Darauf kommt’s an bei Heimtextilien & Möbeln

Die konventionelle Textilindustrie basiert weitgehend auf der rücksichtslosen Ausbeutung von Menschen, Tieren und Natur. Dabei geht es auch um Matratzen, Decken, Pölster, Bettwäsche und Frotteewaren, Teppiche, Strickgarne und Meterware. Der Großteil der in heimischen Geschäften gekauften Produkte stammt aus anderen Regionen der Welt. Die Frage stellt sich auch bei vielen Möbelstücken? Woher stammt das Holz, mit welchen Farben wurde lackiert? Wo wurde das Möbel hergestellt und unter welchen Arbeitsbedingungen?

Fragen, die die Industrie selten und ungern beantwortet. Die Firmen im Ethischen Einkaufsführer liefern Antworten. Und wir haben auch ein paar Tipps, auf was du konkret achten solltest.

Daunendecke Daunenkissen Pölster

Schöner Schein… hinter der Daunendecke steckt eine traurige Geschichte (Foto: Pxhere, CC0)

Dein Heimtextil – ein Naturprodukt?

Sind Daunen ein Naturprodukt, wie die Werbung weismachen will? Und wie sieht es mit der kuschelweichen Wolldecke aus? Und mit dem flauschigem Badetuch. Die Realität der Textilindustrie ist meist eine andere. Neben der chemischen Ausrüstung und Färbung der Textilien steht das hinter den Produkten, die Wohlbefinden vermitteln sollen:

Daunen, Federn

Die Daunendecke enthält das Federkleid von Gänsen aus Intensiv- oder Käfighaltung. Mehrheitlich werden die armen Tiere bei lebendigem Leib gerupft – in Akkordarbeit werden die Daunen herausgerissen – eine Tortour, die zu riesigen blutenden Wunden bei den Tieren führt, die daneben oft auch noch für die „Erzeugung“ von Stopfleber misshandelt werden – eine Doppelnutzung sozusagen. Zu den größten Daunenexporteuren gehören China, Ungarn, Polen und Frankreich. Details dazu im Artikel „Die blutige Spur der Daunen“.

Wolle

Ist die Kuscheldecke aus Wolle? Ist das Sofa mit einem Wollstoff bezogen? Sehr viele Anbieter beziehen Schur- und Merinowolle aus Australien, dem mit Abstand größten Wollproduzente der Welt. Auf riesigen Farmen werden die hochgezüchteten Merinoschafen einer grausamen Praktik unterzogen, dem „Mulesing“, bei dem ihnen – ohne Narkose – der Schwanz und ein tellergroßes Stück Fleisch herausgeschnitten werden. Nach zwei bis drei Jahren, wenn sie nicht mehr genügend Wolle geben werden sie zu Millionen auf riesigen Offendeck-Schiffen in den arabischen Raum transportiert, um in den dortigen Schlachthäusern geschächtet zu werden. Bereits während der Überfahrt sterben rund zehn Prozent der Tiere qualvoll auf den völlig überfüllten Schiffen. Mehr dazu im Artikel „Die blutige Spur der Wolle“.

Konventionelle Baumwolle

Badetextilien wie Hand- und Duschtücher, der Frotteemantel oder der Badezimmervorleger aus Baumwolle, haben – wenn diese konventionell angebaut wurde – den massiven Einsatz synthetisch-chemischer Düngemittel und Pestizide mitverursacht. Bei der Ernte der Baumwolle kommen giftige Entlaubungsmittel zum Einsatz, auch diese belasten die Umgebung und die Böden rund um die Plantagen und die Arbeitsbedingungen sind teilweise katastrophal. Der Einsatz von Chemie geht bei der Färbung und Ausrüstung der Textilien weiter, Chemikalien übrigens, die an Tieren getestet werden und wurden. Details dazu im Artikel „Tierqual in unseren Heimtextilien“.

Leder

Ist das Sofa oder der Sessel mit Leder bezogen? Auch dahinter steckt keine schöne Geschichte. Einer der größte Lederexporteure ist Indien. Gegerbt werden die Tierhäute meist in Entwicklungsländern, wo Umweltstandards und Löhne gering sind. Das Gerben ist einer der besonders schmutzigen Industriezweige, da zahlreiche giftige Chemikalien notwendig sind, um die Häute zu konservieren, darunter auch Chromsalze. Mehr dazu in „Leid und Leder“ und „Leder – weder natürlich noch fair“.

Badetücher Handtücher Frotteewaren

Nachhaltiger Flausch… aus Biobaumwolle, ökologisch gefärbt (Foto: Pxhere, CC0)

Pflanzliche Biotextilien – kein Etikettenschwindel

Das sind wahre Naturprodukte: Heimtextilien aus umweltfreundlich, tierfreundlichen und fair hergestellten Stoffen, etwa aus kontrolliert biologischer Baumwolle. Auch die Hüllen und Füllmaterialien von Decken und Pölstern sollten aus Biomaterialien oder pflanzlichen Textilien aus Wildsammlung bestehen: Die Hüllen aus Biobaumwolle, die Füllungen je nach Wärmeerfordernis ebenso aus Biobaumwolle, Hanf, Leinen oder der sogenannten Pflanzendaune Kapok. Noch klein, dafür umso luxuriöser ist das Angebaut aus Bettdecken, die mit dem heimischen Pappelflaum gefüllt sind – der leichtesten Hohlfaser der Welt, noch stärker wärmend und temperaturausgleichend als Daunen. Einzelheiten über die nachhaltigen, fair erzeugten und tierfreundlichen Textilien findest du in den Artikeln „Cruelty-free Home“ und „Warenkunde nachhaltiger Textilien“. Und welche Gütesiegel eine gute Orientierungshilfe sind, ist hier nachzulesen.

Wer auf Wolle nicht verzichten will, sollte ausschließlich Biowolle oder „Wolle kbT“ (aus kontrolliert biologischer Tierhaltung) kaufen. Nur da sind wenigstens die schlimmsten Misshandlungen ausgeschlossen. In jedem Fall ist Wolle aus Europa besser.

Aus gutem Holz geschnitzt

Auch in der Möbelbranche kommen ungerechte Entlohnung vor, bedienen sich Konzerne berüchtigter Steuertricks. Einer der größten Möbelkonzerne der Welt bezieht den Großteil des verarbeiteten Holzes aus der legalen Abholzung von Urwäldern, wie die Stiftung Fairness-Check berichtet.

Im Einkaufsführer findest du alternative Möbelanbieter in den Bereichen Wohn– und Schlafraum. Bei ihnen findest du Möbel aus zertifizierter, nachhaltiger Forstwirtschaft und nachhaltige Wohnaccessoires. Aber auch Upcycling- und Vintagemöbel sind eine gute Möglichkeit, sich nachhaltig und ressourcenschonend einzurichten.

Holztisch Schreibtisch

Eine gute Unterlage: Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, nur mit Leinöl behandelt (Foto: Pxhere, CC0)