen auch umweltfreundliche Materialien, Herstellung und Ausrüstung (etwa die Färbung).

Auslage Modegeschäft

Alles cool? Alles billig? Die wahren Modeopfer bleiben im Verborgenen. (Foto: Hannah Morgan, Unsplash)

Modeopfer Nummer 1: Schafe, Gänse, Füchse, Angorakaninchen…

Hinter der Textil-Branche verbirgt sich enormes Tierleid. Offensichtlich und bekannt ist, wieviel Ausbeutung und Qual mit Pelz verbunden ist. Weniger bekannt ist, wieviel Leid hinter den meisten Kleidungsstücken aus Wolle und Walk steckt: Ein Viertel der weltweit verkauften Wolle und sogar die Hälfte der Merinowolle stammt von australischen Schafen. Diese werden in den ersten Lebenswochen der grauenhaften Prozedur des Mulesings unterzogen. Wer auf Wolle keinesfalls verzichten will, sollte unbedingt ausschließlich mulesingfreie Biowolle zu kaufen.

Daunen stammen meist von Gänsen, die bei lebendigem Leib gerupft werden, inzwischen meist von chinesischen Tierqualfarmen. Gänsefarmen in Ungarn, Polen oder Frankreich sind wenig besser: die scheuen Tiere werden lebendig gerupt und für Foie gras (Stopfleber) noch doppelt misshandelt.

Weil in China so billig produziert werden kann, kommt auch Angorawolle inzwischen meist aus China, eines der letzten Länder der Welt, in dem es nicht einmal ein Tierschutzgesetz gibt. Die Angorakaninchen werden auf eine Streckbank gefesselt, ihr Haarkleid wird ihnen bei vollem Bewusstsein herausgerissen.

Schafschur

Zeit ist Geld: Die Schafe werden im Akkord geschoren, Verletzungen bleiben nicht aus (Foto: franmedia, pixabay)

Lösung Nummer 1: Pflanzenfasern

Kleidung aus tierlichen Materialien muss nicht sein. Die Bandbreite an pflanzlichen Fasern ist riesig: Die Ökotextilpflanze schlechthin ist Hanf. Er ist robust, braucht weder Dünger noch Pestizide und seine ist sehr temperaturausgleichend. Wegen der gröberen Struktur wird Hanf gerne mit Biobaumwolle gemischt. Das ist das nächste Stichwort. Bei Baumwolle solltest du  unbedingt darauf achten, dass sie aus Bioanbau stammt. Leinen (oft aus Österreich), Tencel (ein seidenartiges, ökologisches Gewebe, auch aus Österreich), Ramie (seidige Pflanze aus Afrika) und statt Leder Kork und Ananasleder sind wunderbare pflanzliche Alternativen.

Für die kalte Jahreszeit empfehlen sich recycelte Mikrofasern oder die wildwachsende Pflanzendaune Kapok. Diese kann nicht nur für Bettwaren verwendet werden, mit ihr können auch Jacken gefüllt werden. Und auch aus Fasermischungen mit Biobaumwolle und Hanf lassen sich warme Textilien weben.

Paar trägt Eco Fashion

Fühlt sich gut an: Eco Fashion aus Biobaumwolle, Hanf, Tencel oder Leinen – fair hergestellt. (Foto: zelle duda, Unsplash)

Modeopfer Nummer 2: Der Mensch

Die Katastrophe von Rana Plaza führte zu einem Aufschrei in der Modebranche. Mehr als 1100 Menschen starben in der eingestürzten Textilfabrik. Danach wurde in den Medien über die katastrophalen Sicherheitsmängel, über die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse in den Niedriglohnländern, in denen fast alle Modekonzerne produzieren lassen, diskutiert. Und? Haben sich die Umsätze der konventionell arbeitenden Branche seitdem verringert? Hat der Aufschrei zu viel mehr als Lippenbekenntnissen geführt? Deshalb ist es so wichtig, das jede einzelne Konsumentin, jeder einzelne Konsument, sich genau überlegt, welche Wirtschaftspraktiken man mit seinem Geld mitfinanzieren will. Übrigens: Auch in ureigenstem Interesse macht es Sinn, sich genau zu überlegen, was man anzieht.

Aber auch die KonsumentInnen, die konventionelle Modeteile tragen, zahlen einen Preis. In der Textilindustrie kommen riesige Mengen chemischer Substanzen zum Einsatz (siehe unten). Das sind die Farbstoffe, Antischimmel-Chemikalien oder Antiknitter-Chemikalien etwa. Die teilweise nur unzureichend herausgewaschenen chemischen Substanzen belasten die Haut und führen oft genug zu allergischen Reaktionen. Am besten, Textilien werden erst gar nicht mit solch bedenklichen Chemikalien bearbeitet.

