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Veganes Essen für obdachlose Menschen

Veggie homeless cooking
Die Initiative „Vienna Veggie Homeless Cooking“ kocht aus Lebensmittel-Abfällen gesunde Menüs für obdachlose Menschen. Wir möchten euch dieses tolle Wiener Projekt vorstellen und haben dessen Gründerin Doris Schneeberger interviewt. 
Vienna Veggie Homeless Cooking, vegan Kochen für Obdachlose

Ein engagiertes Team aus Freiwilligen bereitet vegane Speisen für obdachlose Menschen zu. (Fotos: © Doris Schneeberger)

Vienna Veggie Homeless Cooking

Obdachlose Menschen mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen, ist in Österreich einerseits Sache der Kirche (Caritas), auch Gemeinden und Bund fördern private Einrichtungen, die Obdachlose unterstützen. Neu ist das Projekt „Vienna Veggie Homeless Cooking“: Eine private Initiative, bei der seit März 2019 regelmäßig Freiwillige für das Tageszentrum für obdachlose Menschen der Caritas kochen. Drei bis fünf Personen braucht man, um 100 bis 120 Portionen zuzubereiten. Engagierte Menschen sind herzlich willkommen. Wer mitmachen möchte, kann sich einfach über die Homepage von Vienna Veggie Homeless Cooking zum Kochen anmelden.

Lebensmittel: Wieder Mittel zum Leben

Dieses Projekt bietet ein veganes Menü, und kommt sehr gut an. Aus Lebensmittel-Spenden des Vereins für sozialen Transfer – die Wiener Tafel – werden regelmäßig pflanzliche Menüs für die obdachlosen Menschen gekocht. Besonders im karitativen Bereich, wo Finanzen knapp sind und die Gesundheit der Menschen oft angeschlagen ist, kann mit dieser Art von Essen viel für unsere Gesellschaft geleistet werden.

Toll dabei ist nämlich nicht nur, dass Lebensmittel vor dem Müll gerettet werden und bedürftige Menschen eine warme Mahlzeit bekommen, sondern dass auch gesunde Gemüsegerichte zubereitet werden. Damit werden nicht nur Ressourcen gespart, auch die Gesundheit wird gestärkt.

Vienna Veggie Homeless Cooking, vegan Kochen für Obdachlose

Eindrücke vom ersten Einsatz der Initiative (Fotos: © Doris Schneeberger)

Mehr über dieses Projekt erzählt dessen Initiatorin, MMag.a Dr.in Doris Schneeberger, im Interview:

animal.fair: Was sind Ihre Beweggründe, dieses Projekt zu machen?

Doris Schneeberger: In der „Lottery of Life” hab ich großes Glück gehabt, als westlicher Mensch in Österreich geboren worden zu sein. Verglichen mit dem Los vieler anderer menschlicher und nichtmenschlicher Lebewesen auf dieser Erde ist das ein Jackpot. Mit diesem Privileg und dem Bewusstsein dessen geht für mich der moralische Imperativ einher, andere zu unterstützen, die nicht so viel Glück hatten. Ich verfüge über den Luxus der Freiheit, und diese Freiheit möchte ich nützen, um mit meinem Leben etwas Sinnvolles zu machen. Sinnvoll ist für mich vor allem, das Leid jener zu reduzieren, die auf Menschen angewiesen sind, die sich einsetzen. Ich kann Vieles nicht verhindern, was an Furchtbarem passiert, aber ich kann aufstehen und mich engagieren.

Vordergründig könnte man denken, dass Vienna Veggie Homeless Cooking nur ein kleines Projekt ist, bei dem bei einem monatlichen Einsatz für ca. 80 obdachlose Menschen gekocht wird. Tatsächlich geht es dabei um mehr. Bei dem Projekt kommen Freiwillige zusammen, die ihre Zeit und Energie kostenlos zur Verfügung stellen, um etwas Gutes zu tun. Es geht aber auch generell um größere Themen mit globaler Tragweite, es geht um menschlichen und sozialen Zusammenhalt, Lebensmittelverschwendung, Tier- und Umweltschutz, Gesundheit.

Es geht darum, dass wir jetzt aktiv etwas gegen den Klimawandel tun müssen. Wir müssen bedenken, in welchem Zustand wir diesen Planeten an zukünftige Generationen übergeben. Die Tierproduktindustrie verursacht z.B. mehr klimaschädliche Abgase als der gesamte weltweite Verkehr. (1) Wir müssen uns bewusst werden, dass die globale Erwärmung für zukünftige Generationen massives Leid bedeuten wird – Leid, für das wir verantwortlich sein werden.

