Ist Schulmilch heute noch zeitgemäß?

Früher gehörte sie einfach dazu: das kleine Packerl Vanillemilch, Kakao oder einfach Milch. Heute ist das anders: Vielen schmeckt nicht mehr, was da angeboten wird. Es ist Zeit, unseren Kindern Alternativen anzubieten. Wir haben uns das Geschäft mit der Schulmilch genauer angeschaut.
Schulmilch

Alternativen zur Schulmilch sind heute gefordert: Kinder sollen wählen dürfen. (Foto: Pixabay, Alexandr33)

Milch-Bestellungen gehen zurück

Gerade zu Schulbeginn flattern viele Zettel und Formulare per Schultasche ins Elternhaus. Man kommt mit dem Lesen kaum nach, die Entscheidungen werden rasch getroffen. Oft sind wir ein wenig überrumpelt, so auch von der Bestellung für die Schulmilch. Dazu kommt das Kind, das meist das will, was die Mehrheit der Klasse auch bestellt. Leider haben wir hier (noch) keine andere Möglichkeit, als Kuhmilch zu wählen. Dieser Umstand ist in Zeiten von Laktose-Unverträglichkeit, ums Überleben kämpfender Milchbauern und Vitaminmangel in der Ernährung unserer Kids unverständlich. Denn es gibt tolle Alternativen wie zuckerreduzierte Fruchtsäfte oder Smoothies aus Obst und Gemüse, Mineralwasser mit Geschmack oder Drinks aus heimischem Getreide wie Hafer oder Soja. So versorgen wir unseren Nachwuchs mit passenden Vitaminen und Spurenelementen. Mit einem fairen Preis für Bio-Produkte fördern wir gleichzeitig unsere LandwirtInnen. Denn viele von ihnen steigen gerne von der Milchkuh-Haltung auf den Anbau von Pflanzen um.

Schulmilch

Muttermilch wird den Anforderungen von Schulkindern nicht gerecht. Probieren wir doch mal andere Getränke wie Fruchtsäfte oder Mineralwasser aus. (Foto: Pixabay, Tuhin khamaru)

Milch rentiert sich nicht

Denn der Verkauf von Tiermilch ist schon lange nicht mehr gewinnbringend: Trotz hoher Subventionen leiden die Milchbauern an stetig fallenden Milchpreisen. Immer mehr Landwirte entschließen sich, keine Kühe mehr ihrer Milch wegen zu halten. Rund 8000 Milchbauern gibt es noch in Österreich, Tendenz weiter sinkend. Auch die zunehmende Berichterstattung über die Haltungsbedingungen in den Ställen wirkt sich auf den Verkauf aus: KonsumentInnen wollen kein Tierleid fördern. Dazu kommt das steigende Gesundheitsbewusstsein: Laktose wird von Menschen nicht gut vertragen, Muttermilch hat ja einen bestimmten Nährstoffgehalt, der für einen neu geborenen Organismus passt. Immer mehr Menschen hören auf ihren Körper und greifen zu alternativen Produkten. Eine tolle Chance für unsere LandwirtInnen, auf dieses Marktsegment aufzuspringen und den Hof anders zu bewirtschaften: Drinks und Produkte aus heimischem Hafer oder Soja zeigen stark steigende Marktwerte.

Eltern halten zusammen: Besonders wenn man selber Kinder hat, kann man „Produktionsbedingungen“ bei Milchkühen nicht tolerieren. (Foto: Pixabay, PublicDomainPictures)

Seelisches Leid für Mutter und Kind

Als Mama über Kuhmilch zu schreiben, fällt mir emotional sehr schwer – ich hab selber lange gestillt, also Milch „produziert“, vielleicht fühle ich mich darum den Kühen so nahe. Die Bedingungen dafür, dass wir Tiermilch trinken können, gehen weit über meine Toleranzgrenzen hinaus: Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie ein Kalb gebären. Dieses wird in Österreich nach maximal einer Woche von der Mutter getrennt und kommt in eine Einzelbox oder ein Kälberiglu, die Mutterkuh wird künstlich neu „besamt“. Ist das Kalb weiblich, erwartet es dasselbe Schicksal wie seine Mama. Ist es männlich, wird es in den meisten Fällen in ein paar Wochen geschlachtet, die wenigsten werden zu Maststieren. Kühe werden in unserem System nicht älter als rund 5 Jahre, das natürliche Alter einer Kuh läge bei 30 Jahren. Mehr dazu in unserer Infothek.

Eine engagierte Mama berichtete uns, dass sie der Schulausflug mit der Klasse ihres Kindes zu einem Bauernhof sehr nachdenklich machte. Die Bäuerin erklärte, dass sie bis zu vierzig Schulen beliefert, um finanziell überleben zu können. Was mit den vielen Kälbern passiere, für die die Kühe ja die wertvolle Milch geben, könne sie nicht kontrollieren: Die Babys werden vom Viehhändler abgeholt.

Gemeinsam Wissen umsetzen

Aber in unserer Gesellschaft tut sich was. Die Auseinandersetzung mit unseren Kindern hat in den letzten Jahren zugenommen: Anders als früher setzen sich Eltern intensiver mit dem körperlichen und seelischen Wohl ihres Nachwuchses auseinander. Ein Bonus unserer Gesellschaft, denn eine stabile Kindheit ist die Basis glücklicher Erwachsener. Auch in den Schulen kommunizieren LehrerInnen und Eltern mehr miteinander.

Schulmilch

Umstellen muss sich vor allem das Bestellformular, am Gaumen schmeckt auch ein Pflanzendrink oder Saft superlecker. (Foto: Pixabay, candice_rose)

Mehr Auswahl bei der Schulmilchbestellung

Um Alternativen zur Kuhmilch anbieten zu können, sind die Eltern gefragt. So war die Direktorin der Volksschule unserer Kinder für die Aufnahme einer Alternative zur Kuhmilch generell aufgeschlossen, durch den Schulwechsel ist das Projekt dann leider (noch) nicht umgesetzt worden. Meiner Erfahrung nach ist es sinnvoll, gemeinsam mit dem Elternverein der Schule Vorschläge zu finden, diese dann der Schulleitung zu zeigen und gemeinsam eine Testphase zu probieren. In unserem Ethischen Einkaufsführer findet Ihr viele Unternehmen, die Getränke anbieten.

Wir möchten gerne wissen: Wie zufrieden seid ihr mit dem Angebot an der Schule eurer Familien? Wir freuen uns sehr, wenn Ihr uns berichtet, wie das Thema Schulmilch bei euch ankommt und was eure Kinder dazu sagen.

 

Artikel teilen:

Profilbild

Ein Artikel von Sandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.