Textilfabrik Arbeiterinnen Modebranche

Fühlt sich nicht gut an: ein „Vielzuviele-Stunden-Arbeitstag“. (Foto: pixnio, Yahya Qawasmi, USAID)

Lösung Nummer 2: Fair hergestellt

Junge und engagierte Modelabels setzen nicht nur auf stylishe und nachhaltige Mode, sondern achten auch darauf, dass diese fair hergestellt wird. Das beginnt bereits beim Anbau der Pflanzenfasern. Vor allem auf den weltweiten Baumwollplantagen herrschen teils unwürdigste und ausbeuterische Arbeitsbedingungen. Auch die Färbung und Weiterverarbeitung der Textilien findet oft in Entwicklungsländern statt, in denen sowohl Arbeitsverhältnisse und Entlohnung als auch die Umweltstandards mehr als unbefriedigend sind. Und schließlich wird ein Großteil der Textilien unter fragwürdigsten Bedingungen konfektioniert.

Was können wir Konsumentinnen und Konsumenten tun? Die Antwort ist einfach: Kaufe nur Mode, die unter fairen Arbeitsbedingungen in Europa erzeugt wurde oder unter kontrolliert fairen Bedingungen in außereuropäischen Ländern. Insbesondere zwei Gütesiegel garantieren genau das: Das Fairtrade-Siegel und jenes der Fair Wear Foundation. Achte also bei deinem Einkauf, dass eines der beiden Siegel am Etikett abgedruckt is

Modeopfer Nummer 3: Die Natur

Ein Drittel der jedes Jahr erzeugten Chemikalien werden in der Textilbranche eingesetzt. Diese Zahl spricht Bände. Es fängt schon damit an, dass etwa beim Anbau von Baumwolle Unmengen von Pestiziden eingesetzt werden, da die Pflanzen sehr empfindlich sind – insbesondere beim Intensivanbau in Monokultur. Aber auch riesige Mengen an synthetischem Dünger wird ausgebracht. Weiter geht es mit den hochgiftigen Entlaubungschemikalien bei der Ernte. Rund um Baumwollplantagen wird die Umwelt massiv beeinträchtigt, aber natürlich nehmen auch die Tiere Schaden: Insekten und Wildtiere.

Und wie schon erwähnt werden auch bei der Weiterverarbeitung von Textilien und Stoffen teils sehr bedenkliche Chemikalien eingesetzt: Farbstoffe und weitere Chemikalien zur sogenannten Ausrüstung der Stoffe, damit sie etwa nicht knittern oder stonewashed erscheinen. Aufgrund kaum vorhandener Umweltstandards werden die schädlichen Abwässer oft in Flüsse oder Umgebung abgelassen.

Aber auch damit die Kleiderstücke auf dem teils langen Transport auf Containerschiffen aus Asien nach Europa nicht schimmeln, werden sie mit chemishcen Substanzen behandelt. Und letztlich ist die Modebranche auch für riesige Mengen an Plastik verantwortlich: Viele Einzelteile werden in Plastik verpackt. Dazu kommt dann noch das Plastiksackerl, die Plastiktüte für den Einkauf.

Toter Fisch im Fluss

In den Herstellungsländer gelangen giftige Abwässer oft in Fluss und Meer (Foto: Bru-nO, pixabay)

Lösung Nummer 3: umweltfreundlich hergestellt

Eine umweltfreundliche Herstellung von der Pflanze am Acker bis zum Einnähen der Knöpfe garantieren die beiden Gütesiegel GOTS Organic und Naturtextil IVN zertifiziert BEST (mit den strengsten Kriterien). Achte also bei deinem Einkauf, dass eines der beiden Siegel am Etikett abgedruckt ist:

Gut für deine Gesundheit, gut für die Umwelt, aber auch gut für die Tiere! Indem du auf umweltfreundliche Materialien und Weiterverarbeitung achtest, setzt du auch ein wichtiges Zeichen gegen Tierversuche. Denn die vielen Chemikalien, mit denen in der konventionellen Modebranche die Kleidungsstücke behandelt werden, sind allesamt an Tieren getestet.

Gut auch für unsere Mitmenschen. Denn die genannten Gütesiegel erhalten ausschließlich Firmen, bei denen faire und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Sehr oft findest du bei den entsprechenden Modemarke auch die Kombination von einem Öko-Gütesiegel mit dem Fairtrade- oder Fair-Wear-Foundation-Siegel (siehe oben). Zudem achten diese Firmen auch meist darauf, dass der Verpackungsmüll möglichst gering gehalten wird, verpacken ihre Kleidungsstücke in Papier oder Karton bzw. teils auch in Bioplastik.

Eco Fashion boomt

Es gibt immer mehr Anbieter und Labels – ob als urbane Streetwear, elegante Businessmode, Sportbekleidung, Wäsche, Dessous oder Kinderkleidung. Die engagierten Firmen brauchen aber auch KäuferInnen, damit sie sich am Markt halten können. Wir KonsumentInnen entscheiden, ob wir ins nächste schwedische oder spanische etc. Modehaus gehen und mit unserem Geld eine bestimmte Wirtschaftsweise unterstützen oder ob wir Mode mit gutem Gewissen tragen wollen.

Leistbar ist auch Eco Fashion für die meisten Menschen in diesem Land. Es darf auch ein bisschen weniger, dafür etwas teurer sein. Die hohe Qualität der Materialien sorgt zudem dafür, dass die Kleidung länger hält. Und: auch die Eco-Fashion-Branche gibt es „Sale“.

 

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