Veggie homeless cooking, vegan Kochen für Obdachlose

Eine Auswahl der Speisen, die beim zweiten Koch-Einsatz zubereitet wurden. (Fotos: © Doris Schneeberger)

animal.fair: Sind die Kosten für vegane Gerichte niedriger als für Fleischgerichte? Könnte so nicht besonders im finanziell knapp bemessenen karitativen Bereich viel effizienter gearbeitet werden, also mehr Essen für mehr Menschen zubereitet werden?

D.S.: Im karitativen Bereich wird über weite Bereiche natürlich mit Spenden gearbeitet, und die Spenden sind auch oft vegetarisch/vegan. Deshalb ist vegetarisch/vegane Küche auch gar nicht so ungewöhnlich, wenn es darum geht, Speisen für obdachlose Menschen zuzubereiten.

Viele Grundnahrungsmittel sind vegan und günstig, wie z.B. Reis, Bohnen, Kartoffeln, Nudeln, Karotten, Zwiebeln, Äpfel, etc. Wenn man sich an diesen orientiert, kann man sehr günstig (und gesund) kochen und essen. Wenn man verarbeitete vegane Produkte kauft, kann das schon auch ins Geld gehen, was auch daran liegt, dass die Tierproduktionsindustrie stark subventioniert ist, was auf pflanzliche Produkte nicht in dem Maße zutrifft. (Eine Studie, in der österreichische Agrarsubventionen im Jahr 2003 beleuchtet wurden, ergab z.B., dass mehr als die Hälfte der Subventionen in die Produktion von Tierprodukten geflossen ist, während die Produktion pflanzlicher Produkte nur mit 11% der Subventionen gefördert wurde. (2) Pflanzliche Lebensmittel werden teilweise auch höher besteuert als tierische. Ein Beispiel dafür ist tierische vs. pflanzliche Milch. Tierische Milch wird als „Grundnahrungsmittel“ mit 10% besteuert, pflanzliche Milch als „Getränk“ mit 20%. (Paradoxerweise gehen auch die dadurch eingenommenen Steuern auf Umwegen wieder als Subventionen an riesige Schlachthöfe, die in Österreich teilweise jährlich mit Millionenbeträgen bezuschusst werden. (3) Die Vegane Gesellschaft Österreich engagiert sich dafür, dass diese diskriminierende Art der Besteuerung, die Menschen, die Pflanzenmilch kaufen, steuerlich benachteiligt, abgeschafft wird. (4)

 

animal.fair: Wie schaut ein Koch-Einsatz von Vienna Veggie Homeless Cooking aus – wie kann man sich das vorstellen? Fotos und Infos dazu finden wir ja auch auf der tollen Facebook-Seite.

D.S.: Wir treffen uns morgens um 8:30 und starten den Einsatz mit einer Kennenlernrunde und einer kurzen Besprechung, was wir heute kochen. Dann geht es direkt ab in die Küche. Die Zeit vergeht im Flug beim Waschen und Schneiden des Obsts und des Gemüses, und bei den verschiedenen Kochschritten, die parallel ablaufen. Wir unterhalten uns, lernen uns kennen, und arbeiten zusammen. Sobald das Essen fertig ist, servieren wir es unseren hungrigen Gästen. Anschließend säubern wir die Küche und alle Kochutensilien. Letztens haben wir dann unsere bisherigen Einsätze bei einem äthiopischen Abendessen gefeiert. Mit dieser sozialen Komponente ist Vienna Veggie Homeless Cooking auch ein Angebot für interessierte Menschen, Gleichgesinnte kennenzulernen, und im Team etwas zu schaffen, was keiner von uns alleine hinbekommen würde.

animal.fair: Herzlichen Dank für das Gespräch & alles Gute.

Doris Schneeberger

Vienna Veggie Homeless Cooking

Vienna Veggie Homeless Cooking ist eine private Initiative, gegründet von MMag.a Dr.in Doris Schneeberger, die alle Interessierten einlädt, gemeinsam für obdachlose Menschen vegan zu kochen.

Quellen zum Interview:

  1. FOOD AND AGRICULTURE ORGANIZATION OF THE UNITED NATIONS (2006) “Livestock’s Long Shadow” aufgerufen am 14.05.2019.
  2. Hnat, Felix. (2006) „Agrarsubventionen in Österreich aus einer tierrechtlerischen Perspektive“, aufgerufen am  14.05.2019.
  3. VGÖ: „Leder”, https://www.vegan.at/inhalt/leder, aufgerufen am 14.05.2019.
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Ein Artikel von Sandra